Go ist ohne Zweifel ein sehr komplexes Spiel. Ich wage zu behaupten, es ist komplexer als Schach, gerade auch, weil man so kreativ sein muss. Für jeden Zug gibt es unzählige Alternativen auf dem großen Brett mit seinen 361 Schnittpunkten.
Kageyamas Buch hat zwei besondere Vorzüge. Erstens zeigt es, dass Go gar so fürchterlich kompliziert ist, wie es auf den ersten Blick aussieht, wenn man nur einige einfache Prinzipien fest verinnerlicht hat. Auf Partiediagramme mit ellenlangen Zugfolgen wird verzichtet, stattdessen werden die "Fundamentals" und damit ein Gefühl für gute Züge anschaulich vermittelt, ein Gebiet, dass die meisten anderen guten Go-Bücher sträflich vernachlässigen.
Der zweite Vorzug dieses Buches ist Kageyamas unheimlich lebendiger und sarkastischer Schreibstil. Ständig bringt er herrliche Annekdoten aus seinem Leben und augenzwinkernde Schelte, wenn man seine Aufgaben nicht verstehen will.
Go ist ein Spiel, dass in erster Linie Spaß machen soll und das Freude am wetteifernden Taktieren und Lösen von Problemen vermittelt. Aus jedem Absatz des Buches spricht eine unheimliche Begeisterung, ein Enthusiasmus für Go respektive gutes Go. Ich las das Buch als 1. Dan, bald darauf konnte ich mich 2. Dan nennen. Aber auch für Kyu-Spieler, die schon regelmäßig auf dem großen Brett spielen, ist das Buch sehr gut geeignet.