Vorweg: Ich habe reichlich Erfahrung mit hochwertiger Fernoptik und besitze und benutze Ferngläser und Spektive der Oberklasse regelmäßig im ornithologischen Einsatz. Insofern bin ich anspruchsvoll und nicht leicht zufriedenzustellen.
Das Lens2scope ist ein Objektivadapter made in Taiwan, der ein (Tele-)Objektiv in ein Spektiv mit den optischen Daten [Brennweite / 10] x [Brennweite / größte Blendenöffnung]. So wird z.B. aus meinem 5,6/400 ein 400/10 x 400/5,6 = 40 x 70. Im Gegensatz zu den früher angebotenen Adaptern von z.B. Minolta, Leica oder Nikon liefert das Lens2scope ein aufrechtstehendes, seitenrichtiges Bild. Die Scharfstellung erfolgt manuell über den Entfernungsring des Objektivs; AF und IS funktionieren natürlich nicht. Ohne Stativ ist das Gerät wegen der starken Vergrößerung nicht sinnvoll einsetzbar.
Das Lens2scope habe ich bestellt, weil ich mitunter nur mit DSLR, langem Tele und Stativ losziehen und nicht noch das Spektiv mitschleppen will. Wenn man dann aber doch einen weiter entfernten Vogel sichtet, ärgert man sich über die verpasste Gelegenheit - das sollte zukünftig das Lens2scope als "Notnagel" vermeiden helfen.
Nun endlich zum Produkt selbst: Das Gerät ist handlich und mit (gewogenen) 160g durch die weitgehende Kunststoffbauweise sehr leicht, aber durchaus sauber und solide verarbeitet. Mitgeliefert werden ein gutes Cordura-Etui sowie ein funktioneller Stülpdeckel für das Okular und ein billiger und hakeliger Deckel für das kameraseitige Bajonett. Die Gummiaugenmuschel ist zwar für Brillenträger nicht optimal, aber ansonsten durchaus angenehm und auch der Pupillenabstand ist hinreichend lang. Das Metallbajonett rastet sauber ein; an der Fassung sind Ansatzpunkte sowohl für Canon EF (roter Punkt) als auch für Canon EF-S (weißes Quadrat) markiert. Die Gehäusefarbe ist beige-weiß und praktisch identisch mit dem Canon-L-Weiß. Der Stativfuß an der Unterseite des Lens2scope ist wenig vertrauenerweckend und zum Glück abnehmbar (bessere Teleobjektive haben ohnehin eine eigene Stativschelle). Jetzt das Wichtigste: Die optische Leistung ist - gerade angesichts des Preises - exzellent! Auch im Vergleich zu meinem sehr guten Nikon-Spektiv sind Schärfe und Kontrast absolut untadelig und die Randschärfe ebenfalls sehr gut. Chromatische Aberrationen und Verzeichnungen sind kaum wahrnehmbar. Das mag allerdings auch an meinen sehr guten Canon-L-Teleobjektiven liegen; mit billigen Telezooms dürfte das Ergebnis ernüchternd ausfallen (das kann ich jedoch nicht prüfen). Als einziges Manko lässt sich das sehr enge Sehfeld nennen; man blickt in einen engen Tunnel und hat mitunter Probleme, das Zielobjekt zu finden. Da ist ein richtiges Spektv mit Weitwinkelokular natürlich weit überlegen.
Trotzdem: Das Ding ist klein, leicht, relativ billig - aber seine Leistung finde ich großartig! Den angedachten Zweck erfüllt es optimal - 5 Sterne!