Wenn es eine Band jemals geschafft haben sollte, Federboas und Absatzschuhe, sowie tonnenweise Schmuck und Schminke zu vertonen, dann war es Army of Lovers. Opulente Orchestrierungen, eingängige Melodien, bombastische Refrains (Crucified), dann wieder ruhige, fast schon minimalistische Passagen (Obsession). Hinter dem scheinbar profanen Kitschpop verbergen sich oftmals überraschend ernste Anliegen und sogar politische Aussagen (Sexual Revolution). "Les Greatest Hits" ist eine Sammlung der mehr oder weniger bekannten Songs der 4 Schweden. Es ist fantastisch, dass alle Songs zugleich ähnlich und doch völlig verschieden sind. Viele Geigen, der immer wieder gegen die rezitierenden Armies ansingende `Tabernacle Choir' und der gleiche Aufbau der Songs schaffen einen hohen Wiedererkennungswert. Dennoch gelingt es der Band, durch Anleihen bei diversen Musikrichtungen jedem Song seine unverkennbare individuelle Note zu verleihen. `Give my life' läßt südamerikanischen Rhythmus erklingen, `King Midas' belebt die 70er Jahre wieder. Selbst wenn v.a. bei den neueren Songs wie `Venus and Mars' dem reinen Army-Pop durch zu viele Dance-Elemente ein unnatürlicher Anstrich verliehen wird, so machen Army-Songs dennoch gute Laune und sind zum Mitsingen ideal geeignet. Jenseits von Trends und aufgeblasenen Retortencombos ist die Unbekümmertheit der schwedischen Liebenden auch heute noch erfrischend. Wer zeitlosen Pop zu schätzen weiss, der ist bei Army of Lovers genau richtig.