- Taschenbuch: 287 Seiten
- Verlag: dissertation.de (Februar 2001)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3898252043
- ISBN-13: 978-3898252041
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.990.637 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
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Dies ist auch die Dokumentation des Festes in einer Berliner Kneipe, das an das Symposium anschloss. Dort haben Mitarbeiter und Studenten . jeder auf seine Art, wie bereits bei den akademischen, essayistischen, persönlichen und kollegialen Beiträgen des Symposiums . Hans Peter Dreitzel ihre Reverenz für seine leidenschaftliche Lehrtätigkeit erwiesen.
Beide Teile gehören zusammen. Denn mit Hans Peter Dreitzel verlässt ein Gelehrter die Universität, der weder Studenten noch Assistenten in den Seminarraum sperrte, sondern sie aus diesem vertrieb, um vor der Universität zu erfahren, worüber in ihr zu sprechen sei. Ein Gelehrter, für den es nicht nur einen -akademisch verbrieften- Weg gab, Erfahrungen zu machen.
Für ein Resümee von Peter Dreitzels Werken und Wirken ist dies nicht der Ort noch könnte ich es überhaupt ziehen. Allerdings kann und möchte ich etwas über seine Liberalität sagen, seine Haltung im Umgang mit Menschen, auch mit anderen wissenschaftlichen Positionen. Als ich vor vielen Jahren ein Studium der Soziologie und Philosophie an deutschen Universitäten begann, hoffte ich diese freie Geisteshaltung bei den Professoren seiner Generation zu finden. Sie war dort weit weniger vertreten, als ich annahm.
Was Peter Dreitzel hier aus dem universitären Muff heraushebt, mag eine alltägliche universitäre Situation illustrieren, ein Prüfungsgespräch. Wir kannten uns aus wenigen Seminaren und ich benötigte noch einen weiteren Prüfer. In der Sprechstunde war schnell ein Thema vereinbart und der Termin festgesetzt. Am Tage der Prüfung erschien ich pünktlich, doch wurde ich sogleich in Augenschein genommen von einer älteren Dame, wie sich herausstellte, hatte sie anschließend einen Prüfungstermin bei Professor Dreitzel. »Haben Sie denn auch ein Thesenpapier?« fragte sie, und nachdem ich verneinte, hörte ich sogleich ein ermahnendes: »Aber ein Thesenpapier ist doch auch eine Chance.« Chance ist ja mittlerweile ein wirklicher Universalbegriff, muss ich damals gedacht haben, von der Arbeitslosigkeit bis zur Soziologie-Prüfung: das Leben eine Chance. Doch auch der nächste Satz saß. Gesprochen von der wohlfrisierten Dame des Mittelbaus, die als Beisitzerin fungierte und mich hereinbat: »Ich bin dafür da, um aufzuschreiben, was sie zu sagen haben.« Ich war davon so belustigt, dass ich nicht erschreckt sein konnte. Doch fragte ich mich schon, was denn jetzt noch kommen würde.
Peter Dreitzel wusste die anschließende Prüfungssituation auszufüllen. Und vielleicht war er der einzige, der mir in solchen Situationen tatsächlich Fragen gestellt hat. Und ich darf gestehen, dass ich bei einer, die ich mit einem entschiedenen »Nein, das glaube ich nicht!« beantwortete, mehr darauf setzte, dass Peter Dreitzel selbst dieser Ansicht war und darum auf eine eingehende Begründung verzichtete (was zu meiner Freude und Beruhigung auch geschah). Aber es entstand in dieser halben Stunde keine Peinlichkeit, was nach meinen Erfahrungen mit Prüfungen (und deren Anzahl ist bei fortschreitender Verbetrieblichung der Hochschule bekanntlich nicht gering) die Regel ist. Zu oft beschränkt sich das Ritual auf das Reproduzieren eines meist vorher angefertigten Textes, auf vereinbarte Fragen und wohl meist auch vereinbarte Antworten. Abweichungen davon werden nicht gerne gesehen und von den Prüfern ebenso tunlichst vermieden. Ich erinnere mich noch deutlich an Gesichter, die mich schon an der Tür empfingen mit einem Ausdruck, der mitteilte: Uns ist das hier irgendwie unangenehm, wir haben weder rechte Lust noch Zeit, noch Sinn, also bringen wir es schnell hinter uns und dann Schwamm drüber.
So ergänzen sich merkwürdig geringes Engagement aller Beteiligten und aufgeblähte, Verwaltungshandeln geradezu herbeizitierende Studienordnungen zur großen Sorge um den reibungslosen Ablauf. Peter Dreitzel war da ein höchst erfreuliches Sandkorn im Getriebe der Universität. Was mir, bisher ohne allzu intime Kenntnis universitärer Gremienarbeit, unmittelbar nachvollziehbar war, war sein Ausstieg aus der universitären Politik. Und die beste Quelle für die Nachrichten aus dem Verwaltungsdschungel war stets das sich an das soziologische Forschungscolloquium anschließende gemütliche Beisammensein. Dort waren dann auch schon mal Jubelrufe zu vernehmen, wenn ein wissenschaftlicher (sic!) Mitarbeiter einen neuen Stempel erschaffen hatte, mit dem die Zuordnung der Arbeitsbereiche zu Leistungsscheinen effizienter gestaltet wurde. Für das Titelfoto möchte ich mich bei der Berliner Fotografin Anke Jacob bedanken. Es soll nicht bloß eine Reminiszenz an Griechenland sein, das Land, in das! Peter Dreitzel und seine Frau Doris nun gezogen sind; es soll als Kontrast zu aller Leidenschaft dieses Bandes auch an eine andere wichtige Eigenschaft von Peter Dreitzel erinnern: seine Muße . und was könnte das besser als dieser griechische Strandhändler, der ähnlich vor seinem Laden steht wie der Großvater von Gershom Scholem, der vor seinem gesessen haben soll und bei jedem Kunden, der den Laden betrat, gefragt hat: »Gibt es kein anderes Geschäft?«
Allen, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Ebenso der langjährigen Sekretärin Frau Bukowiecki, die bei der Organisation des Symposiums großartige Dienste geleistet hat. Und nicht zuletzt Daniel Finger, der das Transkript seines Festvortrags, der die Berliner Kneipe in durchaus ausgelassene Stimmung versetzte und der bei diesem Geburtstagsgeschenk für Peter Dreitzel auf keinen Fall fehlen durfte, bereits nach siebzehn freundlichen E-Mails und etwa ebenso vielen Anrufen doch noch, durchaus pünktlich, ablieferte.
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