Inhalt
Erste umfassende Doku über die Demonstrationen in Leipzig vom Herbst 1989.
Bewegendes Zeitdokument über die Stimmung im Volk in den Zeiten der Veränderung. Internationale Filmfestspiele Berlin 1990 Bonus: "Sind wir ein Volk" Die Ereignisse in Leipzig vom 16. Oktober bis 7. November 1989. Ein Wendefilm. Demonstrationen und Diskussionen in Leipzig zwischen dem 16. Oktober und 7. November 1989.
Interviews mit Teilnehmern der Massendemonstrationen, Gespräche mit den Müllmännern, die Banner und Plakate entfernen müssen und dann doch gestehen, dass sie die darauf geschriebenen Forderungen berechtigt finden. Die aufgezeichneten Debatten unter Kollegen in den Betrieben spiegeln das Denken und Fühlen in der Anfangsphase des gesellschaftlichen Umbruchs wider. Zur Einschätzung der Lage äußern sich Vertreter des Neuen Forums, Theologen, Volkspolizisten, ihre Vorgesetzten und Staatsfunktionäre. Damals festgenommene Demonstranten zeigen nach ihrer Freilassung die Pferdeställe, in denen sie mit zig anderen zusammengepfercht 20 Stunden und mehr auf nacktem Betonboden stehend warten mussten. Ein junger Wehrpflichtiger, der auf Seiten der Volkspolizei zum Einsatz kommt, bekennt: "Ich habe mich unheimlich geschämt, für diese Misspolitik, die hier gemacht wurde, meine Person herzugeben ... als Polizist diese Politik zu verteidigen, obwohl das gar nicht in meinem Sinn war.
Nicht mal ein Dutzend DEFA-Dokumentarfilmer klemmen sich in diesen entscheidenden Tagen die Kamera unter den Arm und sammeln Material von der Wende. Voigt, Kroske und Richter versehen ihre Kompilation dementsprechend mit dem Untertitel: "Ein Material . Sie ist die erste und bis heute vermutlich umfassendste Dokumentation der Ereignisse um den 9. Oktober. Das Filmteam bleibt dicht am Geschehen vielleicht könnte ihr Film noch einen Beitrag zum Wandel leisten. Doch die Wirklichkeit überholt sie. Der Film wird auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig 1989 als erster Rückblick gezeigt. Bis heute bewahren die Bilder ihre Unmittelbarkeit und durch ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit sollten sie immer mal wieder eingesetzt werden, wenn "Volkes Wille unter den Schutt der letzten Jahrzehnte gerät.
Bildbewertung
Das Unternehmen "ICESTORM", bekannt für sein Engagement im Bereich der Erhaltung und Präsentation von kulturellen bedeutenden Film- und Fernsehinhalten, nimmt das Jubiläum des zwanzigsten Jahrestags des Mauerfalls zum Anlass, eine Reihe bedeutender und einzigartiger Filme diesen Genres und Themas zur Veröffentlichung auf DVD zu bringen. Hierfür hat das Label, welches die weltweit exklusiven Verwertungsrechte an DEFA-Filmproduktionen jeder Art besitzt, die Filmedition mit dem Titel "20 Jahre Mauerfall" an den Start gebracht, in der sich auch die vorliegende Veröffentlichung "Leipzig im Herbst" mit interessantem Bonusmaterial präsentiert. Weitere Veröffentlichungen innerhalb dieser Reihe sind Filme wie "Nikolaikirche" in der Kinoversion oder auch der Mehrteiler "Deutschlandspiel".
Dem Titel der DVD "Leipzig im Herbst - Aufbruch 89" wurde von den beiden Filmemachern Andreas Voigt und Gerd Kroske im Untertitel die Bezeichnung "16.10 - 07.11.1989 Ein Material" gegeben. Dieser Zusatz im Titel der Dokumentation charakterisiert bereits ziemlich genau die inhaltliche und thematische Gestaltung der von dieser Veröffentlichung zu erwartenden Bilder.
Es waren nur wenige Kameramänner und Filmschaffende der damaligen Abteilung für DEFA-Dokumentarfilme, die in den Tagen der entscheidenden Veränderungen in der DDR die einmalige sich auftuende Möglichkeit und Chance nutzten und erkannten, Filmaufnahmen von einer einzigartigen, später Geschichte machenden Zeit, festzuhalten. Umso bedeutender sind die dann entstandenen filmischen Zeugnisse jener Tage vom 16.10 bis hin zum 07.11.1989 mit ihren insgesamt 11 Stunden Filmmaterial, aufgenommen an mehreren Standorten in Leipzig, Berlin und Dresden. Die Filmemacher versuchen in den ca. 52 Minuten ihrer Dokumentation aus den vorliegenden elf Stunden Aufzeichnungen dieser Tage eine Essenz und den Punkt treffendes Zeitfenster rund um Entwicklungen im Herbst 1989 in der damaligen DDR zu zeigen. Das gelingt in unverfälschter, selbst heute mehr als zwanzig Jahre später, noch immer emotional aufrührender und authentisch wirkender Glaubhaftigkeit und Authentizität.
Nichts wirkt hier, entgegen sonstigen und bisherigen Produktionen aus den DEFA-Dokumentarfilm-Studios, gestellt oder gekünstelt. Förmlich spürt man die Aufregung und eigene Unsicherheit der Menschen hinter der Kamera, genauso wie das Neue und den Aufbruch in der DDR und ihrer Menschen in diesen Tage im Herbst des Jahres 1989.
