Dies ist kein Roman der großen Gefühle und Erlebnisse. Der Leser hat keine großartige Handlung, bei der er mitfiebern kann. Vielmehr vermittelt die Lektüre dieses Buches einen wahrscheinlich sachkundigen Einblick in die Gefühlswelt von mehreren Frauen so zwischen Mitte Dreißig und Ende Vierzig. Alle Frauen sind überdurchschnittlich gebildet und müssen sich über finanzielle Aspekte keine Gedanken machen. Entsprechend ist viel Raum für Gedanken hinsichtlich Partner, mit denen alle weniger große Probleme haben, sofern überhaupt Partner vorhanden sind. Die Autorin dieses sprachlich gut geschriebene Buches weiß offensichtlich wovon sie schreibt. Einer Spiegel-Redakteurin traue ich dies auch durchaus zu. Die vielen kleinen Details lassen zumindest Entsprechendes vermuten. Diese vielen Details insbesondere in der Kommunikation zwischen der Hauptperson und Ihren Freundinnen sind aber auch Grund für viele Längen in der Handlung. Zielgruppe ist entsprechend nicht eine an dramatischen Szenen interessierte Leserschaft sondern Menschen, die sich mehr für das Seelenleben dieser Personen begeistern können. Das Buch ist nicht leicht zu lesen, das was die Autorin mitzuteilen hat, ergibt sich nicht selten erst beim zweiten oder dritten Wiederholen. Da Sie meiner Ansicht nach mit der Sprache umgehen kann (s.o.), unterstelle ich Absicht. Sie will also nicht, das man dieses Buch leicht und flockig herunter liest. Konsum ist nicht gefragt, sondern Aufmerksamkeit und Reflektion. Die Autorin kritisiert nicht, sie schildert Sachverhalte. Eine mögliche Kritik ergibt sich aus der Reflektion des Lesers. Das ist für mich die Stärke dieses Buches. Eine verdeckte Meinungsmache, wie dies gerne mal bei Spiegel-Autoren beobachtet werden kann, habe ich hier nicht festgestellt. Zu der letztendlich doch recht hohen Wertung von vier Sternen bin ich erst nach Beendigung der Lektüre gekommen beim Nachdenken über dieses Buch. Wer weiß, vielleicht wird es ja auch noch mehr...