"Lektionen in Demut" - das Original von 2001 - zählt zu den wenigen Pop-Alben, denen ich das Zertifikat "Bedeutendes Kunstwerk" austellen würde. Der Mut, ein ganzes Album lang an Demut, Dankbarkeit, Moral, an wahre Tugenden zu appelieren und unsere gesellschaftliche Schieflage und unser von Egoismus und Größenwahn genährtes Versagen zu reflektieren, hat mich tief beeindruckt. Diese schweren Inhalte spannend musikalisch umzusetzen, ist vor zehn Jahren gelungen und schuf ein wirklich großes Album. 2011 ist die Welt nicht besser geworden, die Menschen schon gar nicht. Seine Rechte kennt jeder sehr ausführlich, die Pflichten immer weniger. Verantwortung wird gern weit weg geschoben, zumal die für andere, für die Gesellschaft. Wer laut und öffentlich Begriffe wie Moral und Demut, Ethik und Gewissen in die Diskussion bringt, wird oft bestenfalls belächelt, zunehmend inhaltlich gar nicht mehr verstanden. Inzwischen sind (mehr noch als vor zehn Jahren) Figuren wie Dieter Bohlen, Heidi Klum, Bushido und Daniela Katzenberger Idole. Warum und für welche Leistug wird immer weniger gefragt. Die Notwendigkeit, die Aussagen von "Lektionen in Demut" erneut laut zu sagen, ist offensichtlich. Auch wenn sie naturgemäß nicht die erreichen, die es am dringendsten benötigen. (Sollte Frau Katzenberger dieses Album registrieren und verstehen, bitte ich um Entschuldigung für meine Klischee-Annahme). Dennoch war ich skeptisch, als ich laß, Thomas D würde das ganze Album nochmal aufnehmen. Wenn man es gehört hat, weiß man, diese Skepsis war unbegründet."Lektionen in Demut 11.0" ist musikalisch druckvoller und somit das ganze Album auch inhaltlich noch intensiver. Die neuen Arragements kristallisieren die Worte deutlicher heraus und leiten sie unmittelbar in die Gedanken des Hörers. Wo das 2001er Original streckenweise mit sphärischen Klängen die Gedanken des Hörers weglaufen ließ, hält der neue direkte Klang den Hörer fest. Beide Alben, Original und Remake stehen gleichbedeutend nebeneinander. Auch wenn es exakt die selben Lieder sind, sollte man beide haben, die Aussage ist gleich, die Wirkung sehr unterschiedlich. Beide Alben sind sehr wohltuende Bausteine im Wall gegen Dummheit, Beliebigkeit und Oberflächlichkeit, gegen völlig unbegründbaren Hochmut.