Viel hatte ich schon von diesem Buch gehört, gar nichts gelesen. Als ich dann noch hörte, dass mit diesem Buch auch der große, lange Trip der Linken gen Italien begann, der seinen - vorläufigen (?) - Höhepunkt mit Oskar Lafontaine und der Toskanafraktion der SPD fand, da, als die Linke schon durch sämtliche Institutionen durchmarschiert war, als ich das also las, da musste ich dies dorch recht schmale Büchlein einfach lesen, da mich seit einigen Jahren der Italien-Bazillus infiziert hat.
Was aber habe ich gelesen: Das belanglose Fasttagebuch, autobiographisch wird das schon sein, eines Mannes, der so wirklich schreiben nicht kann. Das ist denn doch eher Gestammel, und wenn ich dann im abschließenden Essay lesen, dass mit diesem Band die Linke - allein dies Wort - sich klargemacht hätte, dass Romaneschreiben ganz ohne Individualismus gar nicht möglich sei, dann kann ich nur sagen: "Bow, welche Erkenntnis", das hat der Bourgeois eigentlich nie in Abrede gestellt und die ganze Zeit über lesbare Bücher geschrieben.
Lenz, ein etwas alt geratener Student, ist ein wenig desillusioniert, da sein politisches Agitieren, selbst als Fließbandarbeiter zu Mindestlohn, das Groß der Werktätigen anscheinend nicht davon überzeugen kann, dass alles politisch ist. So wendet er sich, kein Mensch weiß, warum, dem Süden, Italien, zu, doch auch dort, zumindest in Rom, ist es nicht so wie erhofft. Erst in Südtirol findet er dann politsch Bewusste, ja sogar Kommunisten, die diesseits ihrer politischen Überzeugung auch das schöne Leben zu genießen wiessen (wie Lafontaine/Wagenknecht) und sich dessen noch nicht einmal schämen.
Das alles wird meist verkrampft erzählt, man merkt, dass Schneider es sich selbst kaum eingestehen will, dass der Mensch nicht von der linken Politik alleine lebt. Allein aber die verdruxte Art, wie er eine alte entzwei gegangene Liebesbeziehung erwähnt, wirft ein Licht auf die Art von Beziehung, die er, oder Lenz, oder beide, gehabt haben. Alle Perosnen haben keinen Namen - außer Lenz - lediglich einen Anfangsbuchstaben, was vielleicht heißen soll, dass sie Menschen ohne Individualismus sind. Wahnsinning einfallsreich!
Die Erzählung ist langweilig, an keiner Stelle spannend oder gar amüsant, nur an wenigen Stellen merkt man, dass Schneider durchaus in der Lage ist, anständige Sätze aus durchaus interessanten Gedankengängen zu machen.
Der Bezug zum "Lenz" von Büchner ist denn doch ein nur recht vager. Literarisch ist hier gar nichts. Aus heutiger Sicht ist das Buch einfach nur ärgerlich, besonders wenn man bedenkt, dass es damals unter der Linken so beliebt gewesen ist. Man will gar nicht wissen, wes Geistes Kind Leute gewesen sind, die sich über dieses Buch nächtelang den Mund fusselig geredet haben.
Im abschließenden Essay versucht Markus Meik dann auch den Begriff "Kult" zu klären. Aus meiner Sicht hat er ihn nicht verstanden, denn warum etwas dann Kult wird, wenn es viele tausende Male gekauft wird, erschließt sich mir nicht.
Also: Hände weg für alle, die, wie ich, glauben, hier etwas über die Italienliebe vieler Deutscher zu erfahren; Hände weg für alle, die sich beim Lesen unterhalten fühlen wollen. Wer aber wissen will, was viele 68er so unsympathisch gemacht hat, der findet hier durchaus eine lohnenswerte Lekütüre.