Weckte das erste Fersen-Album Sommergefühle hellster Art, ist auf dem zweiten, „Les ronds de carotte", Schluss mit Juli: Es führt uns direkt in den Herbst. Da hagelt es Regenschirme, Äpfel, herabgefallene Blätter, Überschwemmungen, Wirbelstürme und verblühte Lieben. Was würde besser passen als den typischen Sound aus Folk-Jazz-Pop-Musette mit einem kräftigen Schuss Blues abzulöschen? Abgesehen davon ist Monsieur Fersen heiter wie immer, egal, ob er seine Freundin bittet, mit dem Heulen aufzuhören (das ist nämlich die Ursache der oben erwähnten Überschwemmung), wegen unzuverlässigen Metros seine Rendez-vous verpasst, unschuldig ins Kittchen kommt oder bemerkt, wie eine attraktive Unbekannte, die ihm durchaus gefallen könnte, im Pissoir verschwindet. Seine gute Laune geht so weit, dass er ohne Not das italienische Volkslied „Bella Ciao" eingespielt hat. Sicher nicht die stärkste Nummer auf der beschwingt-melancholischen CD, aber mehr als zu verkraften durch Meisterstücke wie „Louise", „Dans les transports", „Ne pleure plus" und „Un temps de chien". Das letzte ist ein sehr charmantes Duett, ein Dialog zwischen Vater und Sohn, die immer im Café landen, statt an die frische Luft zu gehen. Und wenn man dabei die Augen schließt, ist es, als sei man selbst dort, im Feierabendtrubel, zwischen geistesabwesenden Vätern, rauchenden Knaben, fluchenden Clochards und Freudenmädchen, die sich aufwärmen. Für einen regnerischen Herbstnachmittag gibt es wirklich üblere Orte. (Sollte einem sonniger zumute sein, siehe oben).