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Das Leiden anderer betrachten [Gebundene Ausgabe]

Susan Sontag , Reinhard Kaiser
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

4. August 2003
Fünfundzwanzig Jahre nach ihrem Epoche machenden Essay "Über Fotografie" beschäftigt sich Susan Sontag mit dem Thema Kriegsfotografie: Sie rekapituliert die historische Entwicklung, nennt die Vorläufer der Dokumentaristen des Krieges und revidiert ihre einstige Ansicht, dass der Mensch durch solche Bilder abstumpfe. Im Gegenteil: "Das Bild sagt: setz dem ein Ende, interveniere, handle. Und dies ist die entscheidende, die korrekte Reaktion."

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Das Leiden anderer betrachten + Über Fotografie: Essays
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 4 (4. August 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446203966
  • ISBN-13: 978-3446203969
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,2 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 62.327 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jedem Mediennutzer stellt sich immer wieder die Frage: Wie soll man umgehen mit den tagtäglichen Leidensbildern aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt? Was kann man tun außer umschalten, wegschauen weiterblättern, verdrängen? Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag beschäftigt sich in ihrem neuesten Essay Das Leiden anderer betrachten mit dieser Problematik und liefert darüber hinaus eine erhellende Analyse der Kriegsfotografie und ihrer Geschichte.

Geißelte die Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in ihrem berühmten früheren Essay Über Fotografie das Fotografieren noch als "chronisch voyeuristische Beziehung zur Welt", so unterzieht sie diesmal ihre eigenen Gedanken von damals einer kritischen Überprüfung. Inzwischen glaubt sie nicht mehr an die Abstumpfungsthese, plädiert nicht mehr für eine Beschränkung der Bilderflut. Einfache Antworten auf die schwierige Frage des Umgangs mit den Bildern aber sind nicht zu haben, die Komplexität der Medien und ihrer Nutzung hat ohnehin noch zugenommen. Kriegsreporter fahren heutzutage -- "embedded" -- mit auf Panzern an vorderster Front und verzichten dafür auf ihre journalistische Unabhängigkeit. Filmberichte, wie etwa über die Befreiung einer amerikanischen Soldatin im Irak, werden wie Actionfilme inszeniert und sind frei erfunden.

Mit Bedacht verzichtet Sontags ebenso kluger wie emphatischer Essay -- abgesehen von der Zeichnung Goyas aus dessen berühmten Zyklus "Die Schrecken des Krieges" auf dem Schutzumschlag -- völlig auf Bilder, vertraut ganz auf den Text. Ist doch eine der Kernaussagen: "Bilder können nur die Hölle zeigen, nicht den Weg hinaus." Um das Leiden der andern zu verstehen -- die Gründe dafür, die Lügen der Verantwortlichen, die Vernetzung mit der eigenen privilegierten Situation --, brauche es Text. Aber trotz aller Manipulier- und Instrumentalisierbarkeit von Bildern gelte es weiterhin, sich ihnen auszusetzen und die Bilder vom Leiden anderer als ständiges Memento zu begreifen: "Menschen sind imstande, dies hier anderen anzutun -- vielleicht sogar freiwillig, begeistert, selbstgerecht. Vergesst das nicht." --Christian Stahl

Pressestimmen

" (Sontag) hat ein untrügliches Gespür für das gerade aktuelleste Thema und kann den Vorwurf, eine Modeschriftstellerin zu sein, dennoch von sich weisen, denn sie sucht die Tagesbezogenheit nur, um die falsche Aufgeregtheit, mit der sich die Öffentlichkeit erregen lässt, wieder durch Einsicht zu bannen."
Hannelore Schlaffer, Stuttgarter Zeitung, 22.08.03

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Kundenrezensionen

3.6 von 5 Sternen
3.6 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Besseres erwartet 23. Juni 2007
Von Dation
Format:Gebundene Ausgabe
Da ich nicht die anderen Rezensionen bezüglich Inhalt wiederholen möchte, erwähne ich hier nur die Punkte, die meines Erachtens nach einen Sternabzug verdienen.

Obwohl dieses Buch ziemlich dünn ausgefallen ist, enthält es nicht die Informationsdichte, die man sich erwünscht. Gefüllt mit Platitüden, die einer Person wie Susan Sontag nicht ähnlich sehen, gleicht es eher einer mittelmäßigen Seminararbeit.

Anfangs erwähnt Sontag Virginia Woolf und versucht den Blick des Lesers auf die feministische Seite zu lenken, leider greift sie diesen Punkt fast im gesamten Buch nicht mehr auf und läßt diesen unkommentiert in der Luft schweben. Es folgen unzählige Aufzählungen von bekannten Kriegsjournalisten dazwischen gespickt mit Mutmaßungen, warum wir entweder "sensationsgeil" oder "abgestumpft" sind (man erfährt nur Argumentationspunkte, die man selbst schon hunderte Male gedacht hat, wenn man sich die Nachrichten ansieht).

Sontags kurzer Ausflug zur Kunst Goyas ist schnell abgehandelt mit Bemerkungen, die man in jedem Kunstlexikon findet.

"Das Leiden anderer betrachten" entbehrt fast jeglicher philosophischer und psychologischer Überlegungen jenseits von dem, was das "Waschweib" schon immer wusste.

