Puschers Buch ist trotz der recht trockenen Thematik durchgehend interessant, in lockerem Ton geschrieben und sehr vielseitig. Selbst wenn man sein eigenes Usability-Problem hier nicht direkt wiederfindet, so schärft das Buch doch den Blick dafür, was alles schiefgehen kann und welche Fehler man in punkto Nutzerfreundlichkeit machen kann - und wie man diese Fehler beheben oder gar nicht erst entstehen lassen kann. Das einzige, was man hier vermisst, ist der Punkt Barrierefreiheit, zu dem man sich unbedingt ein eigenes Kapitel gewünscht hätte, zumal das Thema immer bedeutsamer für alle Nutzergruppen wird. Puscher lässt aber die Bedeutsamkeit barrierefreier und nutzbarer Seiten, beispielweise für Ältere oder für Menschen mit Behinderungen, außer Acht.
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt: Viele Beispiele, auch und vor allem negative, sind mit Screenshots erläutert, wobei man aber häufig den Eindruck hat, dass die erläuternden Abbildungen etwas planlos und losgelöst mitten im Text stehen und nicht immer sofort das verdeutlichen, was gemeint ist, zumal auch die Bildunterschriften häufig zu betont locker sind und den Blick nicht auf das Wesentliche lenken.
Insgesamt aber ist Leitfaden Web-Usability" ein praxisbezogenes und vielseitiges Werk, das detailliert ist, wo es sinnvoll ist, aber insgesamt auch Grundwissen voraussetzt.
Selbst für private Website-Anbieter oder für Betreiber nicht-kommerzieller Websites, etwa von Verbänden, Stiftungen oder anderen Organisationen, ist dieser Leitfaden eine sehr lohnenswerte Lektüre. Puscher bringt vieles genau auf den Punkt, etwa in der folgenden Feststellung, die schon fast als Quintessenz zum Stichwort Usability gelten kann: Es gilt Folgendes festzustellen: Der Usability-Experte und auch der Buchautor sind nicht die Prüfinstanz für Ihre Website. Auch Sie selbst sind es nicht, ebenso wenig Ihre Kollegen. Es sind die Nutzer da draußen, die entscheiden."