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Lenz [Audiobook] [Audio CD]

Georg Büchner , Wanja Mues
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: Hörgut! Verlag; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3938230223
  • ISBN-13: 978-3938230220
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
  • Größe und/oder Gewicht: 14,2 x 12,4 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Lenz
OA 1839 Form Erzählung Epoche Vormärz
Die Erzählung schildert einen Lebensabschnitt des psychisch erkrankten Sturm-und-Drang-Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 bis 1792). Mit einer innovativen Erzähltechnik ermöglicht Georg Büchner dem Leser ein Miterleben des Wahns, der entgegen damaliger Einschätzungen nicht als selbstverschuldet erscheint, sondern als nachvollziehbare Reaktion auf die umgebende Welt. Aus der Sicht des psychisch Kranken konnte Büchner auch den Zweifel an Gott formulieren, ohne sich angreifbar zu machen. Wichtiger Bestandteil der Erzählung sind die von Lenz formulierten kunsttheoretischen Betrachtungen, die in ihrer antiidealistischen Ausrichtung auch das poetologische Konzept von Büchner kennzeichnen.
Entstehung: Hauptquelle der Erzählung ist der Bericht des Pfarrers Oberlin über Lenz, der sich 1778 mit deutlichen Anzeichen einer Psychose bei ihm aufgehalten hatte. Den beobachtenden Blick Oberlins verwandelt Büchner zu Gunsten der Einblicknahme in die Wahrnehmungswelt des Kranken. Des Weiteren bezieht Büchner sich auf R Goethes Bemerkungen über Lenz in Dichtung und Wahrheit (1811–33), wobei er Goethes distanzierter Darstellung ein mitfühlendes Psychogramm entgegenstellt. Die 1835 entstandene Erzählung wurde 1839 aus dem Nachlass veröffentlicht.
Inhalt: Die Schilderung von Lenzens Weg ins Steintal ist geprägt von seiner stark subjektiven Naturwahrnehmung. Lenz erscheint die Natur fremd und bedrohlich, sein Empfinden ist gekennzeichnet von dem Gefühl der Entfremdung und Isolation. Der Dichter fühlt sich vom Wahnsinn verfolgt und erreicht mit Erleichterung das Haus Oberlins, in dessen wohltuender Atmosphäre er sich zunächst beruhigt. Schon bald kommt es aber erneut zu einem psychotischen Schub. Oberlin nimmt den Dichter in den folgenden Tagen mit auf seine seelsorgerischen Besuche bei der Landbevölkerung. Lenz fühlt sich zu den einfachen Leuten hingezogen und in Momenten der pantheistischen Naturwahrnehmung sieht er sich im Einklang mit der Welt und mit Gott. Als der Dichter Christian Kaufmann einen Besuch im Steintal macht, hält Lenz ein Plädoyer für eine Kunst, die geprägt ist von unverklärter Wirklichkeitsdarstellung und sympathetischer Auseinandersetzung mit dem einfachen Menschen und seinem Leid.
Wenig später verreist Oberlin; der Zustand von Lenz verschlechtert sich wieder und er wird von religiösen Zweifeln geplagt. Als er vergeblich versucht, ein totes Kind zum Leben zu erwecken, fällt er in tiefe Verzweiflung. Hier offenbart sich die maßgebliche Ursache seiner Krankheit: Büchner zeigt einen Menschen, der krank geworden ist am Leiden der Welt und an der eigenen Unfähigkeit, dieses Leiden zu mildern. Das Nicht-Eingreifen Gottes führt Lenz zum Atheismus. Der Zustand des Dichters verschlechtert sich rapide und nach einem Selbstmordversuch lässt Oberlin ihn nach Straßburg bringen. Lenz reagiert resigniert und apathisch.
Struktur: Große Passagen der Erzählung sind von einer personalen Erzählhaltung, einer Schilderung aus der Sicht des Protagonisten, geprägt. Büchner ermöglicht mit dieser Erzählform, die sich erst um 1900 etablierte, eine besondere Nähe zur Hauptfigur. Den gestörten Geisteszustand Lenzens bildet der Autor auf sprachlicher Ebene mit zahlreichen Wortauslassungen und Satzabbrüchen mimetisch ab.
Wirkung: Die Würdigung Büchners setzte erst mit den Naturalisten ein und auch Lenz fand erst um 1900 Resonanz. Mittlerweile gilt der Text als Beginn der modernen deutschen Prosa. Nachdem er lange als Fragment betrachtet wurde, wird seine Bruchstückhaftigkeit heute auch als Erzählstrategie verstanden. A. K. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Das bietet die Reihe „Königs Erläuterungen“Aus dem Deutschunterricht sind sie eigentlich gar nicht mehr wegzudenken: Die kleinen blau-gelben Taschenbücher der ältesten deutschen Lernhilfereihe für den Literaturunterricht. Die Rede ist von den Königs Erläuterungen, die sich seit 1897 ihren festen Platz in den Hosentaschen von Schülern – und Lehrern – erobert haben. Von kundigen Germanisten und Pädagogen verfasst erschließen sie die großen Dramen, Romane und Erzählungen nicht nur der deutschen Literatur. Neben den deutschen Klassikern wie Goethe oder Schiller, ist auch großen Dramen der Antike oder Werken fremdsprachiger Autoren von Weltrang eine Reihe von Bänden gewidmet.

