Osang ist Pointenjäger. Aber nicht nur das. Er bringt seine Fundstücke auch auf unnachahmliche Weise in den Text. Seine Reportagen waren immer egozentrisch, nicht im prahlerischen Sinn, sondern verbunden mit einer rückhaktlosen Selbstreflexion. Oft, auch wenn es um scheinbar große Dinge oder Personen ging, kam der unvermeidliche DDR-Vergleich, die Entlarvung des Provinziellen in der Weltgeschichte gewissermaßen. Von all seinen Stärken profitiert auch sein neuer Roman. Er ist in vielen Momenten unterhaltend und macht gute Laune. Die DDR kommt so gut wie nicht vor, denn Osang beschreibt die New York-Erfahrung eines 19-Jährigen. Und da gehts los. Ich habe den Verdacht, Osang hat während seines NEW York Aufenthaltes gesammelt: Eindrücke, kleine Episoden, Typen usw. Die Idee, dies jetzt in einem Roman zu bündeln, wurde wahrscheinlich wesentlich von Salingers "Der Fänger Im Roggen" inspiriert. "Lennon ist tot" ist ein bisschen wie Holden Caulfield dreißig Jahre später. Allerdings, und das ist nicht unerheblich, ohne die adäquate Ausdrucksweise und zum Teil auch Gedankenwelt eines 19-Jährigen. Dieser Robert Fischer lässt sich ähnlich wie sein amerikanisches Vorbild durch die Stadt treiben, begegnet skurrilen Menschen, landet schließlich auf einem Eiland, macht eine Art innere Entwicklung durch usw. Aber während Salinger damals aufregend und provokativ war, ist Osang bestenfalls unterhaltend, oft auch banal, manchmal langweilig. Musik in Form von Kassetten sollen bestimmte Dinge illustrien, ok. - Nick Hornby lässt grüßen. Zum Glück lenken einen hübsche Pointen, der provinzielle Abgleich mit Friedrichshagen, von der ziemlich wackligen Konstruktion des Romans ab. Lesenswert, aber keine große Sache.