Ich habe diesen Film in 2 Etappen gesehen, jeweils 1 Stunde am Abend. Nach der 1. Hälfte war ich einfach nur genervt vom Hauptdarsteller, den völlig unerotischen Sexszenen und der ziemlich einfältigen Hauptdarstellerin. Aber es muss doch Einiges in mein Unterbewusstsein eingesickert sein, das mich rätselhaft gefangengenommen und zur Ruhe gebracht hat. Ich musste unbedingt am nächsten Abend die 2.Hälfte sehen.
Die Geschichte ist sehr einfach: Der völlig verkopfte Philosoph Martin versucht sich auf die junge Frau Cecilia einzulassen, die eigentlich nicht sein Typ ist, will sie wieder loswerden, kann es aber nicht, weil er nicht erträgt, dass es ihr vermutlich egal ist. Das macht sein Ego völlig fertig und je mehr er versucht mit seinen bohrenden Fragen die Liebe der Frau zu hinterfragen, stellt er seine eigene Liebesunfähigkeit so bloß, dass ich mich ständig gefragt habe, wie hält die Frau das aus? Aber sie tut es, indem sie nichts hinterfragt, alles nimmt wie es kommt, aus Fast-Vergewaltigungen sogar noch ihr Vergnügen ziehen kann und geht wann sie will. Es sind hier zwei Welten die aufeinandertreffen wie sie unterschiedlicher nicht sein können und die in keiner Szene wirklich Kontakt zueinander finden. Als Mann war ich am Verzweifeln, diesem unwürdigen Treiben von Martin zusehen zu müssen. Gleichzeitig bietet Cecilia das genaue Gegenteil, das Leben im Hier und Jetzt, wie es radikaler nicht sein könnte. Zwar ist auch das keine echte Alternative für mich, aber das dringend nötige Gegengewicht, und im Kopf stellt sich auf wundersame Weise der Kurzschluss zwischen beiden Welten ein und führt zu dieser Ruhe nach dem Film. Als Martin schließlich in einem Brief an seine Exfrau meint, dass es darum geht, sich an der Hoffnungslosigkeit aufzurichten und um jeden Preis zu leben, bin ich zum ersten mal mit ihm einer Meinung.