Jeder, der die typischen Disney Filme für Jugendliche kennt, weiß, wovon ich spreche, wenn ich von typischen Klischees spreche. Da gibt es immer die arroganten Zicken oder dummen Machos, die trotz ihrer auffällig negativen Charaktereigenschaften die beliebtesten Schüler sind, von Lehrern bevorzugt werden usw. Dann gibt es noch die Aussenseiter, die natürlich super nett sind und zum Schluss des Films von allen anerkannt werden, während die Idioten leer ausgehen. Die Rollen sind klar verteilt, die Fronten oberflächlich und einseitig.
Ich will nicht behaupten, Lemonade Mouth würde diesem Schema nicht entsprechen. Das tut der Film in jeder Hinsicht. Und Anfangs denkt man sich noch, dass das einer dieser typischen Disneyfilme ist, bei denen es offensichtlich ist, wie die Geschichte endet (man merkt direkt zu Anfang des Films, welche Pärchen zusammen kommen und wer letzten Endes mit wem anbändelt, das ist immer das selbe Schema). Aber neben typischen Filmelementen dieser Firma wird man das eine oder andere Mal wirklich überrascht und vor allem das Ende liefert einige Überraschungen. Denn bei Lemonade Mouth schlägt Disney offensichtlich einen leicht tieferen Gang ein.
Ich werde hier jetzt keine Beschreibung machen, worum es geht, das kann man ja in der Zusammenfassung oben nachlesen :)
Ich fange einmal an mit den offensichtlichen Klischees:
- ein selbstverliebter, autoritärer Schulleiter, der ein absolutes Ekel ist und nur den Sport und das Cheerleading unterstützt, ansonsten alle anderen Clubs und Vereine in den Keller der Schule verbannt
- eine etwas schrille Lehrerin, die trotz allem recht sympatisch ist und gegen den Schulleiter (zunächst erfolglos) ankämpft
- ein neues Mädchen an der Schule, Stella, das der Inbegriff von Revolution ist (irgendwie besetzt jeder Teenager da eine bestimmte Eigenschaft von teenagern im Allgemeinen oder einer Gruppe von Teenagern)sich von ihrer Familie aber kaum beachtet fühlt,
- Eine süße Blondine, welche schüchtern und zurückhaltend ist, ein gutes Herz hat, mit einer tragischen Vergangenheit und in der jede Menge Potential steckt
- eine gutaussehende Inderin, die viel Druck von ihrer Familie ausgesetzt ist und deren Vater sehr streng ist. Sie selbst möchte zu den beliebten Schülern gehören
- ein rothaariger Junge, welcher ein großes Problem hat, die Freundin seines Vaters zu akzeptieren
- zum Schluss der offensichtlich hübsche Sportmuffel, der im Schatten seines großen Bruders steht
Aber nicht, dass man mich falsch versteht:
Ich habe dem Film nicht ohne Grund fünf Sterne gegeben!
Er ist nämlich unheimlich komisch, sehr unterhaltsam. Natürlich füllt er Klischees aus, mit denen Jugendliche sich identifizieren können, zudem zeigt er, wie Jugendliche aufstehen und sich aus ihrer alten Position befreien und selbstbewusst gegen Unrecht 'revolutionieren', was für Jugendliche allgemein ein sehr ansprechendes Thema ist. Sich selbst finden, selbstbewusst und erfolgreich sein.
Trotz der Klischees sind die Charaktere doch recht nett, die Schauspieler wurden auf jeden Fall gut ausgesucht. Ich bin kein Fan von den typischen Disney- Comedy Serien, also kannte ich auch die Schauspieler nicht wirklich, aber sie haben mich überzeugt. Weil Lemonade Mouth letztend Endes dann doch nicht nur an der Oberläche kratzt. Den Charakteren wird gerade durch ihre Probleme mehr Tiefe als in anderen Filmen zugestanden, vor allem Olivia (die Blonde) hat mich letzten Endes sehr überzeugt, weil sie doch nicht das hübsche, naive Schmuckstück ist und wirklich ein guter Charakter ist.
Nun zur Musik:
Ein wenig Pop- Rock, die Texte sind okay, wobei ich sie manchaml schlecht übersetzt fand. Allerdings hätte man die Texte teilweise nach ausarbeiten können. naja, sie erfüllen ihren Zweck.
Die Musik klingt tatsächlich sehr gut, zielt natürlich genau darauf ab, die Charaktere noch fester in ihren Positionen darzustellen, während die 'gegenerische' band der Beliebten nichts anderes als "Ich bin besser als du" in ihren Texten ausdrückt, hat Lemonade mouth Lyrics, die auf das Innenleben und die Entwicklung der Charaktere abzielen.
"Determinade" ist einer der besten Songs, obwohl dieser gar nicht einmal so ausdrucksstark vom Text her ist.
Aber es passt alles in Allem zum Film.
Was mich dann doch ziemlich zum Grinsen brachte, ist, dass die Band als sie zum ersten mal aufeinander treffen ein wenig einen Takt aus natürlichen Geräuschen herstellen, langsam mit den Musikinstrumenten einsetzen und natürlich hat Olivia sofort den richtigen Song parat, den sie alle perfekt spielen:) Aber das ist typisch.
***SPOILER***
Zu den Überraschungen am Ende:
Die Band gewinnt den Rising Star Contest NICHT, weil sie total versagen, weil alle irgendwie krank oder so etwas in der Art sind. Und dann kommt die Überraschung: Das Publikum fängt an, "Determinate" zu singen und der Gitarrist der verfeindeten Band steigt mit seiner Gitarre ein, um den Auftritt zu retten. Das war wirklich schön gemacht.
Der Schlagzeuger und Sportmuffel kommt NICHt mit der hübschen Inderin zusammen, obwohl er sich in sie verliebt hat. Die Inderin bleibt weiter hin mit dem Gitaristen der anderen Band zusammen. Olivia und When (oder wie der Typ heißt ;) kommen auch nicht zusammen, obwohl es knistert. Und Stella erreicht letzten Endes dann doch noch ihre Revolution.
Olivia ist die Off- Erzählerin, sie erklärt dem Zuschauer, wie Lemonade Mouth entstanden ist. Dann findet man heraus, dass sie einen Brief an ihren vater schreibt, mit dem sie Jahre lang nicht geredet hat: Auch das ist eine Überraschung: Der ganze Film ist sozusagen ein Brief an ihren Vater.
***ENDE***
Natürlich ist der Film ein reines Klischee- aber die Schauspieler holen einiges raus. Und die handlung, die Songs, all das ist TROTZDEM schön und unterhaltsam. Bei manchen Dingen schüttelt man zwar einfach nur den Kopf (eine Revolution wegen einem Lemonaden Automaten anzetteln zu wollen zum Beispiel :), aber so ist das bei Disney halt immer.
Die Charaktere hat man nach einiger Zeit einfach nur noch lieb, weil sie alle sehr sympatisch sind.
Fazit: Ein hübscher, unterhaltsaer Film für Jugendliche, über den man trotz (oder auch gerade wegen) schrecklicher Klischees lachen kann. Empfehlenswert. Für Kinder um die dreizehn bestimmt so spannend wie "High school musical" oder "Camp Rock", nur dass der Film eben etwas tiefgründiger ist. (Wer mir nicht glaubt, der schaut sich den Film einfach mal an!)