Franz Kafkas moderner Roman "Der Proceß" thematisiert das Aufbegehren eines Individuums, Josef K., gegen eine subversive und allgegenwärtige Macht.
Dieser Roman ist so vieldeutig und kann auf so viele verschiedene Weisen interpretiert werden (religös, psychologisch, soziologisch,...), dass es bei diesem Werk sicher schwer fällt eine übersichtliche Lektürenhilfe zu gestalten. So schreibt auch Thomas Gräff zu Beginn: "Kafka ist rätselhaft".
Wer der Handlung nicht immer folgen kann und einige Aspekte nicht versteht, ist mit dem Kauf dieser Lektürenhilfe sicherlich gut beraten. Der Inhalt wird gut nacherzählt und Kernstellen werden ebenfalls gut behandelt (z.B. "Türhüter-Parabel"). Die verschiedenen Interpretationsansätze werden jedoch lediglich kurz behandelt und geben vielmehr einen Ausblick auf die unendlichen Deutungsmöglichkeiten des Romans, als einen detaillierten Einblick. Am Ende der Lektürenhilfe sind mehrere Beispielsklausuraufgaben zu finden, die später in Stichworten beantwortet werden. Auch Vergleiche des Romans mit den Sternchenthemen in Baden-Württemberg ("Die Räuber", Schiller und "Michael Kohlhaas", v. Kleist) sind vorhanden (nur oberflächlich!)und auch vor dem biographischen Hintergrund wird das Werk gut gedeutet. Am Rand jeder Seite sind Schlüsselwörter zu finden, die den Leser durch die Interpretation führen und der Lektürehilfe eine klare Struktur geben.
Fazit: Da der Roman seit 2008 Sternchenthema in Deutsch in Ba-Wü ist, habe auch ich mir eine Lektürenhilfe zum besseren Verständnis gekauft. Die Klett-Lektürehilfe gefiel mir am besten und hat sich als gute Hilfe für das Verständnis des komplexen und vielschichtigen Romans herausgestellt. Dennoch gilt auch bei dieser Lektürenhilfe: es stimmt nicht alles, was dort geschrieben wird (z.B. "Jemand musste Josef K. verleumdet haben,..." ist kein Passiv-Satz.)
Ich gebe der Lektürehilfe 3,5 Punkte, doch da das nicht geht, sind es eher 3 als 4 Punkte.