Aus der Amazon.de-Redaktion
Ihr grandioser Roman
Was ich liebte hat Siri Hustvedt, die mit dem Schriftsteller Paul Auster verheiratet ist, auch in Deutschland einem breiten Publikum bekannt gemacht. Nun hat die US-amerikanische Autorin mit
Die Leiden eines Amerikaners einen beeindruckenden Familienroman geschrieben, der zugleich ein sehr persönliches Buch geworden ist. Hustvedt verarbeitet in dem Roman nicht nur ihre Trauer um den eigenen Vater, der 2003 starb, sondern benutzt auch Original-Tagebuchaufzeichnungen ihres Vaters, die sie geschickt in die Handlung einwebt.
Der Roman wird aus der Perspektive des Brooklyner Psychiaters und Psychoanalytikers Erik Davidsen erzählt, dessen Vater vor kurzem gestorben ist. Gemeinsam mit seiner Schwester Inga, einer New Yorker Schriftstellerin, kehrt er ins Elternhaus nach Minnesota zurück, um den Nachlass des Vaters zu sichten. Dabei stoßen sie auf umfangreiche Aufzeichnungen des Vaters, die tiefen Einblick in sein bewegtes Leben als Nachkomme norwegischer Einwanderer geben und eine Reihe von Geheimnissen enthüllen, die Erik und Inga verstören.
Im Laufe des Romans werden aber nicht nur die Geheimnisse des Vaters gelüftet, sondern auch viel Verdrängtes und Leid im Leben der Geschwister kommen ans Licht. Erik ist geschieden und sehr einsam. Er verliebt sich in seine Mieterin, bekommt allerdings nur zu ihrer fünfjährigen Tochter einen richtigen Draht. Inga wird von einer Journalistin verfolgt, die pikante Informationen über ihren verstorbenen Ehemann, den bekannten Schriftsteller Max Blaustein, zu haben scheint. Ihre Tochter Sonia trägt seit dem 11. September Ängste und traumatische Gefühle mit sich und ist unfähig, darüber zu sprechen. So haben alle Personen in Hustvedts Roman traumatische Verluste erlitten und versuchen, diese zu verarbeiten und eine eigene Identität zu finden. Dabei flicht Hustvedt gekonnt neueste Erkenntnisse über Trauma und Gedächtnis aus Neurobiologie, Kulturtheorie und Psychoanalyse in die Handlung mit ein.
Mit Die Leiden eines Amerikaners hat Hustvedt einen eindringlichen Roman geschrieben, eine berührende Familiengeschichte, die zugleich das Psychogramm einer traumatisierten Gesellschaft entwirft. -- Alexandra Plath
Leid und Geheimnisse durchziehen Siri Hustvedts vierten Roman. Ich-Erzähler Erik Davidsen hat seine Scheidung noch nicht überwunden, als er mit dem Tod des Vaters konfrontiert wird. Gemeinsam mit seiner Schwester Inga arbeitet sich der Psychiater durch Tagebücher und Briefe des Verstorbenen: Erik liest von seinen Großeltern, deren bäuerliche Existenz während der Weltwirtschaftskrise zusammenbricht, und er stößt auf Andeutungen und Auslassungen, die auf bisher unbekannte, dunkle Punkte in der Biografie des Vaters hinweisen. Schwester Inga muss zudem noch andere Gewissheiten hinterfragen. Während sie um ihren Mann Max trauert, erfährt sie von einer Seite im Leben ihres Mannes, die er vor ihr geheim gehalten hatte, und die den Ruf des berühmten Schriftstellers nachhaltig beschädigen könnte. Schließlich ist da noch Eriks neue Nachbarin Miranda, eine Künstlerin aus Jamaika. Erik fühlt sich zu Miranda hingezogen, und erst nach und nach versteht er, warum sie ihn auf Distanz hält und möglichst wenig von sich preisgeben will. Nach ihrem Bestseller "Was ich liebte" legt Siri Hustvedt mit "Die Leiden eines Amerikaners" erneut ein minutiöses Familienpsychogramm vor. So detailgenau und vielschichtig sie ihre Charaktere auch zeichnet, vor allem dienen sie der Schärfung des