"Lektionen in Demut" ist ein musikalisch brilliantes Werk, das sich zudem durch tiefsinnige Inhalte in teils poetischer Wortwahl auzeichnet. Im Prinzip sind die Einzeltitel eher Untertitel eines philosophischen Gesamtwerkes, in welchem Thomas D sein Leben und sein Bild der Realität darstellt und den Hörer in ein höheres Bewusstsein führt. Die CD ist gleichzeitig ein Aufruf zu mehr Verantwortung.
Die Realität gestaltet der Mensch durch seine Gefühle, sein Denken und letztlich sein Handeln (was auch das Nicht-Handeln einschließt) selbst. Er ist somit Schöpfer einer Welt, an der er selbst Teil hat, einer Welt voller Egos der einzelnen Individuen, die jedoch unzertrennbar miteinander verbunden sind. Thomas D hat erkannt, dass der Mensch nur dann weiter kommen kann, wenn er sein Ego "in Demut" zurückstellt und seinen Blickwinkel über seine Grenzen hinaus auf alle Menschen, ja letztlich auf alles Leben ausdehnt.
Etwas missfallen hat mir die Formulierung "wir sind alle verflucht auf dieser Welt zu verharren" in "König der Narren". Demzufolge wäre das Leben eine Last, die der Mensch zwar selbst gestaltet und insofern auch positiv verändern kann, von der er aber letztlich nicht entrinnen kann. Hier fühlt man sich an die buddhistische Lehre erinnert, nach der es Ziel ist ins Nirvana, ins "Nichts" einzutauchen und die Welt hinter sich zu lassen. Doch dies wird dem Leben nicht gerecht und zeigt, dass Thomas D zwar erkannt hat, dass der Mensch ein ewig Suchender ist, dessen Frage nach dem Sinn des Seins keine Antwort zu finden scheint, doch offenbar findet auch er keine Antwort sondern fordert, das Leben in Demut zu bestreiten und der Welt mit uneingeschränkter Liebe zu begegnen.
Doch der Sinn des Lebens liegt im Leben selbst, in der Entfaltung der verschiedensten Fähigkeiten, dem Ausschöpfen eines unendlich großen Potenzials! Und so muss man als erstes sich selbst erkennen um dann die individuellen Potenziale zur Geltung zu bringen und die Welt in ihrer Schönheit zu bereichern - denn genau dafür bietet das Leben die Möglichkeit! Wir erschaffen die Welt in jedem Moment neu! Das ist keine hole esoterische Idee sondern ein Fakt! Wie sonst kann es sein, dass verschiedene Menschen gleiche Situationen anders bewerten? Es gibt nur die Welt, die man selbst erschafft. Wer seine Gedanken auf Hass und Gewalt bewusst oder unbewusst richtet wird nur eben jene wahrnehmen und sich bestätigt fühlen, wer sich hingegen auf Liebe und Weisheit fokussiert wird wachsen.
"Lektionen in Demut" hat einen melancholischen Grundtenor. Die Musik und der Text befinden sich auf einer Ebene. d.h. die Musik an sich "spricht den gleichen Text", sie unterstützt die Inhalte und die Inhalte unterstützen die Musik. Diese CD ist ein Muss und bleibt selbst nach etlichem anhören weiter interessant - etwas, das nur wenigen Interpreten in der heutigen Zeit gelingt. Schon jetzt darf man auf die nächsten Alben dieses tiefsinnigen Künstlers gespannt warten, der seinen Standpunkt gefunden hat und diesen durch Musik in hervorragender Weise darzustellen weiß.