Wer zeichnet eigentlich für solcherlei Titelübersetzungen verantwortlich? Vergleicht man die Übersetzung mit dem Originaltitel "The Hunting Party", dann wird sofort deutlich, dass der englische Titel inhaltlich viel treffender ist. Und auch wieder nicht, denn "Leise weht der Wind des Todes" lässt Anklänge an Sergio Leones Meisterwerke "Spiel mir das Lied vom Tod", "Todesmelodie" oder die Dollar-Trilogie erkennen, ist er doch ebenso hart, zynisch und erbarmungslos.
"The Hunting Party" ist ein europäischer Western und wurde im Jahre 1971 von Don Medford gedreht, der sich vor allem als Regisseur von TV-Serien, unter anderem einiger Episoden von "The Twilight Zone", "Die Straßen von San Francisco" und "Denver Clan", betätigte. Dennoch verleiht Medfords Regiearbeit dem Film in meinen Augen eindeutig Kinotauglichkeit - davon später mehr.
In "The Hunting Party" geht es um den Gesetzlosen Frank Calder (Oliver Reed), der zusammen mit seiner Bande die junge Frau Melissa Ruger (Candice Bergen) entführt - in dem Glauben, es handele sich bei ihr um eine einfache Dorfschullehrerin. Calder verlangt von seinem Opfer, dass es ihm das Lesen und Schreiben beibringe, was ihn bei einigen Mitgliedern seiner Bande in Miskredit bringt, denn diese haben ganz andere Vorstellung davon, was die junge Frau für sie tun könnte. Dennoch bewahrt Calder Melissa davor, von den Verbrechern missbraucht zu werden, nur um sie in der ersten Nacht nach einem von ihr unternommenen Fluchtversuch selbst zu vergewaltigen. Was die Banditen nicht wissen, ist, dass es sich bei Melissa um die Ehefrau des reichen Ranchers Brandt Ruger (Gene Hackman) handelt, für den - sobald er die Nachricht von der Entführung seiner Frau durch die Bande erhält - es keine Frage ist, dass er sich an den Männern rächen muss. Im Wissen darum, dass Calder und seine Leute gefürchtete Revolverhelden sind, bedient sich Ruger zum einen der Unterstützung seiner reichen Freunde, mit denen er zu Anfang des Films auf eine Jagdpartie aufgebrochen ist. Zum anderen verwendet er neuartige Präzisionsgewehre, die es ihm erlauben, auf 800 Yards genau zielen und seine Opfer treffen zu können, so dass selbst ein gewiefter Revolverheld schon tot ist, bevor er auf Schussweite einer herkömmlichen Bleispritze an den Jäger herankommen kann. Zusammen mit seinen Freunden macht sich Ruger auf die Jagd nach den Gesetzlosen, und schon bald werden die ersten Outlaws aus sicherer Entfernung von der Jagdgesellschaft "erlegt". Unterdessen beginnen sich in Melissa und Frank Calder, Gefühle füreinander zu regen, so dass die anfangs widerwillige Geisel sich plötzlich ebenfalls an der Seite der Desperados auf der Flucht vor ihrem Mann befindet.
Der Film ist von äußerster Brutalität - jedenfalls für damalige Verhältnisse, aber auch heute noch vermag er meiner Meinung nach tief zu schocken. Soviel ich weiß, war es Peckinpah, der in "The Wild Bunch" (1969) in einem Western erstmals in Zeitlupe das Blut in Fontänen aus den Körpern der Getroffenen spritzen ließ, und diesen rauhen Kunstgriff hat sich Medford in seinem großartigen Western ebenfalls zu eigen gemacht. Es kommt zu grausamen Morden, wie etwa dem Gemetzel am Wasserloch oder der Hinrichtung eines Gesetzlosen, dem mitten ins Gesicht geschossen wird. Und dennoch dient die Gewalt hier nicht dem Selbstzweck oder der Befriedigung voyeuristischer Tendenzen im Zuschauer, sondern sie zeigt die Unbarmherzigkeit des Sadisten Brandt Ruger und die Ausweglosigkeit, in die sein wahnwitziger Rachefeldzug die Gesetzlosen bringt.
