Tja das wird sicherlich mein erster und letzter Ausflug in die Welt Lena Gambles bleiben.
Die toughe Polizistin mit etlichem Gepäck, in Form einer unbewältigten Vergangenheit, löst in bester Einzelkämpfermanier souverän einen grausam-bestialischen Mord. Dass ihr dabei ihre Vorgesetzten einen Stein nach dem anderen in den Weg legen & sie persönlich permanent angreifen und niedermachen, erträgt sie stoisch und gelassen.
Soweit so gut: der Fall besticht vor allem durch eines: "unaussprechliche Grausamkeiten".
Was hingegen FEHLT ist NIVEAU und glaubwürdige, mit einer gewissen Tiefe, gezeichnete Charaktere. Immer nur auf Brutalität und auf die dadurch hervorgerufene Schockwirkung beim Leser abzuzielen, ist auf Dauer ZU FLACH. Grausamkeiten als vorherrschende Thematik- wo bleibt da bitte intellektuell-intelligente Raffinesse??
So liest sich Buch wie ein Drehbuch zu einem B-Krimi, die man aus dem TV kennt. Irgendwann dachte ich: das gibts doch nicht?!!-aber bei einem Blick nach vorne wurde mir klar, warum ich beim Lesen laufend zu Bilder -dieses bis in kleinste Details akribisch beschrieben Thrillers- vor mir hatte: der Autor ist sowohl Drehbuchautor, als auch Regisseur. Bei dem Beruf hätte er besser mal bleiben sollen. Die Sprache ist so sehr einfach und bildhaft gehalten, vieles wird immer wieder aufgegriffen- das nervt!
Auch das Lektorat hat schlampig gearbeitet. Zahlreiche Fehler machten die Lektüre anstrengend!
Einige Beispiele dafür:
-aus dem Gerichtsmediziner wird mal Medina als auch Madina,
- der Plural wird gerne mal unterschlagen: statt die Andolinis "die Andolini" oder auch "(...) hatte er ihre Name nicht verstanden." (382)
-falsche Deklinationen: "Sie hat auf das Original bestanden."(271)
-ganz zu schweigen von logischen Fehlern: "Endlich hatte Lena ihre Stimme wiedergefunden und sie klang so ruhig wie ein Wind der aus Westen weht."(253) ABSOLUTER BLÖDSINN oder:
"(...) und war erst aufgewacht, als er das Spielzeug am Grunde der Schachtel geöffnet hatte."(224) Wie funktioniert das bitte? Da war er doch dann schon wach ...
Zudem sprachlich tiefe Griffe in die Plattitüdenkiste:
"(...) denn die Erkenntnis erfüllte sie mit unvorstellbarem Grauen."(353) oder
"All das wies auf einen Grad von Gefühllosigkeit und Grausamkeit hin, der nicht von dieser Welt zu sein schien, sondern
offenbar aus dem Reich der Dunkelheit entstammte."(53)
Außerdem: wie bereits erwähnt flache Charaktere! Sehr schablonenhaft und typisch US-amerikanisch betreibt der Autor S/W Malerei: Gute sind durchwegs gut und aufrecht, Böse sind generell verkommen. Da wird jedes Klischee aufgegriffen & bedient. Und LA, die Stadt der Engel bietet so einiges an Verkommenheit.
Desweiteren ist Spannung nur mäßig vorhanden. Sehr schnell ist klar, wer der Mörder ist, auch wenn hinsichtlich der Motive die ein oder andere überraschende Wendung erfolgt- aber das reißt es auch nicht mehr heraus.
FAZIT:
Ein sehr mittelmäßiger Thriller, der an ein Drehbuch erinnert und zahlreiche Fehler sprachlicher Art aufweist. Platt und plakativ bedient er Klischees und lebt von der unaussprechlichen Brutalität" der verübten Morde. Ich bin keineswegs zartbesaitet, aber ich erwarte von einem gelungenen Thriller wesentlich mehr im Hinblick auf Spannungsaufbau & Sprache. Ein Thriller muss fesseln und dabei glaubwürdig bleiben und nicht nahtlos Klischees reihen.
Bücher dieser Art gibt es sicherlich viele, deswegen mein Tipp an jeden der schon einiges an Thrillern gelesen hat: Finger weg-schade um Zeit und Geld!