Instrumente können nur so gut klingen wie der sie umgebende Raum. Das weiß Cellist Jaap ter Linden, Veteran der Historischen Aufführungspraxis, und legt mit dem kanadischen Arion-Ensemble einen (Kirchen-) Klang vor, der in punkto Natürlichkeit und Strahlkraft Maßstäbe setzt. Angesichts der musikalischen Qualität der drei ausgewählten Ouvertüren muss man sich wieder einmal kopfschüttelnd fragen, warum deren Noten so lange unbeachtet in ihren Archiven vor sich hinschimmeln mussten. Die farbige Holzbläserbesetzung (in der abschließenden Es-Dur Suite kommt noch herrlich sonorer Hörnerklang hinzu) dieser erhabenen Werke lässt an typische "Freiluftmusik" denken, die irgendwie nach Wasser klingt. Der Vergleich mit Händels Wassermusik erscheint somit geradezu zwingend, und hier wird ein entscheidendes Charakteristikum offenbar, das für Telemanns beste Werke allgemein gilt und - über Witz und Humor hinaus - ihre enorme Anziehung erklärt: Seine Musik ist niemals elitär, nie distanziert, sondern schlicht und einfach menschlich - eben jene "Allgemeinverständlichkeit", für die der Komponist zu seinen Lebzeiten so sehr gerühmt wurde. Dabei konnte er aber durchaus auch ernst, wie die dramatische, in ihrer reinen Streicherbesetzung faszinierend dunkle "L'Omphale"-Ouvertüre beweist. Eine wenig überzeugende Idee (der Interpreten) stellt die solistische Cembalo-Einlage am Ende des Mittelteils der Es-Dur Ouvertüre dar, da durch diese Pausen zu viel Energie aus dem Stück genommen wird; die beiden liedhaften Sätze im selben Werk werden viel zu schnell angegangen. - Der Titel passt, denn um "verborgene Schätze" handelt es sich hier wirklich. Barocke Prachtentfaltung par excellence!