Für U. Quast besteht Lernen in der Ausbildung oder Korrektur von individuellem Gedächtnisbesitz. Mit diesem Bekenntnis macht die Autorin deutlich, dass für sie Lernprozesse immer eng mit Gedächtnisprozessen verbunden sind. Während der Begriff des Lernens die Aneignung von Wissen umfasst, beinhaltet das Gedächtnis die Speicherung und den Abruf von Informationen. Ohne die Funktion des menschlichen Gedächtnisses wird für den Menschen Lernen gegenstandslos. „Und noch grundlegender sind unsere Fähigkeiten zu lernen und zu erinnern.“ Lebenswert wird menschliches Leben dadurch, dass der Mensch das Vermögen besitzt, zu lernen und Erfahrungen zu speichern sowie ggfls. wieder aufzurufen. Auf diese Weise verleiht diese Fähigkeit dem Menschen seine Individualität und einzigartige Biographie. Ich erfuhr die Bedeutung von Lernen und Musik über meine Bekanntschaft mit der Suggestopädie. Unterrichtsversuche mit suggestopädischen Elementen führten mich direkt in die Bedeutung der Verbindung von Lernen und Musik hören. Zugleich lernte ich gezielt, Einblick zu nehmen in die Rolle und in die Verwendung von Musik in Lernprozessen. In der Fortsetzung dieser meiner Kenntniskette erfahre ich über U. Quast, dass Erkenntnisse der Lernbiologie und Lernpsychologie eindeutig Musikbegleitung für Lernen als außerordentliches Potenzial herausstellen und sich Musik zum Optimieren von Lehren und Lernen bestens eignet. U. Quast plädiert dafür, Musik in alle Bildungsangebote zu integrieren, um Lehr- bzw. Lernprozesse effektiver bzw. anregender zu gestalten. Zahlreiche Beispiele liefert sie dafür, wie Musik den Unterricht und das individuelle Lernen aktiv unterstützt. Diese beziehen sich auf die verschiedenen Wirkungsbereiche von Musik, wie Entspannung und Aktivierung, Wahrnehmungstraining, Training der Motorik, Förderung von Gedächtnisprozessen, Förderung des Vorstellungsvermögens und Kreativität sowie der Verbesserung von Konzentrationsleistungen. Ich bin verstärkt überzeugt, dass professionell gehandhabte Musikauswahl und Musikeinspielen das Potenzial von Lernenden entfalten hilft. Allerdings: Es macht wenig Sinn, irgendein Musikgeräusch in Lernprozesse einzubringen und Musik „abdudeln“ zu lassen. Schüler müssen nicht noch zusätzlich frustriert werden. Aus Musikberieselung ist eine Lernentwicklungsstrategie abzuleiten. Die Wege dazu zeigt die Autorin auf. Praxisnah, verständlich und konkret umsetzbar. In klaren Lernprozess-Schritten!
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Über das Lernen und das Gedächtnis zu den Begriffen „Lernen“ und „Gedächtnis“
- Was geschieht hirnbiologisch beim Lernen?
- Ganzheitliches Lernen aus lernpsychologischer Sicht
- Was ist Musik?
- Hirnaktivitäten bei der Musikverarbeitung
- Über das Potenzial von Musik in Lernprozessen
- Musik und ganzheitliches Lernen
- Zur differenzierten Wirkungsweise von Musik und deren Bedeutung für das Lernen
- Pädagogische Konzeptionen
- Anwendungsbeispiele
Musikrezeption
Musik zur Veränderung der psycho-physischen Befindlichkeit
Musik als unterstützendes Element beim Stoff-Erwerb und
in Aktivierungs- und Anwendungsübungen
Für die erew BIBLIO-KOM Dr. Karl-J. Kluge