Die Lektürehilfe zu „Effi Briest" ist eine grundsolide Interpretation, die den Schwerpunkt auf die inhaltliche Analyse legt und auf 85 Seiten Inhaltsangabe plus Charakterisierungen enthält. Zu Kritisieren ist dieser Umstand jedoch weniger wegen der Quantität der Analyse als vielmehr aufgrund der Tatsache, dass es dieser Lektürehilfe prinzipiell an kompakter Formulierungsweise mangelt. Vor allem die Personenporträts sind strukturell alles andere als stringent auf einen Interpretationsansatz hin aufgebaut, was doch stellenweise zu arg viel Leerlauf führen muss. Überzeugend jedoch die gesellschaftliche Analyse des preußischen Obrigkeitsstaates sowie die relativ komplette Darstellung der Symbolik.
Ob eine Darstellung der epischen Fassbinder-Verfilmung für eine Interpretation des Romans essenziell ist, sein an dieser Stelle einmal dahingestellt. Einer Inhaltsangabe des kompletten Romans hätte es meines Gutdünkens nach jedenfalls nicht bedurft, jedenfalls nicht für all jenige, die fähig sind, ein Buch tiefgründig zu rezipieren.
Diese Sekundärliteratur ist vor allem für denjenigen sinnvoll, der weniger akademische als vielmehr verstehenstechnische Hilfestellungen benötigt. Anspruchsvolleren Lesern sei die profundere „Oldenbourg"-Interpretation von Elsbeth Hamann sowie der Sammelband „Interpretationen Fontanes Novellen und Romane" (Reclam) empfohlen.