Dieses Buch bekommt dennoch 3 Sterne aufgrund der guten Zusammenfassung der Geschichte des Kriegsjournalismus, des angenehmen Schreibstils und der Tatsache, dass es sich bei dem Autor noch immer um Susan Sontag handelt, deren vorangegangenen Bücher ein höheres Niveau besitzen, so dass es mir schwer fällt, eine Autorin wie sie stärker zu kritisieren.
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leiden anderer betrachten. 16. Oktober 2003
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Susan Sontag befasst sich in ihrem Essay " Das Leiden anderer betrachten " eingehend mit der Kriegsfotografie, den Bildern der Gräueltaten, die überall auf dieser Welt jährlich begangen werden und fragt nach der Resonanz beim Betrachter dieser Bilder. Sie resümiert, dass die Bilderflut keinesfalls abstumpfe - wie sie noch vor fünfundzwanzig Jahren in ihrem Essay " Über Fotografie" annahm, sondern vielmehr aufrüttele und den Einzelnen zum Handeln auffordere, dem furchtbaren Tun ein Ende zu setzen. Weil dies den amerikanischen Behörden nicht unbekannt ist, zeigte man, so Sontag, im Golfkrieg 1991 nur " Bilder aus dem Technokrieg " : den " Himmel über den Sterbenden, erfüllt von den Leuchtspuren der Raketen und Granaten."
Susan Sontags vorgelegter Essay enthält einen historisch sehr interessanten Abriss zum Thema Kriegsfotografie. Sie befasst sich mit deren Vorläufern, wie etwa Goyas Radierungen " Los Deastres de la Guerra " , wo die Darstellung von Grausamkeiten " als Attacke auf die Sensibilität des Betrachters " vorgetragen werden. Sie schreibt über Robert Capa und andere große Fotografen, die in der Vergangenheit das Gräuel ablichteten und vergisst auch nicht Virginia Woolf anzuführen, die sich 1938 in ihrem Essay " Drei Guineen " Gedanken über die Wurzeln des Krieges gemacht hat.
Kriegsfotografie war und ist, laut Susan Sontag stets Berichterstattung und seit den Bildern von Vietnam haben sie immer anklagenden Charakter. Sie fordern auf der Inhumaninität ein Ende zu setzen!
Ein erhellender Text, in einer Zeit, in welcher der Stellenwert des Bildes - nicht zuletzt durch die Dauerpräsenz der Medien - dem des gesprochenen oder geschriebenen Wortes bei weitem überlegen ist, wenn es darum geht, die Massen zu erreichen, sei es um zu manipulieren oder aufzurütteln.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eher an der Oberfläche bleibend 2. Januar 2011
Format:Taschenbuch
Leider muss ich mich einem der Vorrezensenten anschließen, ohne direkt seine Kritikpunkte ausgiebig wiederholen zu wollen.
Das Essay stellt eher lose und vage Vermutungen zum Thema Medien- insbesondere Fotonutzung und -wirkung in besonderem Bezug zu Krieg, Gewalt und menschlichem Leid auf. Viele Themen oder Ausgangspunkte werden angesprochen, kaum eine Ausführung oder Argumentation gelingt wirklich zufrieden stellend. Außer einigen eher nüchternen Gedankengängen und interessanten Anekdötchen bleibt der Text mittelmäßig und fördert eher wenig neue Einsichten zu Tage. Unverständlich ist dies schon allein deshalb, weil zur Zeit der Verfassung des Textes durchaus elaborierte Medientheorien bekannt waren, auf die sich aber nur punktuell bezogen wird. Wichtige Einsichten anderer Ansätze hätten diskutiert werden können, aber stattdessen verbleibt alles im eigenen Horizont. Letztlich überwiegt eine schlechte Verallgemeinerbarkeit und der Essay stuiert sich als subjektives Statement.

Aufwertung erfährt das Essay durch seine uneingeschränkte Lesbarkeit und den Verzicht auf pessimistisch-alarmistische Aussagen. Keine Fachtermini drosseln die Verständlichkeit und Susan Sontags Fazit erscheint hinnehmbar.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schmales Werk mit viel Tiefe 15. März 2006
Von FarK
Format:Gebundene Ausgabe
Susan Sontags neues essayistisches Werk mit dem Titel "Das Leiden anderer betrachten" hat Kriegsfotografie/-bilder zum Thema und die Motive der Betrachtenden derselbigen. Seit jeher gibt es Kriege und Bilder, später Fotos, als Zeugnisse dessen und somit auch Betrachter dieser Bilder und Fotos. Diese sind aber nicht nur als Zeugnisse ihrer Zeit zu sehen, sondern in manchen Fällen auch als Kunstwerke. Manche der Fotografen, so Sontag, inszenierten sogar Szenen um äußerst gelungene Fotos schiessen zu können.
Ein anderer Aspekt, den Sontag in ihrem Essay erwähnt ist der, dass mit der Zunahme der Informationsflut, welche mit der Bilderflut einhergeht, zu der weit angenommenenen richtigen Vermutung geführt hat, dass die Menschen unempfindlicher gegenüber solchen Gräuelbildern werden. Selbst Taten, die in unmittelbarer Nähe stattfinden, führen zu keiner Reaktion, zu keinem Aufwachen. Erst wenn das Leiden bei einem selbst ankommt, ist man dazu in der Lage zu empfinden. In dieser Situation erst, wird man sich auch des Leidens anderer bewusst und versucht im bestmöglichen Falle ein Verändern für alle herbeizuführen.
Sontags Werk ist ein schmales Buch mit viel Tiefe, das - wie ein gutes Essay sein sollte - zum Nachdenken, zum Bilden einer eigenen Meinung anregt und dem Leser keine aufzwingt. Daher ist dieses Buch auf jeden Fall lesenswert.
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