Ich-Erzählers: Erik tritt in einen Dialog mit dem verstorbenen Vater, spiegelt sich in den Erkrankungen seiner Patienten und ergründet den eigenen Schmerz über das Leid seiner Angehörigen. Hustvedt hat es nicht nötig, alle Geheimnisse zu lüften. Oft liegt bei ihr tiefere Erkenntnis im Verschweigen und in kurzen Momentaufnahmen, die sich von Spannung und der Auflösung des Romans komplett abkoppeln. Und dabei gelingt ihr im Vorbeigehen, was andere Romane so lautstark wie vergeblich für sich beanspruchen: eine nachdenkliche Gesellschaftsanalyse der Jahre nach dem 11. September. (cs)
Pressestimmen
«Siri Hustvedt spielt mit ihren Romanen längst in der ersten Liga der amerikanischen Schriftsteller.» (Süddeutsche Zeitung)
Kurzbeschreibung
„Meine Schwester Inga nannte es ‚Das Jahr der Geheimnisse’“, lautet der erste Satz dieses Romans. Und in der Tat, im Verlauf eines guten Jahres treten verschiedene Geheimnisse zutage – manche gehören Toten, andere den Lebenden. Etwa dem siebenundvierzigjährigen Erzähler Erik Davidsen, ein geschiedener Ex-Psychiater, der einsam in einem Haus in Brooklyn lebt und über Medizingeschichte schreibt. Oder seiner älteren Schwester Inga, die mit ihrer Tochter Sonya in Tribeca wohnt und von ihren Erinnerungen an 9/11 verfolgt wird. Beide laborieren noch am Tod ihres Vaters im ländlichen Minnesota, der mysteriöse Briefe von einer Frau namens Lisa bekam – Briefe, die ihn einschworen, ihr gemeinsames Geheimnis nicht preiszugeben. Aber auch Inga selbst scheint etwas zu verbergen – oder warum sonst schwiege sie sich aus über die rätselhafte Frau mit dem aus Scham und Vergnügen gemischten Ausdruck im Gesicht, die eines Tages eilends ihre Wohnung verlässt, just als Erik hereinkommt. Und dann Miranda, die Immigrantin aus Santa Lucia, die in das Gartenapartment von Eriks Haus einzieht: Warum bleibt sie so stolz und unnahbar, während ihre kleine Tochter Eggy Erik mit selbst gezeichneten Bildern und hieroglyphischen Botschaften umwirbt? Und was hat es mit den schmutzig bekritzelten Fotos von Miranda und Eggy auf sich, die Erik vor der Haustür findet und vor Scham in einer Schublade versteckt, damit die beiden sie nicht sehen? Je mehr Erik sich auf die Geheimnisse anderer einlässt, desto stärker sieht er sich mit seinen eigenen Fehlern konfrontiert, die dazu geführt haben, dass er im besten Alter am Endpunkt seines Lebens angekommen zu sein scheint. Ein Familienroman, ein Buch voller dunkler Rätsel und eine Reise in die entlegenen Regionen der Seele eines amerikanischen „Jedermann“..
Über den Autor
wurde am 19.02.1955 in Northfield, Minnesota, als älteste von vier Töchtern eines norwegisch-amerikanischen Professors für Skandinavistik und einer norwegischen Einwanderin geboren. Nach dem Besuch des St. Olaf College in Northfield, das sie 1977 mit B.A. in Geschichte abschloss, arbeitete sie zunächst als Kellnerin. 1978 ging sie zum Studium nach New York. 1979 erwarb sie an der Columbia University den M.A. in Anglistik. 1986 wurde sie mit einer Arbeit über Charles Dickens («Figures of Dust. A Reading of 'Our mutual friend'») zum PhD promoviert. Im Februar 1981 lernte sie den Schriftsteller Paul Auster kennen, den sie 1983 heiratete und mit dem sie einen Stiefsohn und eine Tochter hat. Heute arbeitet Siri Hustvedt als Schriftstellerin, Essayistin und Übersetzerin aus dem Norwegischen. Bekannt wurde sie mit den Romanen «Die unsichtbare Frau», «Die Verzauberung der Lily Dahl» und, vor allem, mit dem internationalen Bestseller «Was ich liebte».