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Der Roman wird aus der Perspektive des Brooklyner Psychiaters und Psychoanalytikers Erik Davidsen erzählt, dessen Vater vor kurzem gestorben ist. Gemeinsam mit seiner Schwester Inga, einer New Yorker Schriftstellerin, kehrt er ins Elternhaus nach Minnesota zurück, um den Nachlass des Vaters zu sichten. Dabei stoßen sie auf umfangreiche Aufzeichnungen des Vaters, die tiefen Einblick in sein bewegtes Leben als Nachkomme norwegischer Einwanderer geben und eine Reihe von Geheimnissen enthüllen, die Erik und Inga verstören.
Im Laufe des Romans werden aber nicht nur die Geheimnisse des Vaters gelüftet, sondern auch viel Verdrängtes und Leid im Leben der Geschwister kommen ans Licht. Erik ist geschieden und sehr einsam. Er verliebt sich in seine Mieterin, bekommt allerdings nur zu ihrer fünfjährigen Tochter einen richtigen Draht. Inga wird von einer Journalistin verfolgt, die pikante Informationen über ihren verstorbenen Ehemann, den bekannten Schriftsteller Max Blaustein, zu haben scheint. Ihre Tochter Sonia trägt seit dem 11. September Ängste und traumatische Gefühle mit sich und ist unfähig, darüber zu sprechen. So haben alle Personen in Hustvedts Roman traumatische Verluste erlitten und versuchen, diese zu verarbeiten und eine eigene Identität zu finden. Dabei flicht Hustvedt gekonnt neueste Erkenntnisse über Trauma und Gedächtnis aus Neurobiologie, Kulturtheorie und Psychoanalyse in die Handlung mit ein.
Mit Die Leiden eines Amerikaners hat Hustvedt einen eindringlichen Roman geschrieben, eine berührende Familiengeschichte, die zugleich das Psychogramm einer traumatisierten Gesellschaft entwirft. -- Alexandra Plath
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Ein Hering, der an die Wand genagelt wurde,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden eines Amerikaners (Gebundene Ausgabe)
Hustvedt ist fraglos eine großartige Stilistin und eine sehr kluge Frau, und dass sie eine bemerkenswerte Erzählerin ist, scheint seit ihrem Weltbestseller "Was ich liebte" festzustehen. Alleine, ihr jüngster Roman überzeugt mich nicht. Ganz im Gegenteil.Erik ist in den Vierzigern, Psychiater in New York, geschieden. Sein Vater stirbt, nach langem Leiden und turbulentem Leben, und er hinterlässt die eigene Geschichte in Form vieler Dokumente, Briefe und Tagebucheinträge. Im Nachlass befindet sich auch ein merkwürdiges Schreiben, das Erik und seine Schwester Inga, eine Künstlerin, die mit einem genialen Schriftsteller verheiratet war, der ebenfalls kürzlich verstorben ist, dazu veranlasst, in der Vergangenheit des Vaters und damit in der eigenen zu forschen. Etwa zur gleichen Zeit vermietet Erik die Einliegerwohnung seiner New Yorker Stadtvilla an Mirinda, die schöne, schwarze und alleinerziehende Mutter. Während der Psychiater fast sofort von Mirindas Tochter Eglantine, genannt "Eggy", ins Herz geschlossen wird, bleibt die Mutter auf Distanz. Dafür nähert sich ihr Ex-Freund an, Eggys Vater, ein durchgeknallter Performance-Fotokünstler. Auf eher gewaltsame Art. Die Autorin hat viele autobiographische Elemente eingearbeitet, direkt und indirekt, steht die Schwester Inga beispielsweise im Schatten des genialen Autorenehemannes, wie Siri Hustvedt lange Zeit nur wahrgenommen wurde, wenn Paul Auster mitgenannt wurde. Aber das ist kein Argument für oder gegen irgendwas, obgleich es das Buch natürlich aus Sicht jener hervorhebt, denen Authentizität viel bedeutet. Ich gehöre nicht zu diesen Leuten; Geschichten müssen gut erzählt sein, und es scheint mir weniger wichtig, was ihre Ursprünge sind. "Die Leiden eines Amerikaners" steckt so voller Schläue, Weisheit, genauer Beobachtung, Analyse, Deutung und Geschichtsverarbeitung - auch der 11. September spielt eine erhebliche Rolle -, dass man fast daran erstickt. Psychiater Erik bestätigt sämtliche Berufsklischees und kann selbst in romantischen und zärtlichen Momenten nicht aus seiner Rolle schlüpfen; eine Figur, die ganz Kopf ist, weshalb man