Das Konzept der Reihe und der Aufbau der einzelnen Bände sind so schlicht wie überzeugend: Auf einen Abriss von Leben und Werk des jeweiligen Schriftstellers, folgen profunde Textanalyse und -Interpretation. Hieran anschließend werden mögliche Themen und Aufgaben für den Unterricht abgehandelt, ein Überblich über die Rezeptionsgeschichte geboten. Ergänzende Materialien runden das Ganze gelungen ab. Mit ihrem Erfolgsrezept „Maximaler Ertrag auf engstem Raum“ kann die Reihe ihre Marktführerschaft unter den Interpretationshilfen nicht von ungefähr immer wieder behaupten. -- Alexander Dohnberg -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wahn und Wirklichkeit 9. Dezember 2006
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
"Obwohl die Menschen inzwischen viel mehr wissen, als in der Zeit, als die Religionen entstanden, verlieren diese Religionen ihre Kraft immer noch nicht."

Lenz ist im Jahre 1839 veröffentlicht, posthum und gilt als eines der großen Werke Büchners. Büchner, 1837 gestorben, widmet sich dem Leben des Jakob Michael R. Lenz (1751 - 1792)
Lenz, der Dichter, war ein kranker Mensch, wie man den Briefen und Stücken Goethes entnehmen kann. Büchner hat sich an dieser Krankheit und inneren Zerrissenheit Lenzes sehr orientiert, nicht zu letzt in der Auswahl des Titels. Vorlage war ein Bericht des Pfarrers Oberlin über den Dichter.
Lenz, Namensgeber und Protagonist dieser Erzählung, wird wandernd in der Natur eingeführt. Er ging durchs Gebirge und Büchners Beschreibung zeigt den offensichtlichen inneren Zustand Lenzes direkt. Oben, sprich äußerlich harmlos, normal wie die schneebedeckten Höhen, das Innere wie die Täler, zerklüftet, graues Gestein, Felsen. Lenz ging gleichgültig, "es lag ihm nichts am Weg [...], nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehen konnte." Wie man dem Purzelbaum schlagenden Don Quijote als unsinnig, als ein Narr nun kannte, war für Büchner mit dieser Anspielung Lenz von gleichem Sinn. Wie Lenz so ging, "die Erde wich unter ihm, sie wurde klein" deutet sich der Realitätsverlust Lenzes wiederum an, der sich der Erde in andere Sphären entfernte. Eigentlich ging er ins Alles. Der Begriff Alles spielt bei Büchner in diesem Werk eine herausragende Rolle, da immer als Subjekt gebraucht. Der Wunsch, "Alles mit ein paar Schritten ausmessen zu können" zeigt, dass Lenz die Welt als die Seinige sieht, bzw. seine Welt des Denkens in den Vordergrund nur stellen kann. Für ihn war es so, "als ging ihm etwas nach, als müsse ihn etwas Entsetzliches erreichen, etwas das Menschen nicht ertragen können, als jage der Wahnsinn auf Rossen hinter ihm."

Auf diesem Wege erreichte er den Ort, das Waldhaus und Oberlin, den Pfarrer. Und in der Pfarrstube wurde er aufgenommen und in den Gesprächen wechseln Phantasie und Realität, die Gesichter, die aus den Schatten hervortraten, beruhigten ihn, doch "er war sich selbst ein Traum" und die Gedanken die ihn hielten, hielt er fest, "es war ihm, als müsse er immer >>Vater unser<< sagen". Bei Oberlin blieb er, seine Schlafstatt wurde ein großer Raum einer nahe liegenden Schule. Und die Größe erschien ihm, als wenn Schatten vorbeihuschten, Schatten, die wie aus ihm entwichenes Leben waren, so dass er starr wurde. Und so fühlte er Gott eingekehrt in ihm, so als wenn dieser ihm Lose in die Tasche gab, der Text darauf sein Leben zu bestimmen schien, mit einem Glauben eines ewigen Himmels im Leben, als Sein in Gott. Vergnügt, Aufgabe und Ziel zu erkennen als er predigen durfte, wurde Lenz ruhig und gelassen. Seine Schmerzen in einem Starrkrampf nahm er beinahe mit Lust. Verfiel in Angst, ängstliche Träume und las in der Apokalypse.

