Subjektiv betrachtet war dieses kleine Büchlein ein Reinfall '- objektiv betrachtet kann man der Autorin Exner nicht viel vorwerfen. Leopold von Sacher-Masoch ist jene Person nach der der Termini Masochismus benannt wurde. Doch genau daran fehlt es in diesem Buch: Man erfährt alles über seinen Werdegang, seine politischen Ansichten und erhält einen Überblick in Zeitgeist, Milieu und seine Werke ' doch den Kern der Sache: Was ist Masochismus, wie äußerst er sich und was zeichnet ihn aus '- auf diese Fragen bekommt der Leser keine zufrieden stellende Antworten.
Dafür teilt uns Frau Exner in einem sachlich-wissenschaftlichen Schreibstil trocken und humorlos ihre eigene politische Weltanschauung mit. Kostprobe gefällig? Auf Seite 118 wird die Deutsche Reformpartei verkürzt und sachlich völlig überspitzt kurzer Hand auf den Begriff '"die Antisemiten"' reduziert. Sacher-Masoch hatte sowohl eine pro-slawische Einstellung bzw. slawophile Einstellung (Wortauswahl ist der persönlichen Couleur vorbehalten) und setzte sich zudem massiv für die jüdischen Bevölkerungsteile im damaligen Österreich-Ungarn ein. Die Autorin versucht nun zu suggerieren, dass bereits damals den jüdischen Teilen der Bevölkerung eine grundsätzliche Feindschaft (von deutsch-nationalen Kreisen, dem Bürgertum, der Kirche etc.) entgegengebracht wurde. Da sich dies alles im 19. Jahrhundert abgespielt hat gibt es nur zwei Schlussfolgerungen: Entweder waren damals Juden in wichtigen Gesellschaftsschichten tatsächlich in Relation zur Gesamtbevölkerung omnipräsent im Sinne von Wirtschaftsmacht vertreten und verdienen deshalb diese Herausstellung oder es soll im Stil von Goldhagen einfach eine '"Traditionslinie'" über die Jahrhunderte hinweg einer deutschen respektive österreichischen Judenfeindlichkeit postuliert bzw. konstruiert werden. Man muss hier etwas zwischen den Zeilen lesen denn so richtig offen tut die Autorin ihre Meinung nicht kund '- wenngleich die Intension unübersehbar ist.
In beiden Fällen ist diese Herausstellung der jüdischen Bevölkerungsteile bezüglich der eigentlichen Monographie über die Person Sacher-Masoch der nebenbeibemerkt selbst weder Jude noch Slawe war meiner persönlichen Meinung nach wenig zweckdienlich. Es hätte völlig genügt richtigerweise zu erwähnen, dass sich Sacher-Masoch leidenschaftlich gegen Vorurteile, Hetze und Ausgrenzung gegenüber den Juden eingesetzt hat' wenngleich letzteres durch das bewusste Leben ihrer eigenen religiösen Bräuche und Riten und dem Pflegen einer dezidiert jüdischen Kultur aus eigenem Antrieb heraus erfolgte.
Zurück zum Buch: Relativ langatmig erfahrt man wie gesagt alles über Sacher-Masoch ' jedoch kaum etwas über den Masochismus selbst, so dass dem Leser nur der Griff zu Werken wie '"Venus im Pelz"' für ein tieferes Verständnis der Materie bleibt. Hier hätte es gut getan, einfach einmal einige Passagen ausführlich zu zitieren. Positiv stechen die reichhaltigen Anmerkungen, eine übersichtliche Zeittafel sowie der Zweiseiter 'Zeugnisse' (Zeitzeugen berichten über Sacher-Masoch) und schlussendlich eine umfassende Bibliographie heraus.
Fazit: Muss man nicht unbedingt gelesen haben '- ist für Interessierte aber angesichts des günstigen Kaufpreises auch kein Fehlkauf.