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29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unbeschreiblich, 7. April 2003
Eins sollten Sie mit diesem Buch ganz sicher nicht tun: Sich irgendwo drei Tage verkriechen und es in einem Zug durchlesen. Oder vielleicht genau das, denn das, was man da liest, macht einen fertig und verfolgt einen auch, wenn das Buch wieder sicher im Regal steht. Das ist Krieg, das sind Graeueltaten, ungeschminkt und in allen Einzelheiten beschrieben von einer jungen Frau, die diese Hoelle selbst durchlebt hat. Sie geht zurueck an diesen Ort und nimmt den Leser dahin mit. Und dafuer (genauso wie fuer die Tatsache, dass sie in Den Haag gegen ihre Folterer ausgesagt hat!) verdient sie unheimlichen Respekt, denn sie hat nicht nur ueberlebt, sondern sie hat es gewagt, darueber zu sprechen. Was das fuer Folgen hat fuer eine Frau in der muslimischen Gesellschaft Bosniens kann man sich vorstellen. Ich weiss nicht, ob ich dieses Buch weiterempfehlen soll, denn manche Dinge sind so schrecklich, dass man schon von der Vorstellung weiche Knie und Magenkraempfe bekommt. Aber wer wissen will, was der Bosnienkrieg fuer diese Frauen konkret bedeutet hat, wer es wirklich wissen will, der sollte dieses Buch lesen!
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein erlebter Albtraum, 13. August 2004
Von Ein Kunde
"Leila" war das einzige Buch in meinem Leben, das ich innerhalb eines Tages komplett gelesen habe. Ich war während dieser Stunden versunken in ihm, kaum fähig, meine Gedanken abschweifen zu lassen. Die Schilderungen der jungen Bosnierin sind so erschütternd und unbegreiflich, daß man hoffen will, es handele sich hier lediglich um eine schlimme Phantasie.Dieser Erfahrungsbericht führt dem Leser vor Augen, wie bestialisch sich Menschen benehmen, wenn man sie gewähren läßt! Leila hat man ihrer Würde beraubt, und um so bewundernswerter erscheint es, wenn sie später - als die unfaßbare Leidenszeit für sie zuende ist - mit Hilfe psychologischer Betreuung einen Teil ihrer "alten" Identität zurückgewinnt. Obwohl ich wirklich nicht "nah am Wasser gebaut" habe, sind mir in den späteren Kapiteln des Buches stellenweise die Tränen gekommen - aus Mitleid mit diesem geschundenen Mädchen und aus dem schlichten Unverständnis dafür, daß Menschen in der Lage sind, andere Menschen auf diese Weise zu zerstören. Man möchte Leila nach diesem gelebten Albtraum alles Glück auf Erden wünschen und die Fähigkeit, anderen wieder zu vertrauen - so schwierig das für sie sein wird...
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Entsetzen findet keine angemessene Sprache , 13. Juni 2007
Keine zehn Jahre ist es her, dass die Balkankriege zu Ende gingen, und doch sind sie in den wohlhabenden Zonen Europas schon fast wieder vergessen. Bei Timothy Garton Ashs Zeit der Freiheit" kann man messerscharfe Analysen über die Hintergründe dieser Katastrophen in der Krajina, in Bosnien und im Kosovo lesen, doch was damals wirklich geschehen ist, bleibt unverständlich. Wie viele Menschen gestorben sind, wie viele gefoltert und bestialisch ermordet wurden, wie viel Frauen den planmäßig eingesetzten Masssenvergewaltigungen zum Opfer fielen, wird man wahrscheinlich niemals klären können.
Die Journalistin Alexandra Cavelius hat auf der Grundlage intensiver Recherchen in dem vorliegenden Buch "Leila. Ein bosnisches Mädchen" das Leben einer der massenvergewaltigten Frauen nachgezeichnet und damit ein konkretes Beispiel rekonstruiert, dessen Einzelheiten schockieren. Vor den Augen des Lesers wird zunächst von Leilas sorgloser und unbeschwerter Jugend berichtet, ehe sie über einen fatalen Fehler als junges muslimisches Mädchen mitten in das Kriegsgeschehen verwickelt wird. Durch den schrecklichen Verrat ihrer eigenen Tante und die Machenschaften des Kriegsverbrechers Iuvuz Begic gerät sie zuerst in ein Arbeitslager und dann in eine Festung, in der sie und andere Frauen von serbischen und muslimischen Soldaten jahrelang massenvergewaltigt werden. Es werden Szenen geschildert, die man sich in seinen schrecklichsten Albträumen nicht hätte vorstellen können und in denen doch alle Seiten, Serben, Kroaten und muslimische Bosniaken, ihren Anteil an Schurken und Helfern stellen. Erst nach jahrelangem Missbrauch durch unzählige Soldaten und haarscharf am Rande des Todes wird sie für eine handvoll Zigaretten an den serbischen Koch Radko verkauft, der sie inmitten seiner Kücheneinheit durch die Wirren des Kriegs bringt und sie am Ende sogar zur Hochzeit überredet. Obwohl sie Radko nicht liebt, lebt Leila, von ihrer bosnischen Heimat abgeschnitten, eine Zeitlang als Muslimin in einem serbischen Dorf, bekommt einen Sohn, ehe sie ihre Familie sie wieder auffindet und sie ohne ihren Mann nachhause zurückkehrt.
Es ist eine Heimkehr mit geschundenem Körper und zerstörter Seele. Wie Hunderttausende anderer Menschen auch steht sie vor den Trümmern ihrer materiellen und seelischen Existenz, nur noch getrieben von dem Wunsch, dass die Massenverbrecher auf allen Seiten ihre gerechte Strafe erhalten. Doch als sie gegen den schon erwähnten Iuvuz Begic vor einer Kommission des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag aussagt, wir sie, das wird im Nachwort berichtet, von Unbekannten in der Nacht überfallen und zusammengeschlagen.
Bitter wie das ganze Buch ist also auch sein Ende. Es ist ein schmerzhaftes und erschütterndes Buch, das man ähnlich wie Courtemanches "Ein Sonntag am Pool in Kigali" nicht wie als literarisches sondern als dokumentarisches Werk lesen sollte. Doch als eine mit den Mitteln des Romans gestaltete Fiktion leistet es zum wirklichen Verständnis der Ungeheuerlichkeiten der Balkankriege mehr als ein ganzes Dutzend Sachbücher.
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