... nackter Haut, so schmeichelt Jordi Savall dem Ohr. Sein geschmeidiger Klang vermeidet jede Spitze, wie sie bei Originalinstumenten in den Violinen und Bläsern oft unangenehm mittönt. Er verleiht der höfischen Gebrauchsmusik von Ludwig XIII und XIV französische Aromen und tänzelnden Duft. Dabei eine Frische aufkommen zu lassen, als ob die Musik genau im Entstehen des Klanges gerade erst komponiert würde, bleibt wohl in allen Aufnahmen Geheimnis wie Markenzeichen des Dirigenten und der beiden von ihm gegründeten Orchester; so hält sich der Bogen von noch so alter Musik zum Ohr des heutigen Hörers immer gespannt.
Die getroffene Auswahl mixt Kompositionen von zwei CDs, die jeweils einem der Könige gewidmet und ebenfalls bei ALIA VOX erschienen sind. Man erwarte unter dem neu gefundenen Titel eben keine tonmalende Wassermusik. Niemals angeblich haben die Stücke den Anblick der Fontänen von Versailles begleitet. Den Charakter von Freiluftkonzerten mit teilweise kräftig auffahrender Batterie vermitteln dennoch fast alle, ganz wunderbar dabei die fantastische Minute der Echos aus Alceste von Lully, der musikalischen Entsprechung von Spiegeln in den Palästen und Tunneln von Heckenarkarden in den Gärten, die im Barock Unendlichkeit versinnbildlichen wollten. Dem höfischen Glanz werden zwischenzeitlich in den Partien II und V der CD besonnene Klänge sich zuspielender Gamben entgegengesetzt, wodurch das Hören en suite auch die nötige Abwechslung erfährt.
Besonderen Eindruck hinterlässt der unnachahmliche Einsatz der Trommeln und Pauken: eine Berührung von Häuten und Fellen, so angenehm wie die durch Samt und Seide - oder heute halt Cashmere.