Es sind die zahlreichen Zeitzeugen dieser Tage, die vor der Kamera der Dokumentarfilmer ihre Gedanken und Meinungen, aber auch Ängste und Unsicherheiten aussprechen und so ein bis heute unvergängliches Zeugnis dieser Zeit des Wandels und Aufbruchs zeichnen.Dabei erhalten die unterschiedlichsten und auch oft noch sehr gegensätzlichen Gedanken, Standpunkte und Aussagen von verschiedensten Gesprächspartnern die Möglichkeit sich auf einer eigenen Bühne vor den Kameras der Dokumentarfilmer zu präsentieren. Staatliche Funktionäre wie ein Stadtrat, oder ein Kommandeur einer VP-Bereitschaft äußern sich genauso wie Angestellte und Arbeiter einer Fabrik oder Straßenfeger, welche Losungen und Plakate, mit deren Inhalt sie selbst sympathisieren, entfernen müssen. Mitglieder des "Neuen Forums", aber auch Theologen und Wehrpflichtige und Einsatzkräfte der Volkspolizei berichten über ihre Empfindungen und Gedanken zu dem was gerade in ihrem Land geschieht.
Die Dokumentation zeigt ein unverfälschtes Bild der Tage im Herbst 1989, die nur mit dem Mut aller, sich für Veränderungen in der DDR einzusetzen, so auch der damaligen Filmemacher, entstehen konnte. Denn noch immer, waren SED, Staatssicherheit und Volkspolizei allgegenwärtig, wie auch die Gefahr einer gewaltsamen Niederschlagung der Aufstände, wie kurz zuvor in China, in den Köpfen aller.
Eine Bewertung der technischen Qualität der Bilder von der vorliegenden DVD dieser Veröffentlichung aus dem Hause "ICESTORM" vorzunehmen ist schwierig, um nicht zu sagen unmöglich und in Anbetracht der Aufnahmemöglichkeiten und der Entstehung der Aufnahmen nicht angebracht. Das Bild zeigt sich durchweg in schwarz-weiß und den zu erwartenden Einstellungen einer zwei Jahrzehnte zurückliegenden Dokumentarfilm-Produktion, die unter erschwerten Aufnahmebedingungen entstand. Vielmehr wie durch spezielle besonders auffällige oder aufwendige Aufnahmetechniken zu beeindrucken, schafft es die Dokumentation mit ihren Inhalten und der umfassenden und in einzigartigen Bildern beschreibenden Berichterstattung der Ereignisse dieser Tage, mit ihrer beginnenden politischen Neugestaltung zu informieren und für sich zu gewinnen.
Die DVD-Menüs wurden zum Teil mit Animationen und Soundeffekten unterlegt, in dem Titel der Edition "20 Jahre Mauerfall" entsprechend gestaltet. Über das nach dem Einlegen der DVD zur Ansicht kommende Hauptmenü kann die Dokumentation zur Wiedergabe gestartet werden. Des weiterem gelangt man über das Hauptmenü zu einer Kapitelauswahl wie auch zu den Extras dieser Veröffentlichung.
Als Extra befindet sich auf der DVD u.a. ein ca. elf Minuten laufender, extra für diese Veröffentlichung durch die im Rahmen ihrer Ausbildung befindlichen Mediengestalter im Studio Berlin Adlershof - Fernsehzentrum Babelsberg gefertigter Kurzfilm, mit dem Titel "Sind wir ein Volk". Weiterhin gibt es in Form von Texttafeln umfangreiche Informationen zu den beiden Filmemachern Gerd Kroske und Andreas Voigt. Zu guter letzt finden sich Trailer zu Veröffentlichungen innerhalb der Reihe " 20 Jahre Mauerfall" sowie den beiden Veröffentlichungen "50 Jahre Trabant" und "Blauhemd, Bluejeans, Beatmusik" unter den Extras dieser sehr gelungenen Veröffentlichung aus dem Hause "ICESTORM".
Tonbewertung
Von der DVD kommt der Ton im Format Dolby Digital 2.0 zu Gehör. Er ist unkommentiert und bearbeitet, eben in der Qualität wie er im Herbst des Jahres 1989 von den Dokumentarfilmern aufgenommen wurde. Wohl ein jeder wird verstehen, dass dieser Ton nicht in der Qualität wie bei einer Kinoproduktion daherkommen kann. Er hat sicher seine Mängel und Schwächen in sich und ist auch nicht in gleichbleibender Qualität zu hören. Dafür ist er höchst authentisch und garantiert Gänsehaut pur, wenn zb. die beeindruckende Soundkulisse der gewaltigen Montagsdemos zu hören ist. Untertitel werden nicht von der DVD angeboten.
Gesamteindruck
Mit "Leipzig im Herbst" bringt "ICESTORM" eine Dokumentation über die Tage der Anfänge des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in der damaligen DDR zur Veröffentlichung auf DVD. Betrachtet im Abstand der vergangenen Jahrzehnte ist diese Dokumentation ein einzigartiges wertvolles Zeitdokument über die Tage im Herbst 1989.Emotional aufwühlend und bewegend, von überwältigender authentisch wirkender Glaubhaftigkeit und Authentizität zeigt die Dokumentation ein unverfälschtes Bild der Tage im Herbst 1989.
Autor: Torsten
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