Als in der Sozialdemokratie reformistische Tendenzen wie der "Ökonomismus" oder blinder Terrorismus Anhänger gewannen veröffentlichte Wladimir Iljitsch Uljanow (besser bekannt als Lenin) eine seiner Hauptschriften namens "Was tun?". Hier liegt das Prinzip der Zusammenarbeit von Intelligenz und Arbeiterschaft begründet. Um die sozialdemokratische Bewegung auf ein neues Niveau zu heben, also um sie vom spontanen Aufstand und dem Kampf für ökonomische Reformen zu einer Bewegung für ein neues gesellschaftliches System werden zu lassen, Bedarf es einer bewussten Planung durch die "Avantgarde des Proletariats". Gemeint sind Berufsrevolutionäre, die durch den ständigen revolutionären Kampf geschult und erfahren sind. Das bewusste Element, also die theoretischen Gedanken der neuen Intelligenz, müssen mit dem spontanen Element, also der Forderung nach Veränderung der Arbeiterschaft, verbunden werden. Der Kampf um Reformen ist dabei nicht zu vernachlässigen, aber auch er sollte von zentralen Zielen geleitet sein. So weit die Meinung von WI Lenin. Hierin kann man sicher schon die Grundlage für sein späteres autoritäres Handeln sehen, wobei man fairerweise bemerken sollte, dass sich dieser Organisationsvorschlag Lenins nur auf die Zeiten der Zarenherrschaft beschränkt, da er der Meinung ist, dass eine wahrhaft demokratische Bewegung zu dieser Zeit unmöglich ist (Wahlen etc. würden zu Verhaftungswellen führen). "Was tun?" ist nicht nur ein wertvolles historisches Dokument, sondern enthält diverse Ideen die auch heute (vielleicht sogar besonders heute) wichtig sind. Mittlerweile haben die sozialdemokratischen Parteien jeden revolutionären Inhalt verloren, selbst der Kampf um Reformen findet nur noch sehr eingeschränkt statt. Wichtig ist allerdings, kritisch zu bleiben und Lenins spätere Fehler im Hinterkopf zu behalten. Diese Rezension soll weder "Was Tun?" noch Lenin (bzw. schon garnicht Lenin) glorifizieren. Trotzdem sollte das Buch jeder gelesen haben der sich für Sozialismus oder die russische Revolution interessiert.