Gut, der Titel ist unglücklich gewählt - aber dass eine Doppel-CD Claptons Karriere wirklich "komplett" abdecken könnte, hat ja nun auch niemand ernsthaft erwartet, oder? Immerhin umfasst sie Claptons wichtigste Hits aus 41 Jahren, und man kann hier sehr übersichtlich seinen beeindruckenden musikalischen Werdegang von 1966 bis 2006 verfolgen. Dies hier ist schlicht und ergreifend die bisher stimmigste und rundeste Best of-CD, die es von Eric Clapton gibt. (Und auf alle Fälle ist sie deutlich besser gelungen als "Forty Licks" von den Stones mit demselben Anspruch.)
Im zeitlich begrenzten Rahmen zweier CDs macht es durchaus Sinn, auf Yardbirds- und Bluesbreakers-Titel zu verzichten, wenn man denn eine Trennlinie ziehen muß; schließlich wurde Clapton ja erst mit Cream zum "Superstar", wie er selber in einer begleitend erschienenen Autobiographie schreibt.
Die CD trifft in chronologischer Abfolge eine konzentrierte, repräsentative Auswahl seiner wichtigsten Titel und bringt von fast jedem Studioalbum ein bis zwei Lieder (resp. die entsprechenden Singles), von "Slowhand" ('77) auch mal drei; Layla gibt's je einmal in der Dominos- und der "Unplugged"-Fassung. (Lediglich "Reptile" ('01) und "Back home" ('05) sind nicht vertreten.) Bis auf Crossroads (Cream) und die "Unplugged"-CD wurden Live-Versionen außen vor gelassen.
Einziger Fehlgriff: Miss you (von "August", '86) war ein reiner Albumtitel; statt dessen hätte konsequenterweise die Single Tearing us apart vom gleichen Album hier hin gehört.
Thema "Blues": so richtig berühmt wurde Clapton ja nicht für puren Blues, sondern erst bei Cream dafür, dass bei allem, was er anfasst, seine Wurzeln im Blues durchscheinen. Und so hoch ist der Anteil an reinen Bluestiteln auf seinen Alben auch wieder nicht - auf seinen regulären Studio-Alben finden sich im Schnitt 1-2 Bluestitel, so wie hier auch; lediglich auf seinen Live-Platten liegt der Prozentsatz höher. Mutige Entscheidung, mit Motherless Child ironischerweise ausgerechnet den "untypischsten" Vertreter des Blues-Albums "From the Cradle" ('94) auszusuchen! Claptons "Me and Mr. Johnson"-/"Sessions for Robert J"-Phase ('04) ist hier für meinen Geschmack mit gleich 2 Titeln etwas überrepräsentiert, bildet doch besonders erstgenanntes dieser beiden Blues-Alben in seiner gelackten Produktion eher das Robert Johnson entgegen gesetzte Spektrum ab. Hier werden Marketing-Gründe eine Rolle gespielt haben. Aber egal.
Eine gute Best of-CD sollte einen guten Karriereüberblick liefern, Neueinsteigern Lust auf mehr und einfach Spaß machen, und in allen drei Punkten langt "Complete Clapton" voll zu.