Die Texte sind weniger brutal, es gibt keine heftigen Gitarren-Riffs und allgemein sind die Lieder eher langsam, was sehr gut zum melancholischen Geigenspiel passt. Allerdings sind auch Kracher wie "Feindbild Mensch", "Das Tor (Sado Mix)" oder "Die Seele der Totgeburt" auf der CD vorhanden, was "Leichenlager" das typische Eisregen-Feeling verpasst. Der Rest des Albums ist sehr anders gestaltet als die restlichen Eisregen-CDs und klingt weniger elektronisch (von den Gitarren abgesehen). Insgesamt ein sehr sehr gelungenes Album, wenn nicht sogar das beste.
1. Des Heilands Haut: 10/10 - Toller Gitarrensound und super Intro.
2. Leichenlager: 10/10 - unglaublich gutes, abwechslungsreiches, 8 Minuten langes Lied, das textlich sogar fast so gut wie "Krebskolonie" ist, aber lange nicht so mitreißend. In Maßen zu genießen: Das Lied verbreitet aufgrund des tragischen Melodiecharakters eine fast schon unangenehme Stimmung.
3. Feindbild Mensch: 8/10 - Ein text, der typisch für Eisregen ist, aber musikalisch nichts außergewöhnliches.
4. Und sie blutete nur einen Sommer lang: 8/10 - ein sehr ruhiges Lied. Hätte auch gut auf den Nachfolger Farbenfinsternis gepasst.
5. Das Tor (Sado Mix): 10/10 - Instrumental wie textlich einer der Höhepunkte dieses Albums. Besonders die Gitarren-Akkorde sind hier sehr schön gespielt und arbeiten perfekt mit dem Gesang Roths zusammen.
6. Salz der Erde: 9/10 - Gutes Lied mit merkwürdigem Instrumentalpart in der Mitte.
7. Die Seele der Totgeburt: 9,5/10 - Der Text regt zum Nachdenken an: Ein Kind, das kurz vor dem Zeitpunkt der Geburt steht, bekommt Angst vor dem Leben außerhalb des Mutterleibes und will nicht nach draußen, dorthin, wo Gleichgültigkeit herrscht und wo der Mensch sich selbst zerstört. Das Kind beschließt, zu sterben und wird so tot zur Welt gebracht.
8. Nur dein Fleisch: 10/10 - Das Lied weißt Ähnlichkeiten zu dem Titel "Wundwasser" auf: Der Protagonist liebt den Körper einer weiblichen Person, doch er tötet sie und wird deswegen gejagt und gestraft, da man keinen Grund für seine Wahnsinnstat sieht. Neben einem schönen Geigenspiel enthält das Lied auch noch ein tolles Gitarrensolo.
9. Bei den Gräbern: 10/10 - Schon das Intro passt wunderbar zum Titel. Das Lied besitzt einen (wie gewohnt) sehr morbiden Text, der von einem nekrophilen Leichenwäscher handelt, der sich zum Mörder entwickelt, da er Nachschub an Leichen benötigt. Nachts schläft er bei den Gräbern und hört dort die Stimmen seiner Opfer, die ihn verfluchen. Dort wartet er dann auch auf seinen eigenen Tod, der aber noch in weiter Ferne liegt.
10. Schwarze Rose: 10/10 - Ein sehr trauriges Lied, das durchweg überzeugt. Einer der besten Eisregen-Songs überhaupt.
11. Zeit zu spielen: 7,5/10 Das Lied hat außer einem sehr brutalen Text wenig zu bieten.
Fazit: (Fast) perfektes Album, das nicht nur durch die sehr guten Lieder, sondern auch durch die Booklet-Gestaltung überzeugt. "Leichenlager" ist aber nichts für Neueinsteiger, da sollte doch eher "Wundwasser" oder "Blutbahnen" herhalten.
Eine ganz klare Kaufempfehlung; auch wenn (oder gerade weil) das Album sehr Eisregen-untypisch ist, muss es jeder Eisregen-Fan haben.