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Leo von Klenze
 
 
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Leo von Klenze [Gebundene Ausgabe]

Adrian von Buttlar


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Neue Zürcher Zeitung

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Der Architekt des Königs

Adrian von Buttlars grosse Monographie über Leo von Klenze

Was wäre München ohne die Bauten Leo von Klenzes? Zweifellos ein schöner Ort – aber weder Isar-Athen noch die «nördlichste Stadt Italiens». Von Klenze stammen jedoch nicht nur so prachtvolle Ensembles wie der Königsplatz, die Ludwigstrasse oder die Ruhmeshalle, sondern mit der Alten Pinakothek auch der neben John Soanes Dulwich Picture Gallery wichtigste Prototyp des modernen Kunstmuseums mit Oberlicht und Seitenkabinetten. Klenzes architektonische Erneuerung der bayrischen Metropole ist das Resultat einer ebenso fruchtbaren wie qualvollen Auseinandersetzung mit den Wünschen seines königlichen Mäzens, Ludwigs I. von Bayern. Den mitunter explosiven Dialog der beiden Griechenfreunde hat nun Adrian von Buttlar erstmals in allen Details nachgezeichnet. Dabei konnte sich der Kieler Kunsthistoriker auf wichtige in den vergangenen Jahren geleistete Arbeiten jüngerer Forscher stützen. Dennoch ist seine methodisch überzeugende Monographie mehr als die mit Bienenfleiss zusammengetragene Summe des gegenwärtigen Wissensstandes, an dessen Zustandekommen der Autor wesentlich beteiligt war.

Späte Würdigung

Von Buttlars Buch, das weit über die hymnische Monographie eines Oswald Hederer (1964) hinausgeht, wartet gerade in bezug auf das frühe und das späte Schaffen sowie auf die ausländischen Projekte, aber auch im Bereich der Theorie mit neuen Erkenntnissen auf. Damit erfährt Klenze – immerhin ein Hauptmeister des europäischen Klassizismus – jene Würdigung, die seinem um drei Jahre älteren Berliner Kollegen Karl Friedrich Schinkel schon längst zuteil geworden ist. Obwohl Klenze ein langes, einflussreiches Wirken vergönnt war, meinte es der Nachruhm mit Ludwigs «ungewöhnlich begabtem Hilfsarbeiter in all seinen Kunstunternehmungen» nicht eben gut. Als erster Architekt des Königs geriet «Leone furioso» bald schon in Konflikt mit der Fraktion der Romantiker um den Nazarener Peter von Cornelius. Bereits 1829 verkündete Achim von Arnim die Überlegenheit Schinkels. Später sah die Kritik in Klenze nur den uninspirierten Nachahmer der Griechen und überging – geblendet von all dem «charakterlosen Zeug» – seine genuinen Neuinterpretationen genauso wie sein Interesse an technischen Innovationen. Diese übernahm er schneller als irgendein anderer Architekt im deutschsprachigen Raum, ordnete sie indes immer seinem Traum einer modernen Wiedergeburt der griechischen Architektur, einer hellenischen «Palingenesie» unter. Die klassisch Modernen um Sigfried Giedion näherten sich seinem Werk deshalb mit Interesse. Doch dann wurde es von den Nazis vereinnahmt, die sich nicht scheuten, den Königsplatz im Osten mit zwei Ehrenhallen von Troost zu «ergänzen».

Gewiss, Klenze hatte mit seinem Versuch einer Verquickung von neuhellenischer Architektur und arischer Rassenideologie dieser Entwicklung selbst Vorschub geleistet. Doch verstand sich der 1784 im Harz geborene Architekt immer als Kosmopolit und nie als Deutschnationaler. Zunächst bei Gilly in Berlin und anschliessend in Paris beim Rationalisten Jean-Nicolas-Louis Durand im Geiste der Beaux-Arts ausgebildet, gelangte Klenze schon 1808 in Kassel als Hofarchitekt von König Jérôme Bonaparte mit seinem Theater auf der «Napoleonshöhe» und mehreren rhetorisch bestechenden Projekten zu frühem Ruhm. Nach einem waghalsigen politischen Seitenwechsel und einer Odyssee durch halb Europa gewann er die Gunst des damaligen Kronprinzen von Bayern. Dank dessen Protektion beherrschte er seit dem Glyptothek-Wettbewerb von 1816 als Gralshüter eines hellenisch inspirierten Klassizismus die Münchner Kunstszene bis zu seinem Tod im Januar 1864. Das hiess aber nicht, dass der vom revolutionären zum archäologisch fundierten Klassizismus Konvertierte all seine Idealvisionen hätte verwirklichen können. Schon für die Glyptothek hatte er Präsentationszeichnungen im griechischen, römischen und italienischen Stil angefertigt, um seinen Auftraggeber, der ganz unberechenbar in die Entwürfe einzugreifen pflegte, behutsam auf den richtigen Weg zu führen.

