Mo, die Hauptfigur in den Comics von Alison Bechdel, sie trägt wie seit Jahren ihre heißgeliebten quer-gestreiften Shirts, durchlebt gerade eine Krise, denn auch der Frauenbuchladen MADWIMMIN BOOKS, bei dem sie arbeitet, kann sich den neuen Zeiten nicht verschließen und muss „Harry Potter" ins Sortiment aufnehmen, wenn das Geschäft auch weiterhin gegen große Buchhandlungen und Internet-Buchhandlungen weiter bestehen will. Mo überlegt, ob sie nicht lieber Bibliothekswissenschaften studieren sollte, hat aber Hemmungen, den Buchladen im Stich zu lassen. Clarice hingegen ist seit der Wahl von George W. Bush nur noch deprimiert und kaum noch in der Lage, sich von der Couch zu erheben und auch nur irgendetwas zu machen. Und natürlich lässt auch die Katastrophe des 11. Septembers die Lesben nicht unberührt. Doch auch die anderen Frauen (oder ehemaligen Frauen) haben, ihr Sorgen. Sei es die Kindererziehung, der ewige Konkurrenzkampf mit dem erfolgreichen Vater, Schwangerschaft und Abtreibung, neue Verliebtheiten, heiraten im Bundesstaat Vermont, (der es Lesben und Schwulen als erster US-Bundesstaat ermöglichte, sich legal zu verbinden) und die Skandale bei Firmen wie Enron.
Bechdel schafft es auch in diesem, bereits dem 7., von der Frankfurterin Birgit Müller übersetztem Band, hervorragend, nicht
nur die lesbische Szene sondern auch die politische Situation unter George W. Bush aufs Korn zu nehmen. Da entspinnen sich Dialoge, wie „Ihr fastet? Was soll das den bewirken?" „Das ist ein Weg, unsere Energie zu verstärken, um die Tragödie (des 11. September) zu heilen und zu verwandeln." Oder Sätze wie: „Also, kein Wunder, dass ich mich so unvollkommen fühle, so voller diffuser Ängste, so ... so spirituell ausgehungert! Ich habe keinen 130-Dollar-Korkenzieher!" „Raf, wo ist dein Erdkugel-Wasserball?" „Warum?" „Weil ich vierzig Jahre alt bin, und nicht weiß, wo Afghanistan liegt. ... „Die ganze Welt sollte einfach nur ein Land sein, dann müsste man nicht die ganzen Namen und Fahnen und so lernen."
Die Zeichnungen sind witzig und sehr detailliert, welche genau
hinschaut (und ein wenig Englisch kann, da Birgit vieles in den
Zeichnungen nicht übersetzt hat), entdeckt kritische und für die
Amerikaner bezeichnende Zeitungsschlagzeilen und Buchtitel.