Als Gegenstück dieser schweren Welt und Zäsur in der Handlung ist das Erscheinen des Herrn Kaufmann, der den Idealismus beschwört, der seine Philosophie zu der umgewandelten Theodizee macht, im Idealismus die beste aller möglichen Welten zu offenbaren. Doch Büchners Kritik am Idealismus wird spätestens da deutlich, wo er diesen als "die schmählichste Verachtung der menschlichen Natur" bezeichnete. Kaufmann fordert Lenz auf sich ein Ziel zu stecken, so wie Shakespeare Hamlet sagen lässt, dass derjenige der seine Gottesgaben der Vernunft nicht nutzt, einem Tier gleich kommt. Lenz wendet sich angewidert ab. Er wird damit von Büchner als eigenständiger Mensch von Fleisch und Blut dargestellt, nicht nur als Holzpuppe, wie man anfangs glauben mochte.

Büchner verfolgt mit der Erzählung die Begegnung des Innen und Außen. Konzentrierte Innenansichten begegnen den Leser über die Sätze wie "Es ist ihm als ...", "Es war ihm als ..." Hier vermischt sich die Außenwelt in der Umdeutung oder fraglichen Realität mit der im Subjekt bereits veränderten Innenwelt. Büchner beschreibt das Wahre wie das Ganze gem. Hegel, das Hässliche wird nicht dem Schönen erspart, sondern beides ist Teil des Lebens. Damit ist er, obwohl in der Tradition und Zeit des Idealismus und Naturalismus eines Eichendorffs gänzlich anders positioniert. Leben wird im wirklich realen dargestellt, ohne Verklärung wie es vielleicht bei Fontane noch zu finden ist. Seine Kritik an der Kirche lässt er nur indirekt verlauten. Er möchte nicht in den direkten Strudel einer möglichen Feindschaft gezogen werden, sodass der Wahnsinnige sich kritisch äußert, dem man es qua mentaler Beschaffenheit gleichzeitig verzeihen muss. "Und mit dem Lachen griff der Atheismus in ihn und fasste ihn ganz sicher und ruhig fest."

Büchner lebt in der Zeit der Postaufklärung. Das Gottesbild hat sich gewandelt, die Kenntnisse der Naturwissenschaften sind deutlich verbessert. Das Eingangs erwähnte Zitat hätte gut aus dieser Zeit stammen können, letztendlich ist es gültig in jeder Zeit. Es stammt jedoch aus dem Jahre 2004 von Martin Walser. (Die Verwaltung des Nichts)
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wahnsinn und Wahrheitsliebe 13. Februar 2008
Format:Taschenbuch
Was Büchners "Lenz" uns heute zu sagen hat

