Peter Oestmann, Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte, 27. Jahrgang 2005 Nr. 1/2
[...] Die einzelnen Beiträge sind informativ [...]. Wichtige Detailfunde und interessante Leitgedanken [...].
Kurzbeschreibung
Das aktuelle Interesse an der Funktionsweise vormoderner ländlicher Gesellschaften erfordert auch eine Neubewertung des historischen Phänomens Leibeigenschaft. Der Band stellt hierzu für Mitteleuropa und ausgewählte Vergleichsregionen quellengestützte Untersuchungen vor: Diese lenken erstmals den Blick auf die unterschiedlichen sozialen Wirklichkeiten und zeitgenössischen Wahrnehmungen von Leibeigenschaft. Ihre Kodifizierung in Ostelbien erweist sich nur als Endprodukt einer Entwicklung, die sich auf lokaler Ebene längst vollzogen hatte. Refeudalisierungstendenzen führten zu ähnlicher Entwicklung auch in Gebieten, in denen sich Leibeigenschaft als Rechtsterminus nicht durchsetzte. Leibeigenschaft beruhte gleichwohl auf einer sozialen Ordnung, die zwar stets fragil blieb, aber den Abhängigen doch Spielräume eröffnete. Lokale Initiativen in Form von Freikäufen und Prozessen gegen Leib- und Gutsherren standen in enger Wechselwirkung mit dem zunehmend leibeigenschaftskritischen öffentlichen Diskurs und bereiteten die gesetzliche Aufhebung der Leibeigenschaft vor.