Wenn diese fünf Herren in der Fußgängerzone einer deutschen Großstadt aufspielen würden, würde das öffentliche Leben zum Erliegen kommen. Man würde sich zwar ein wenig wundern, denn mit ihren Sonnenbrillen, schwarzen Klamotten und langen Haaren sehen die Musiker aus Rumänien, Weißrussland, Moldawien und Ungarn nicht unbedingt aus wie klassische Interpreten - aber sie sind es, alle klassisch ausgebildet an ihrem Instrument. Und sie spielen eine Zigeunermusik, dass einem heiß und kalt wird! Der Mann im Vordergrund heißt Jozsef Lendvay, er ist der Star der Truppe. Er spielt mit einem wunderbar schmelzenden Geigenton eine Musik, wie sie früher in den Kaffeehäusern erklungen ist. Zigeunermusik kann man sie eigentlich gar nicht nennen, denn sie ist von so bekannten Komponisten wie Vivaldi, Brahms oder Rimski-Korsakow geschrieben. Lendvay, dieser Teufelsgeiger, hat sie aber für sein Salon-Ensemble eingerichtet.
Die erste CD von Jozsef Lendvay zeigt, wie unglaublich weich und schmeichelnd, dann aber auch rhythmisch und feurig eine Violine klingen kann. Kein Vergleich zu den beinahe schon schmerzenden Spitzentönen anderer klassischer Geiger! Lendvay begleitet mich derzeit durch den ganzen Tag, er gibt mir das Tempo vor. Und das ist ein entspanntes, entspannendes Tempo, genau das richtige jetzt für den Frühling.