Büchners Lenz, das ist die Geschichte eines verrückten, früh verstorbenen Dichters aus dem 18. Jahrhundert, erzählt von einem anderen früh verstorbenen Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Warum nur sollten wir eine solche Geschichte lesen? Haben wir nicht genug zu tun mit Terrordrohungen, Debatten um Mindestlohn und kriminelle ausländische Jugendliche, mit Dieter Bohlens telegenen Pöbeleien, mit Uri Gellers telepathischen Nachfolgern und unerwarteten Krankheitsfällen im Dschungelcamp? Bei einer Straßenumfrage jedenfalls würden die meisten mit dem Namen "Lenz" (und wohl auch mit dem Namen "Büchner") kaum etwas anzufangen wissen, einigen würde vielleicht noch ein alter Klassiker der Comedian Harmonists einfallen ("Veronika, der Lenz ist da"), und wohl nur ein paar niedersächsische Oberschüler würden an eine der wichtigsten Erzählungen der deutschen Literatur denken - in Niedersachsen nämlich gehört der Text zu den Vorgaben für das Zentralabitur.
Aber warum überhaupt "eine der wichtigsten Erzählungen"? Was hat uns, den Bürgern und Bürgerinnen des 21. Jahrhunderts, dieser Text zu sagen?
Auffällig ist, bei unbefangenem Lesen, zunächst einmal, mit welcher Genauigkeit und Selbstverständlichkeit Büchner von einem psychischen Verfallsprozess erzählt. Da wird keine schnelle Diagnose gestellt ("Der junge Mann leidet offensichtlich unter schizophrenen Schüben." - "Nein, Herr Kollege, es liegen eindeutig Symptome einer Borderline-Störung vor."), und es werden auch keine plakativen politischen Thesen formuliert (so wie es einst, nämlich in den 60er und 70er Jahren, modisch war zu behaupten, verrückt gemacht würden Menschen nur durch die Gesellschaft). Der Erzähler begleitet einfach den jungen Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz bei seinem historisch verbürgten Aufenthalt beim fürsorglichen Pfarrer Oberlin in den Vogesen und berichtet davon nüchtern, stellenweise fast lakonisch ("So lebte er hin" ist der berühmte letzte, ebenso sachliche wie niederschmetternde Satz des Textes). Auf Oberlins Bericht wiederum stützt sich Büchner in seiner Erzählung, greift also auf eine schon vorliegende Fallstudie zurück.
"Der liebe Gott hat die Welt wohl gemacht wie sie sein soll, und wir können wohl nicht was besseres klecksen, unser einziges Bestreben soll sein, ihm ein wenig nachzuschaffen." So formuliert Lenz in Büchners Erzählung sein dichterisches Credo, und für Büchner ist er damit zugleich ein Sprachrohr. Denn der klingt in einem Brief an die Familie (vom 28. Juli 1835) fast genauso wie sein Protagonist: "Wenn man mir übrigens noch sagen wollte, der Dichter müsse die Welt nicht zeigen wie sie ist, sondern wie sie sein solle, so antworte ich, daß ich es nicht besser machen will, als der liebe Gott, der die Welt gewiß gemacht hat, wie sie sein soll." Was das bedeutet, das lässt Büchner wiederum seinen Lenz erklären, wenn dieser über seine Stücke "Der Hofmeister" und "Die Soldaten" spricht. Idealistische Gestalten (wir können hier an Schillers Figuren denken) seien nur Holzpuppen, die Menschen in seinen eigenen Stücken jedoch seien "die prosaischsten Menschen unter der Sonne; aber die Gefühlsader ist in fast allen Menschen gleich, nur die Hülle mehr oder weniger dicht, durch die sie brechen muß. Man muß nur Aug und Ohren dafür haben."
Was Büchner hier seinen Lenz formulieren lässt, diese dichterische Leitlinie einer strikten Wahrheits- und Wirklichkeitstreue, ist also zugleich Ausdruck eines tiefen Respekts vor dem Leben von Menschen. Auch und gerade die sozial Deklassierten (so wie Lenz' Hofmeister oder Büchners Marie), auch die Ver-rückten (so wie Lenz selbst oder Büchners Woyzeck) sind würdige literarische Gestalten, sie haben ihren eigenen Wert.
Im Vergleich mit der ernsthaften, humanen Wahrheitsverpflichtung Büchners wird uns heute augenfällig, wie sehr es bloß hohle Attitüde ist, wenn in Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" unbedarfte Kandidaten vorgeführt, lächerlich gemacht und beschimpft werden und wenn der am lautesten attackierende Juror dies auch noch schlankweg damit begründet, dass den Menschen eben "die Wahrheit" gesagt werden müsse. Bei Büchner steht Wahrheitstreue nicht im Widerspruch zur Mitmenschlichkeit, sondern ist eine Bedingung dafür.
Das ist auch der Grund, weshalb er nicht einfach eine Geschichte imaginiert, sondern auf die Geschichte eines realen, unglücklichen Menschen zurück greift.
Wie er dies tut, das ist bei näherem Hinsehen hochaktuell. "Es war ihm dann, als existiere er allein, als bestünde die Welt nur in seiner Einbildung..." Der junge, hochbegabte Dichter Lenz ist so isoliert, dass er keinen tragfähigen Kontakt mehr zu der Welt hat, in der er lebt. Er findet keinen Platz in ihr. Die einzige intime Beziehung zu einem Menschen, von der er berichtet, ist die zu Friederike, die zuvor Goethes Geliebte war. Doch gerade diese Beziehung ist von massiven Schuldgefühlen geprägt, von der fixen Idee, der Mörder der jungen Frau zu sein. Zudem wird uns, die wir den Text lesen, niemals klar, ob diese Beziehung nicht insgesamt nur in der Phantasie des Lenz existierte.