Gene Hackman spielt in diesem Western wahrscheinlich eine seiner fiesesten Rollen: Es gibt wirklich keinerlei erlösende Charakterzüge an Brandt Ruger, der zu Beginn des Filmes mal eben seine Frau brutal vergewaltigt, dann mit seinen Freunden über die Großartigkeit des Jagens bramarbasiert und in einem von ihm gemieteten Zug eine asiatische Prostituierte mit einer brennenden Zigarre malträtiert. Als er erfährt, dass seine Frau von Calder entführt wurde, treibt ihn nicht etwa die Sorge um sie auf die Fährte seiner Widersacher, sondern der Gedanke, sie könnte von den Männern in Serie vergewaltigt werden und ihn dazu zwingen, einen "Bastard" großzuziehen. Melissas Tod ist für ihn letztlich die einzige Möglichkeit, seine Ehre - wie auch immer so ein menschliches Monster diese definiert - wiederzugewinnen. Fast scheint es, als wolle der Film mit Ruger eine Art Kapitalismuskritik transportieren, denn für den Rancher ist seine Frau weniger ein Mensch, als vielmehr ein Besitzstück, das er nicht kampflos aufgeben mag. Das Töten der Gesetzlosen ist für ihn und seine reichen Freunde denn auch mehr eine Art Sport, zumal es aus der sicheren Distanz geschieht. Doch schon bald bröckelt die Allianz der Kapitalisten, als die ersten Toten vor ihnen liegen und sich bei einem Mann drastische Gewissensbisse bemerkbar machen. Als dieser Mann dann von Calder erschossen wird, wird den anderen klar, dass ihr Sport doch nicht ganz so gefahrlos für sie ist, wie sie anfangs glaubten, und der Großteil der Menschenjäger lässt Ruger im Stich. Es ist mithin nichts Sympathisches an den Vertretern der sogenannten anständigen Gesellschaft in diesem Film, so dass die Banditen im Gegenzug zu Identifikationsfiguren avancieren.
Ihr Tod wird auf eindringliche Weise, aber ohne falsches Pathos - so wird der erste der Outlaws beispielsweise ganz profanerweise beim Verrichten seiner Notdurft erschossen, und der Tod eines weiteren Mannes zieht sich quälend lange hin - dargestellt. Hier wird deutlich, dass, wenn auch das Leben für diese aus der "anständigen Gesellschaft" ausgestoßenen Männer wenig Schönes und Erhebendes bietet, auch der Tod keine rechte Erlösung bedeutet.
Der routinierte Kameramann Cecilio Paniagua vermag die Landschaft recht wirkungsvoll als stummen Kommentar zur Handlung einzufangen, vor allem in den letzten Minuten des Filmes, in denen Calder und Melissa durch eine lebensfeindliche Wüste in das unerreichbare Paradies Kalifornien zu fliehen versuchen, und auch vorher weiß Medford, den Zuschauer durch einfache Kunstgriffe zu beeindrucken. So donnern die Schüsse aus den modernen Präzisionsgewehren der Jäger mit surrealer Gewalt auf, bevor die Kugeln Tod und Schrecken unter den Gejagten ausstreuen. Auch die Anfangsszene ist von vorausdeutender Symbolik: Wir sehen schnelle Schnitte zwischen der ehelichen Vergewaltigungsszene im Hause Ruger und den Outlaws, die am Rande der Stadt ein Kalb einfangen und ihm die Kehle aufschlitzen, um es anschließend zu essen. Unvergesslich ist auch die Comic-Relief-Szene, in der sich Calder und Melissa über ein Glas Pfirsiche näherkommen.
Wollte ich den Film hier weiter ausdeuten, so müsste ich schon zu viel von seinem Ende vorwegnehmen. Es sei hier aber gesagt, das "The Hunting Party" ein großer, bewegender Western ist, der sich krass von den "Eigentlich-ist-die-Welt-doch-in-Ordnung"-Western der 50er und 60er Jahre unterscheidet. Diesen Film sollte man sich wirklich unbedingt ansehen, denn er verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit!