Das etwa zeitgleich zu "Moderne Mythen" geschriebene Buch von Rüdiger Dahlke will uns einen Raum dafür eröffnen, daß die Wege zur letztendlich unvermeidlichen Erleuchtung nicht allein von Schweiß, Dornen und Entbehrungen begleitet sein müssen, sondern daß es durchaus auch leichte und beschwingte Wege zur Einheit des Bewußtsein geben kann und gibt.
Dahlke, den praxisnähe und Offenheit gleichermaßen auszeichnen, bringt uns im ersten Teil des Buches seine "Gedanken über die Leichtigkeit" näher, die er weitgehend identisch mit dem "flow"-Zustand sieht, der sich in einer gesunde Mitte zwischen Unter- und Überforderung befindet. Dabei macht Dahlke sehr deutlich, daß man-che flow-Zustände oder Gipfelerlebnisse durchaus als Geschenke daherkommen können, wenn man den teilwei-se verbissenen Anspruch los- und die Dinge einfach mal geschehen läßt. Wer absichtlslos handelt wird gewis-sermaßen zum Zeugen des eigenen Lebens und des Seins an sich und erhöht die Wahrscheinlichkeit ein Ein-heitserlebnis geschenkt zu bekommen deutlich.
Wie das denn so einfach gehen soll, davon handelt der zweite Teil des Buches, indem Dahlke verschiedene We-ge zur konkreten Begegnung mit der Leichtigkeit vorstellt (und von einigen kann ich versichern, daß sie tatsäch-lich funktionieren).
Persönlich habe ich keinen Zweifel, daß es Einheitserlebnisse gibt und daß sie auf den angegebenen Wegen zu erreichen sind, zwei Anmerkungen möchte ich jedoch machen, die vielleicht eine weitere Diskussion ermögli-chen. Erstens steht heute außer Zweifel, daß es verschiedene Grade der Entwicklung gibt, wie sie uns die philo-sophie perennis (und die moderene Entwicklungspsychologie) in der "Großen Kette des Seins" nahegebracht hat; Körper, Emotionen, Gedanken, Seele, spiritueller GEIST. In jedem dieser Bereiche gibt es Einheitserfahrungen und so müssen Zen, Sex, verbundener Atem und Sport nicht zwingend zu denselben flow-Erfahrungen oder Gipfelerlebnissen führen. Ebenso werden die Gipfleerlebnisse wohl stets durch die eigene Brille interpretiert und was den einen zu mehr Toleranz anspornt, sieht ein anderer als Bestätigung der eigenen Großartigkeit.
Damit aber Stufen der Entwicklung beschritten werden, müssen sich, zweitens, gelegentliche Gipfelerlerfahrun-gen allmählich zu ausgedehnteren, sogenannten Plateauerfahren kondensieren und in einem letzten Schritt zum manifesten Charakterzug werden. Ich fürchte, daß dies dann doch wieder intesiveres Bemühen erfordert (das den Spaß an der Sache aber keinesfalls ausschließt), lasse mich aber gerne auch vom Gegenteil überzeugen.
Doch all das mindert in keiner Weise den Wert des Buches (und ich empfehle die dazu erschienen geführten Meditationen von Rüdiger Dahlke ausdrücklich mit), denn jede Gipfelerfahrung ist ein Durchbruch und gibt und Kraft und Motivation den Weg bewußt und vielleicht ein wenig beschwingter weiterzugehen.
Es ist zig mal besser irgendeine Gipfelerfahrung zu machen (gleich auf welcher Ebene) als keine und ich kann jedem nur Wünschen, daß er oder sie dies gelassen in Angriff nimmt und Rüdiger Dahlkes Wegweiser kann dabei sicher eine große Hilfe darstellen.
Überaus sympathisch ist mir der Autor und sein Buch noch aus einem anderen Grund. Er zeigt uns unverkrampft auf wie wir die in unserer Zeit offenbar fällige Synthese verschiedener Bereiche (wie etwa Technik und Spiri-tualität) praktisch leben können. Der Grat zwischen Synthese und Undifferenziertheit ist zwar ein schmaler, doch Dahlke hat sich, so meine ich, seine Kritikfähigkeit bewahrt und weiß durchaus Gutes und Schlechtes zu trennen.
Wenn notwendige Kritik und eine integrale Gesamtschau sich die Hand reichen, dann ist die Frage ob wir denn noch zu retten sind mit ja zu beantworten. Unsere Zeit könnte es gut gebrauchen, eine visionäre Gesamtschau einerseits und deren konkrete Umsetzung andererseits.
Dann können wir die Unterschiede bestehen lassen und das Gemeinsame feiern und aus dem dumpfen Gleich-schritt wird ein beschwingter Tanz um die Mitte der dann irgendwann -einfach so und so einfach- zur "Leichtig-keitkeit des Schwebens" wird.