Bei der Lektürehilfe von David Ball zur George Orwells Animal Farm handelt es sich weitgehend um eine Übernahme eines in den USA in der Serie "Barron's book notes" erschienenen Textes, der sich an US-amerikanische SchülerInnen richtet. Der Inhalt der dünnen Broschüre ist - ganz dem US-Klischee entsprechend - flach. Auf einer oberflächlichen Ebene wird der Inhalt von Orwells Werk zusammengefasst und in bekannten literaturwissenschaftlichen Kategorien analysiert: Plot, Thema, Stil, Erzählperspektive und Struktur werden beschrieben. Der verständige Leser, der vielleicht schon das eine oder andere Buch gelesen hat, wäre freilich in der Lage, selbst zu leisten, was die Lektürehilfen leisten sollen. Bezeichnenderweise besteht der Abschnitt "A Step Beyond" zur Prüfungsvorbereitung vor allem aus Multiple Choice Fragen zur Handlung des Buches. Die Fragen, die den Anspruch haben Reflexion zu verlangen, sind auch eher langweilig: Ja, ja, die Schweine sind in der Farm der Tiere die Bösen, genauso wie in der Sowjetunion die KommunistInnen. Und die Moral von der Geschicht: Bloß keine gesellschaftlichen Utopien, der Mensch ist dem Menschen Wolf. Ich möchte zwar nicht ausschließen, dass gerade dies eine adäquate Behandlung des Orwell-Textes sein könnte. Eins ist aber klar: Um zu solchen Aussagen zu kommen, braucht eigentlich niemand eine Lektürehilfe. Trotzdem kann ich mir einen guten Grund vorstellen, sich die Lektürehilfen zuzulegen: SchülerInnen, denen die konzentrierte Lektüre des Primärtextes zu viel Arbeit ist, können mit Balls dünner Broschüre ohne Mühe im Englischunterricht mitreden. Durch die Zusammenfassungen, die immer auch Belege für die dargestellte oberflächliche Interpretation bieten, ist das Bestehen jeder Klassenarbeit gewährleistet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)