ACHTUNG: Dies ist keine objektive Rezension, sondern eine hymnische Eloge!
Okay, auch ich gebe es gerne zu, ich bin seit den siebziger Jahren ein eingefleischter Leonard-Cohen-Fan. Ich nenne nicht nur - selbstverständlich - alle LC-Platten mein Eigen, sondern auch die mit den verschiedensten Cover-Versionen. Um so mehr war ich erfreut, dass endlich einmal wieder eine der letzteren Gattung auf den Markt kam.
Wenn ich entscheiden müsste, das Oeuvre eines einzigen Interpreten mit auf die berühmte einsame Insel zu nehmen, wäre es das des frankokanadischen schwarzen Romantikers. Dass offensichtlich nicht nur ich so denke, wurde mir bewusst, als ich auf Booklet dieser CD folgende wunderschönen Sätze des Produzenten Hal Willner fand:
"I am one of those who finds Leonard's music incredibly beautiful, healing , and find hope in living this life in his work. I can't exactly remember how Leonard's music crept into my psyche. I was aware of him while growing up, but what I heard was like a food that you spit out as a kid - though you knew it was good for you; you'd taste it again every few years, and eventually it became your favourite thing to eat. His music has a depth of emotion, passion and humour that is entirely his own. Leonard's recordings create a singular world like the recordings of artists like Ornette Coleman, Edith Piaf, Lord Buckley, Nina Simone, Thelonious Monk, and Serge Gainsborough - worlds in which one could lose oneself and find great comfort. To those who "get it", it's kind of a religion. Since I "got it", a week doesn'f go by without me putting on a Leonard Cohen recording and stopping whatever it is that I'm doing to be in that world."
Ich habe nie besser beschrieben gesehen, was die Musik LCs bei einem Fan auslösen kann - und ich hätte es auch nicht besser beschreiben können. Und der einmalige Zauber, der Leonards Musik innewohnt, vermittelt sich auch bei den allermeisten Cover-Versionen seiner Lieder.
Auch auf diesem Sampler sind wieder wunderbare seiner Lieder in wunderbaren Interpretationen versammelt. Und - ich gebe es ehrlich zu - es ist mir dann auch ziemlich egal, dass hier ein "Clan" seine Lieder singt.
Anspieltipps? Alle.
Vielleicht besonders hervorzuheben: "Tower of Song" von Martha Wainwright, deren Stimme mit dem fabelhaften Timbre, das sich schon an der Grenze zum Überschlagen bewegt, einen in ihren Bann zieht, Perla Batallas "Bird on the Wire" und natürlich "Suzanne", hier von Nick Cave und Julie Christensen gesungen.
Und - für mich das allerbeste unter den allerbesten Liedern: "Anthem" von den beiden LC-Backgroundsängerinnen Batalla und Christensen, das, welch ein Sakrileg, fast besser ist als Leonards Original.
So, genug der Hymne. Alle LC-Fans müssen sich die Platte kaufen, alle anderen sollten zumindest einmal reinhören. Vielleicht gilt dann auch für sie: "I got it!"