Der Bielefelder Hochschullehrer bietet mit dem vorliegenden Buch eine leichtverständliche Einführung in das Thema der Leistungsmessung und -beurteilung in der Schule.
Überzeugend ist bereits die klare Struktur der Darstellung: So beginnt Jürgens mit der grundlegenden Frage, was denn Leistung überhaupt und wie dieses Konzept im schulischen Alltag zu nutzen sei. Von der allgemein vorherrschenden gesellschaftlichen Vorstellung von Leistung wendet er sich - wie zu erwarten - ab und erstellt einen eigenen, pädagogisch motivierten Leistungsbegriff. Bei diesem neuen Verständnis wird Leistung als eine Form des Lernens verstanden, die, um nur einige Kriterien zu nennen, produkt- und prozessorientiert ist, die sowohl individuelles als auch soziales Lernen fördert und die Schüler in ihrer Ganzheitlichkeit erfasst.
Wer täglich in der Schule Leistung misst und bewertet, weiß, dass der Pfad zu einer objektiven Beurteilung gesäumt ist von Fallen und Fehlerquellen, und dass wir wirkliche Objektivität nicht erreichen, ihr uns nur annähern können. Aus diesem Grund nimmt die Beschreibung der zahlreichen Beurteilungsfehler (sowohl auf der Ebene der Messung als auch auf der Ebene der Beurteilung), natürlich gefolgt von Hinweisen wie diese zu vermeiden sind, breiten Raum in Jürgens' Buch ein.
Den Hintergrund für das abschließende Kapitel bildet die Kritik an der Zeugnisnote, die eine möglicherweise mehrmonatige Schülerleistung auf eine informationsarme Ziffer reduziert.
Als Alternative verweist der Autor auf die riesigen Chancen von Berichtszeugnissen und Verbalurteilen, die dem Lehrer die Möglichkeit geben, Leistung in ihrer Entwicklung darzustellen und somit den dynamischen Aspekt des Lernens berücksichtigen.
Die potentiellen Schwächen dieser Lernberichte (z.B. pädagogische Floskeln, formelhafte und stereotype Formulierungen) werden jedoch auch hier nicht ausgeblendet.
Jürgens' Darstellung ist gut strukturiert, praxisbezogen und schlüssig begründet und kann deshalb jedem Lehrer, Referendar und Lehramtsstudenten empfohlen werden.
Einzig und allein die Probleme, die bei der Messung und Beurteilung von Leistungen in offenen Lernarrangements entstehen (neue Lernmethoden brauchen neue Formen der Beurteilung - die alten Werkzeuge sind hier nicht mehr tauglich), werden im Buch nicht ausreichend dargestellt. Interessierte Leser können hier jedoch auf einen Titel aus dem Beltz-Verlag "Prüfen und Bewerten im Offenen Unterricht" zurückgreifen, der sich ausführlich diesem Themenkomplex widmet.