Der Autor legt hier ein starkes Buch zur kindgerechten Erziehung vor. Dieses Buch verdient eine ausführlichere Besprechung und Beachtung.
Dieses Buch macht Lust aufs Unterrichten und zur Selbstreflexion der eigenen Arbeit.
Das Buch beginnt mit einer ausführlichen Einleitung. Der aufgeschlossene Leser kann den hier gemachten Beobachtungen nur zustimmen. In der Tat ist es so: Wir leben in einer Umbruchszeit, auch und gerade im Bildungssystem. Dies gilt auf allen Ebenen, sozial, familiär, religiös, technologisch und kulturell. Besonders die Wirtschaft verbreitet zunehmend Druck. Es wird immer mehr verlangt von den Kindern, Eltern und Lehren, aber im Gegenzug wird nichts weggelassen und es gibt keine Entlastung. Schon in diesem Eingangsteil gibt es viele starke Passagen, von denen man wünscht, dass auch die Bildungspolitiker sie lesen und sich zu Herzen nehmen. Danach gliedert sich das Buch in zwei grosse Teile. In Teil eins geht es um die Charakteristika der kindgerechten Entwicklung. An diesem Teil gefällt mir das gut vermittelte Grundlagenwissen. Eine schöne Zugabe sind die farbigen Schaubilder zu verschiedenen Entwicklungsphasen und Fähigkeiten der Kinder.
Und dann der Höhepunkt: der zweite Teil. Der Autor hat recht: Es braucht weniger Disziplinierung. Denn dadurch kommt man nicht weiter, sondern was nötig ist, ist eine verbesserte Beziehung zu den Heranwachsenden. Es braucht einen Unterricht, in dem aktiv und selbstbestimmt gelernt wird. Eine scharfe Selektionierung der Kinder ist negativ. Die Erwachsenen mögen bitte nicht ihre eigenen Interessen über das Wohl der Kinder stellen, sonst verbauen sie deren Zukunft. Das individuelle Potenzial des Kindes gilt es auszuschöpfen, zufördern, anzuregen. So können eigenständige und lernbereite Persönlichkeiten heranreifen. In Ansätzen ist diese Art der Pädagogik in einigen Schulen schon verwirklicht oder dabei verwirklicht zu werden. Dies stimmt trotz aller Mängel und der Grösse der Herausforderung nicht nur den Autor, sondern auch den Leser positiv.
Glanzpunkt ist das Kapitel: Was einen guten Lehrer ausmacht. Ich hoffe, dass viele Verantwortliche diesen Abschnitt lesen. Motivation, Einstellung und soziale Kompetenz sind hier grundlegend. Als langjähriger Unterrichtender, Leiter auch von Kinder-und Jugendgruppen komme ich zu folgendem Ergebnis: Dieses Buch ermutigt, gedanklich anders ans Lernen mit Kindern heranzugehen und die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.