In seiner Isolation kippt es ihm sogleich in religiöse Größenphantasien um, wenn er aus Mitleid, aus Liebe zu den Menschen seiner Umgebung agiert. Er versucht - die Auferweckung des Lazarus vor Augen - ein junges Mädchen, das gestorben ist, wieder zum Leben zu erwecken, und fällt in tiefe Verzweiflung, als ihm diese Jesus-Kopie misslingt.
Was aber isoliert ihn so sehr?
Einen Hinweis gibt die Ankunft eines Bekannten, der den jungen Lenz im Auftrag des Vaters nach Hause zurück holen soll. Er solle doch einsehen, "wie er sein Leben hier verschleudre, unnütz verliere, er solle sich ein Ziel stecken und dergleichen mehr." Lenz gelingt es nicht, sich in eine geordnete bürgerliche Existenz einzupassen, und er versucht es nicht einmal.
Tragisch ist dies vor allem deshalb, weil er zugleich an ein Versprechen glaubt, das ein zutiefst bürgerliches ist - nämlich an das Versprechen des Aufstiegs durch Bildung. Der historische Lenz hat, ganz wie seine Theaterfigur des Hofmeisters Läuffer, die Erfahrung gemacht, dass ihm all seine Bildung, seine Begabung, seine Arbeit an sich selbst nichts nützt, dass ihm all dies keine sichere bürgerliche Position garantieren kann. Wie Läuffer hat auch Lenz als Hofmeister gearbeitet, nämlich als Lehrer in der Position eines Bediensteten in einer adligen Familie.
Er hat also ein großes Bildungskapital angesammelt, kann mit diesem Kapital aber eigentlich nichts anfangen. Die Ständegesellschaft, in der er lebt, hält keinen angemessenen Platz für ihn bereit. Mit all seinem Wissen, mit all seiner literarischen und philosophischen Bildung kreist er am Ende allein um sich selbst.
Und dies ist auch heute noch eine Provokation. Auch heute noch gilt das Versprechen, durch Bildung, durch jahrelange gewissenhafte Arbeit an sich selbst und den eigenen Fertigkeiten sei es möglich, eine gesicherte und angemessene bürgerliche Existenz aufbauen zu können. Auch heute noch aber machen viele Universitätsabgänger die Erfahrung, dass sie eigentlich nicht gebraucht und bestenfalls für schlechtbezahlte Praktikumstätigkeiten benötigt werden. Und aus allen Statistiken wissen wir, dass Bildungserfolg keineswegs nur von Intelligenz, Fleiß oder Leistung, sondern in erster Linie von der sozialen Position des Elternhauses abhängt.
So ist Büchners Lenz ein bemerkenswert aktueller Text. Wir können bei Büchner lernen, wie Wahrheitsliebe und Respekt vor den Menschen Hand in Hand gehen - und wir können lernen, wie es Menschen ergeht, denen zwar beachtliche Bildungsmöglichkeiten geboten werden, die aber zugleich in der Angst leben, dass sie womöglich keinen Platz finden in der Gesellschaft, in der sie leben und sich bilden.
Büchner hat also gerade uns sehr viel zu sagen.
Doch um zu erfahren, ob dies wirklich so stimmt, müssten wir vielleicht einmal ein paar niedersächsische Abiturienten fragen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Georg Büchners kurze Erzählung „Lenz" ist ein sehr beeindruckendes Stück deutsche Prosa aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Als Vorlage für Büchners Erzählung diente ein Bericht des elsässischen Pfarrers Oberlin, der im späten 19. Jahrhundert in seinem kleinen Dorf in den Vogesen Besuch von einem jungen Dichter erhielt: Jakob Michael Reinhold Lenz, ein Vertreter des Sturm und Drang, befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Lebenskrise. Als Dichter konnte er materiell nicht existieren, als Pfarrer wollte er nicht arbeiten und zudem war er unglücklich in Goethes „abgelegte" elsässische Bekanntschaft Friederike („des Pfarrers Töchterlein") verliebt.
Diese Lebenskrise verdichtet sich bei Lenz zu einer psychischen Krise mit absonderlichen und auffälligen Verhaltensweisen (er badet nackt bei Minustemperaturen in einem Brunnen, er stürzt sich kopfüber aus einem Zimmer im ersten Stock, er versucht ein totes Mädchen wieder zum Leben zu erwecken, usw.).

Oberlin verfasst eine sehr anschauliche Beschreibung dieser Verhaltensauffälligkeiten bei Lenz - als Büchner in seinem Straßburger Exil ca. 30 Jahre später dieser Bericht in die Hände fällt, arbeitet er ihn zu einer kurzen Erzählung um, in der Lenz' psychische Probleme sich in der Beschreibung der Landschaft bzw. der Natureindrücke widerspiegeln.
Lenz bedauert es „nicht auf dem Kopf gehen zu können", der `Wahnsinn jagt ihn auf Rossen` und wenn er sich von seinen Nervenkrisen beruhigt, dann erschlafft er und „lebt so hin" - ein Meisterwerk deutscher Sprache.

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