ihr Gefühle bald nicht mehr glaubt. Die anderen Personen zitieren Kierkegaard aus dem Gedächtnis oder reden pausenlos wie ausgebildete Psychoanalytiker. Hustvedt hätte sich und den Lesern einen größeren Gefallen getan, hätte sie gleich eine Autobiographie geschrieben. Ihr überintellektualisierter Versuch, die eigene und die amerikanische Vergangenheit in Symbole, Avatare, Träume und von allen Beteiligten fabrizierte Kunstwerke zu hüllen, erschreckt in seiner Distanziertheit und Künstlichkeit. Das entstandene Sittenbild zeigt eine narzisstische New Yorker Bohème, die wie das hölzerne Personal einer Provinzbühne wirkt, das einen verkopften Zweiakter vor dem falschen Publikum aufführt, und dabei so glaubhaft und authentisch wirkt wie ein Hering, der an die Wand genagelt wurde. Eine Familiengeschichte, deren Personal an keiner Stelle Familie ist, sondern immer nur Facette der Autorin - oder Staffage. Larmoyant, manchmal fast schwülstig, zwanghaft interpretierend, schmerzhaft exhibitionistisch in seiner aufdringlichen Klugheit. Verblüffend, dass ein so vortrefflich geschriebenes Buch so schlecht sein kann. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
35 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Über die eigenen Wurzeln, die Freude an der Erkenntnis und die Lust und Last des Schreibens nach 9/11,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden eines Amerikaners (Gebundene Ausgabe)
Siri Hustvedts neuer Roman ist ein Buch der Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Sie bedient sich dabei des Mittels des klassischen Familienromans und beschreibt dabei über die Geschichte der dokumentierten Familie hinaus die dunklen Regionen in der Seele eines amerikanischen Jedermann.Sie hat das Buch ihrer Tochter Sophie Hustvedt Auster gewidmet und verdankt wesentliche Teile davon ihrem Vater Lloyd Hustvedt, der am 2. Februar 2003 starb. "Gegen Ende seines Lebens fragte ich ihn, ob ich Teile seiner Erinnerungen, die der für Freunde und Angehörige aufgeschrieben hatte, in diesem Roman verwenden dürfte, den ich gerade zu schreiben begann." Der Vater stimmt zu und so kann Siri Hustvedt ihm nicht nur ein literarisches Denkmal setzen, sondern seine Notizen mit kleinen redaktionellen Änderungen als die von Lars Davidsen, dem Vater des den Roman in der Ich-Form erzählenden Psychoanalytikers Erik Davidsen benutzen. Auch andere reale Begebenheiten hat sie in diesem Roman nach eigenen Angaben frei mit erfundenen vermischt. Herausgekommen ist ein lesenswerter Roman, der viel erzählt von dem "Leiden eines Amerikaners". Erik Davidsen hat ( wie die Autorin) norwegische Vorfahren, die als einfache Arbeiter ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gekommen waren. Er ist Psychiater, wohnt ( wie die Autorin) in Brooklyn und ist seit Jahren geschieden, Erik macht seine Arbeit gerne, aber er fühlt sich einsam. Seine Schwester Inga, mit der ihn eine innige Beziehung verbindet, war mit dem berühmten Schriftsteller Max Blaustein verheiratet und sieht sich in dem Buch bösartigen Versuchen von Journalisten ausgesetzt, die das Ansehen Blausteins in den Schmutz ziehen wollen, ähnlich wie in Philip Roths neuem Roman "Exit Ghost", an den ich nicht nur wegen des New Yorker Schauplatzes mehr als einmal bei der Lektüre denken musste. Inga liest und schreibt selbst viel und erzählt ihrem Bruder begeistert von ihrer Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Gedanken und Gefühlen bei berühmten Philosophen: "Ich brenne vor Arbeitseifer, Erik. Ich brenne, und da ist noch viel, viel mehr. Es geht mir alles sehr nahe, als beträfen diese Geschichten von einem Durchbruch (sc. bei verschiedenen Philosophen, die sie studiert hat) auch mich. Was reale Bedeutung hat und wahre Erkenntnis schafft, ist selten trocken. Es ist fast immer von Emotionen begleitet. Schopenhauer war natürlich ein kalter Fisch, aber den lasse ich weg. Und es betrifft nicht nur die Philosophie. Denk an Wissenschaftler wie Einstein. Denk an Künstler wie Max. Er war so