Dass dies Klenze nicht immer gelang, beweisen etwa die byzantinisch inspirierte Befreiungshalle in Kelheim oder die romanische Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz, die er mit theoretischer Akrobatik seinem neugriechischen Stilwollen anzugleichen suchte, womit er ungewollt zu einem Wegbereiter des von ihm gehassten Historismus wurde. Ein Gebäude, das mehr noch als die pittoresk in die Flusslandschaft von Donaustauf eingebettete dorische Walhalla – für Semper ein «Abklatsch der Akropolis» – sein Streben nach einer hellenischen Palingenese veranschaulichte, war der für Athen entworfene Königspalast, der ebenso unrealisiert blieb wie Schinkels Akropolis-Phantasie, schliesslich jedoch seinen Gegenspieler Friedrich von Gärtner zu einer matten Nachempfindung inspirierte. Die antiken Ruinen, denen er 1834 in Griechenland begegnet war, beflügelten nicht nur sein denkmalpflegerisches Engagement; sie führten ihn auch vom rationalen Kompositionsprinzip hin zu einem malerischen. Dieses spiegelt sich im Entwurf eines Pantechnion für Athen und in der Neuen Eremitage in St. Petersburg, dem allen Unkenrufe und Verketzerungen zum Trotz prächtigsten Musentempel des 19. Jahrhunderts.

Klenzemania

Abgesehen von der Reverenz so eminenter Museumsarchitekten wie James Stirling oder Alexander von Branca war es um Klenze allzulange still. Jetzt will es der Zufall, dass er nach der im vergangenen Herbst erfolgten Ehrung im Rahmen der Münchner «Hellas»-Ausstellung und der nun vorliegenden Monographie ab Mitte Mai auch noch mit einer grossen Retrospektive im Münchner Stadtmuseum geehrt werden soll. Zu dieser Ausstellung wird Winfried Nerdinger ein Katalogbuch mit Werkverzeichnis herausgeben, das von Buttlars Prachtsband ideal ergänzen dürfte. Gleichwohl bleibt es dessen Verdienst, mit seiner überzeugenden, stets engagierten und dennoch kritischen Analyse ein ganzheitliches Bild nicht nur des Architekten Klenze, sondern auch des Städtebauers, Ingenieurs, Denkmalpflegers, Archäologen, Kunstgelehrten, Theoretikers und Malers skizziert zu haben.

Roman Hollenstein

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2000
Erst lässt Rezensent Roman Hollenstein einige Münchner Bauten Leo von Klenzes aufleuchten, einem "Hauptmeister des europäischen Klassizismus". Dann wendet er sich Adrian von Butlars "methodisch überzeugender" Monographie zu, die Hollensteins Ansicht nach "weit über die hymnische Monographie eines Oswald Hederer (1964)" hinausgeht. Endlich erfahre der Architekt Ludwigs I. die Würdigung, die seinem preußischen Kollegen Schinkel schon lange zuteil geworden sei. Man erfährt viel über von Klenzes baugeschichtliche Einordnung, biographische Details und auch einiges über die Gründe der verspäteten Wahrnehmung von Klenzes: angefangen bei zeitgenössischen Querelen bis hin zur Vereinnahmung des Klenzeschen Klassizismus durch nationalsozialistische Architekten, der Klenze allerdings, so Hollenstein, mit seiner "Verquickung von neuhellenischer Architektur und arischer Rassenideologie selbst Vorschub" geleistet hat. Hollenstein lässt an vielen Stellen durchblicken, dass ihn von Buttlars Prachtband ziemlich beeindruckt hat. Eine ideale Ergänzung, findet er, zu einem Werkverzeichis, das ab Mitte Mai 2000 eine Klenze-Ausstellung im Münchner Stadtmuseum begleitet.

© Perlentaucher Medien GmbH

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