Die Geschichten um die drei Waisenkinder Klaus, Violet und Sunny Baudelaire aus der Feder von Daniel Handler (alias Lemony Snicket) sind an sich schon etwas Besonderes: scheinbar auf Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit getrimmt, weckt der unermüdliche Kampf der Baudelaires immer wieder neuen Mut und zeigt, das selbst unüberwindlich scheinende Hindernisse mit Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten überwunden werden können. Zwar folgt auf ein "betrübliches Ereignis" immer wieder das nächste, doch auch kleine Siege wollen gefeiert und der Moment ausgekostet werden.
Der Film übernimmt beide Seiten der Buchthematik vorbildlich. Die Welt von Lemony Snicket ist auch hier ein trüber und grauer Ort, aber auf seltsame Weise unglaublich atmosphärisch und fantastisch. In eben dieser Welt sind die Baudelaires auf sich allein gestellt und müssen sich nach dem Feuertod ihrer Eltern gegen den selbsternannten Grafen und Schauspieler Olaf wehren, der nur eins mit Sicherheit ist: ein übler Erbschleicher.
Während also Klaus, Violet und Sunny von einem Verwandten zum nächsten flüchten, ist Olaf ihnen stets auf den Fersen und versucht durch gesetzliche Schlupflöcher, Betrug und Verbrechen an das Vermögen der mysteriösen Eltern der Kinder zu gelangen. Schon bald merken diese, dass hinter allem mehr steckt, als sie Anfangs vermuten: was hat es mit der Gesellschaft der Fernglasträger auf sich, zu der ihre Eltern gehörten? Welche Bedeutung hat das Augensymbol, mit dem sich Olaf umgibt und was steckt wirklich hinter dem Feuer, welches das Leben von Klaus, Sunny und Violet in diese "Reihe betrüblicher Ereignisse" verwandelte?
Der Film fasst die Handlung der ersten drei von insgesamt dreizehn Bänden zusammen und kratzt damit nur an der Oberfläche der sich entfaltenden Geheimnisse. Trotzdem wird dem Zuschauer eine schlüssige Handlung präsentiert, deren logischerweise offenes Ende trotzdem befriedigt und Hoffnung auf eine Fortsetzung macht.
Jim Carrey spielt die Rolle des Bösewichts Olaf zwar deutlich überdreht und weit weniger ernst und bedrohlich als im Buch, was ein Quäntchen Atmosphäre kostet. Trotzdem sorgen die Aufmachung und der erfrischend andere Ansatz einer Kindergeschichte, in der sich selten etwas zum Guten wendet, die aber nicht hoffnungslos und deprimierend ist, für gute Unterhaltung.
Die ungewohnte Geschichte, die brillante Art Direction von Rick Heinrichs (Nightmare Before Christmas, Pirates of the Caribbean 2) und der teilweise fast schon experimentelle, aber herrlich atmosphärische und melodische Soundtrack von Thomas Newman machen den Film rundum zu einem Fest.