Jonathan Latimer. Wer? Der Name hat mir nichts gesagt und ich denke, den meisten wird es so gehen, aber fast jeder von uns ist schon mit der Arbeit von Latimer in Berührung gekommen. Er hat nämlich als Drehbuchautor unteranderen an den Serien Charlie Chan, Perry Mason und Columbo mitgewirkt. In den 1930er Jahren hat Latimer als Schriftsteller gearbeitet und 5 Detektivromane mit der Hauptfigur William Crane geschrieben. Er hat dabei Elemente der Screwball-Komödien (vermögende Protagonisten, Wortwitz, hohes Tempo, schon fast ins groteske abdriftende Szenen) in den Detektivkrimi gemischt und herausgekommen sind Krimikomödien.
In "Leiche auf Abwegen" klärt William Crane mit zwei Kollegen die Identität einer mysteriösen Frauenleiche. Für die Leiche interessieren sich neben Crane auch noch zwei lokale Unterweltgrößen und rasch tauchen weitere Leichen auf. Am Ende der Ermittlungen, die den Detektiv durch die Welt der Reichen und Schönen, die Jazz-Szene und die Unterwelt führen, kann er natürlich die Lösung des Falles präsentieren.
Muss man das Buch lesen? Nunja, zahlreiche Szenen sind herrlich Grotesk, z. B. die ersten Seiten in der Leichenhalle oder die Vernehmung eines bekifften Jazzmusikers oder wie Crane mit einem Spürhund auf der Suche nach einer Leiche über den Friedhof stolpert oder oder oder... Das Buch liefert außerdem einen Blick auf die Gesellschaft von vor 80 Jahren. Es ist schon erstaunlich wie sorglos und exzessiv Saufgelage beschrieben werden. Außerdem weiß ich jetzt, dass Taxigirls die Vorläufer des Tabledances waren und dass damals die Rollenbilder von Mann und Frau doch etwas von den heutigen abgewichen haben. Aber, man merkt dem Buch eben auch an, dass es schon fast 80 Jahre alt ist und die 1930er Jahre schon ganz schön weit in der Vergangenheit liegen. Wirklich große Bücher sind da zeitloser.
Fazit: Ein Buch für Leser, die die Screwball-Komödien der 1930er Jahre lieben oder für Leser die komische bis groteske Szenen lieben und sich am Staub, den den das Buch angesetzt hat nicht stören.
Eine Bewertung? Ich schwanke zwischen 3 und 4. Da ich deutlich besseren Büchern auch nur 4 Punkte gegeben habe, gibt es nur 3.