glücklich, wenn er seine Gestalten und deren Geschichten fand. Er lebte seine Figuren. Er liebte sie und dabei waren sie nur Phantasiegebilde. Wir alle lieben unsere Phantasiegebilde." Trotz aller Kontakte ist Erik einsam. Bis eine Frau aus Jamaika in seine Erdgeschosswohnung zieht, die er ihr vermietet hat. Miranda und ihre Tochter Eglantine, genannt Eggy, üben auf den Psychiater eine enorme Anziehungskraft aus, der er sich nicht entziehen kann. Doch sie bleibt stolz und unnahbar, während Eggy immer wieder den Kontakt zu ihm sucht. Miranda umgibt ein Geheimnis, erst recht, als Erik schmutzig bekritzelte Fotos von Miranda und dem Kind vor seiner Haustür findet. Und was ist mit der Frau, die Eriks Schwester Inga quasi verfolgt ? Was ist mit Sonja, der Tochter Ingas, die am 11. September 2001 Zeugin war, wie die Menschen aus den brennenden Türmen in den Tod sprangen und darüber nicht sprechen kann ? Erik lässt bei allem nicht locker und er entdeckt, dass er sich selber um so mehr auf eine gute, lebendige Spur kommt, je mehr er sich auf diese Geheimnisse einlässt. Siri Hustvedt hat einen wunderschönen Roman geschrieben, gespickt mit lehrreichen und interessanten Informationen aus dem Bereich der Psychoanalyse und Psychiatrie, im dem sie mittlerweile auch arbeitet, wie sie uns am Ende des Buches verrät. Es ist aber auch ein Buch über das Schreiben und die Freude und die Last daran. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
41 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Behutsam und magisch!,
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden eines Amerikaners (Gebundene Ausgabe)
Das neue Buch der amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt ist nicht ganz leicht zu lesen. Man braucht schon einen freien Kopf und vor allem etwas Zeit, da die vielen gesponnenen Gedanken manchmal nur so sacht angerissen werden, dass sie sich schnell verflüchtigen können, wenn man nicht konzentriert bei der Sache ist.Gleichzeitig ist "Die Leiden eines Amerikaners" aber auch ein ganz wundervolles Buch, dass den Leser mit sehr tiefgründigen, manchmal verstörenden und immer anrührenden Gedankenbildern sättigt. Und es ist eine Seelenreise, die den Leser dem Protagonisten sehr nahe bringen. Fortwährend sah ich bei der Lektüre die Bilder der Autorin vor mir: Eine wahre Schönheit, langjährige Ehefrau des Schriftstellers Paul Auster, die Zerbrechlichkeit und Stärke zugleich ausstrahlt. Vielleicht erschien mir das Buch auch darum so authentisch, weil ich bei Erik Davidson, dem Ich-Erzähler dieses Buches genau den gleichen Eindruck hatte. Siri Hustvedts Familienroman beginnt an einem sehr kalten Januartag: Erik und seine Schwester sind gemeinsam ins Elternhaus zurück gekehrt, um die Habseligkeiten ihres verstorbenen Vaters zu sichten. Dabei stoßen sie auf Aufzeichnungen, die der Vater über viele Jahre machte und die eine Reihe von Geheimnissen enthüllen, die die erwachsenen Kinder verstören. Viel ist von der Familie auch nicht mehr übrig: Erik ist geschieden, arbeitet als Psychiater und ist sehr einsam. Seine Schwester Inga und ihre Tochter Sonia wirken nach dem Tod des Mannes und Vaters ebenfalls verloren und sie alle sind von einer Stimmung umgeben, die zugleich Aufbruch aber auch Angst bedeutet. Erik verliebt sich in seine Mieterin, bekommt allerdings nur zu ihrer fünfjährigen Tochter einen richtigen Draht. Inga wiederum wird mit sehr unangenehmen Enthüllungen über ihre schwierige Ehe mit einem gefeierten Autor konfrontiert. Und Sonia, ihre Tochter, wird erwachsen und ist zugleich von den Ereignissen des 11. September 2001 traumatisiert. "Die Leiden eines Amerikaners" ist auch eine Reise in die blinden Flecken der Seele. Ein Buch, das einerseits sehr intime Einblicke eröffnet, andererseits dabei im Ungefähren bleibt. So wird das Buch niemals aufdringlich. Ein wirklich magisches Buch, leise und behutsam erzählte Literatur! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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