Eher durch Zufall bin ich in der Bibliothek meines Vertrauens auf die hier angebotene Doppel-CD gestoßen. Bis dato kannte ich von dem zugegeben großen Komponisten der Romantik Franz Liszt nur die sinfonische Dichtung „Faust-Sinfonie" und seine beiden Klavierkonzerte, die unbestreitbar hervorragend sind, mich persönlich jedoch nicht unbedingt ansprachen.
Dies stelle ich voran, gerade um zu zeigen, um was für ein wirklich hervorragendes Werk es sich bei der vorliegenden CD handelt. Denn diese Aufnahme ist zunächst geeignet, selbst Skeptikern wie mir überhaupt erst den Zugang zu dem vielfältigen Werk des Komponisten zu ermöglichen. Dies dadurch, dass sich die als sog. Panorama-Reihe angelegte CD in zwei „Abteilungen" aufteilt, nämlich in Orchesterwerke auf der ersten CD und in reine Klavierwerke auf der zweiten CD. Dabei bieten beide CD's jeweils einen zugleich abwechslungsreichen aber auch in sich stimmigen Querschnitt des Liszt-Werkes, als da z.B. auf der ersten CD eine symphonische Dichtung (‚Les Préludes'), eine ‚Fantasie über ungarische Volksmelodien', zwei ‚Ungarische Rhapsodien' und das Klavierkonzert Nr. 1 wären.
Darüber hinaus dürfte diese Aufnahme aber auch Liszt-Kennern eine große Freude bereiten, denn die Qualität der Einspielungen ist schlicht überragend. So spielen bei den Orchesterwerken bei den Titeln 1 bis 4 die Berliner Philharmoniker unter dem (sonst von mir wegen seiner Phantasielosigkeit nicht gerade geschätzten) Herbert von Karajan mit einer Verve und Spielfreude auf, dass es eine wahre Pracht ist. Das anschließende Klavierkonzert wird dann, nicht minder begeisternd, vom London Symphony Orchestra unter Claudio Abbado vorgetragen, wobei wir damit auch schon beinahe den Übergang zu den Solowerken auf CD 2 nehmen, denn am Klavier sitzt hier die argentinische Ausnahmepianistin Martha Argerich, die mit ihrer Virtuosität auch dieses Klavierkonzert zu einem Fest macht.
Eben diese Künstlerin spielt dann auf der zweiten CD auch die wunderbare Klaviersonate in h-Moll ein, „umrahmt" von so großartigen Pianisten wie Vladimir Ashkenazy, Sviatoslav Richter und Claudio Arrau, die ihrerseits in sehr guten Interpretationen u.a. Stücke aus den „Zwölf großen Etüden" vortragen. Alles in allem ist diese CD ein wirklich schöner und ausgesprochen repräsentativer Querschnitt durch das Schaffen dieses ungarisch-deutschen Komponisten, der durchaus zutreffend im (leider etwas mageren) Begleittext als „Paganini des Klavier" bezeichnet wird. Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!!!