Antoine ist ein Feierabendboxer. Hier, beim Training und im Ring, kann er noch ganz bei sich sein. Hier findet er in seinem "Chef" genannten Trainer seine einzige Bezugsperson, auf die er sich noch blind verlassen kann. Sein Leben außerhalb des Boxbereiches aber ist geprägt von Verlusten und von seiner Unfähigkeit zur Trauerarbeit. Noch immer kann er den Abschied von seiner Kindheit und Jugend, die er mit seinen Eltern, seinem älteren Bruder und seiner inzestuös geliebten Schwester in der Ardèche verlebte, nicht vollziehen.
Antoine lebt nun in Paris. Seine Eltern sind gestorben. Sein Bruder ist ihm fremd geworden, seine Schwester hat sich von ihm gelöst und heiratet einen netten Burschen. Nachdem seine Beziehung zu Su trotz ihrer Schwangerschaft am Widerstand der Eltern scheitert, schmeißt er, das Messer in der Hand, seinen Job als Totengräber hin. Als er merkt, daß auch die Sauferei nichts ändert, rafft er sich zu einem Rettungsversuch auf, indem er seinem Trainer ans Meer hinterherzieht...
Die schmale Erzählung von nicht einmal 160 Seiten (warum sie "Roman" genannt werden muß, weiß ich nicht) hat mich v.a. durch die Lakonie der Sprache beeindruckt. Olivier Adam gelingt es, mit wenigen kargen Worten eine atmosphärische Dichte herzuzaubern, die den Leser tief in das Geschehen hineinzieht.
Dieses Werk ist ein Kleinod.