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Lehrjahre des Gefühls: Geschichte eines jungen Mannes. Roman (insel taschenbuch)
 
 
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Lehrjahre des Gefühls: Geschichte eines jungen Mannes. Roman (insel taschenbuch) [Taschenbuch]

Gustave Flaubert , Maria Dessauer
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Lehrjahre des Gefühls
OT L’Éducation sentimentale OA 1869 DE 1904Form Roman Epoche Realismus
Gustave Flaubert wollte die Geschichte des moralischen Versagens seiner Generation schildern und verband dieses Anliegen mit den Geschehnissen der Februarrevolution von 1848.
Inhalt: Der labile Jurastudent Frédéric Moreau, der 1840 aus der Provinz nach Paris gekommen ist, unterhält Beziehungen zu Frauen aus unterschiedlichen Kreisen. Eine seiner Leidenschaften gilt Madame Arnoux, der Frau eines Kunsthändlers am Montmartre. Frédéric erkennt nicht, dass sie nur ein Spiel mit ihm treibt, in dem sie kühl zwischen Zuneigung und Distanz auslotet.
Als Madame Arnoux ihn abweist, stürzt sich Frédéric in zahlreiche Liebesabenteuer: mit Rosanette – sie ist zugleich die Geliebte des Herrn Arnoux –, mit Madame Dambreuse, der Frau eines Bankiers, und mit Louise, zu der es Frédéric immer dann hinzieht, wenn er sich nach Unbeschwertheit und Heimatnähe sehnt. Die Liebe dient ihm als Weg auf einer komplizierten Suche nach dem Sinn des Lebens.
Sein ambitionierter Freund Deslaurier vermittelt Frédéric den Kontakt zu Künstlern und Journalisten mit revolutionärer Gesinnung. Frédéric gibt sich erneut Illusionen hin, indem er davon träumt, der »Walter Scott Frankreichs« werden zu wollen. Das Geschehen der Revolution kann er jedoch erst richtig einschätzen, als er im Wald von Fontainebleau von der Verwundung eines Freundes erfährt – ein Beleg dafür, wie wenig der auf Ansehen und Geltung bedachte Frédéric die wirklichen Zustände einer heterogenen Gesellschaft richtig einzuschätzen vermag. Später muss er miterleben, wie Dussardier, einer seiner aufrichtigsten Bekannten, bei Kämpfen getötet wird.
Die nächsten 20 Jahre übergeht der Roman. Dann begegnet Frédéric, inzwischen dem Leben gegenüber völlig gleichgültig geworden, noch einmal Madame Arnoux, die ihm ihre Liebe gesteht. Resigniert stellt Frédéric fest, dass er seine Träume von einer glücklichen Liebe nicht verwirklichen konnte.
Aufbau: Flauberts Roman verzichtet vordergründig auf eine zusammenhängende, spannende Handlung. Das Geschehen kreist um Alltagssituationen, in deren Mittelpunkt ein Antiheld steht. Die einzelnen Situationen zeigen das bloße Verstreichen der Zeit, die damit zu einem wichtigen strukturellen Merkmal wird. Daneben erhält das Spiel mit Gegensätzen eine zentrale formale Funktion. Auf der einen Seite steht das private Leben im Vordergrund, auf der anderen Seite werden historische Ereignisse ausführlich dargestellt. Auch der Kontrast von Willensstärke und anfälliger Gefühlswelt sowie die Gegenüberstellung von Jugend und Alter prägen das Geschehen.
Wirkung: Auf die zeitgenössische Kritik, die an Werke von R Stendhal und Honoré de R Balzac gewöhnt war, wirkten Die Lehrjahre des Gefühls befremdlich, da ein traditionelles Handlungsschema fehlt. Mit Flauberts Vorstellung, ein »Buch über nichts« zu schreiben, konnten zeitgenössische Kritiker wenig anfangen. Dass jedoch Struktur und sprachliche Präzision als Vorbereitung des Naturalismus diente, hat man erst später erkannt. Erst im 20. Jahrhundert würdigte man Flauberts antiromantischen Roman. Marcel R Proust, für den dieser Roman zum Vorbild und Maßstab wurde, Georg R Lukács und Walter R Benjamin wiesen auf den hohen Rang des Buches hin. C. V.

Kurzbeschreibung

An Hand der Biographie des jungen Frederic Moreau, der von einem hoffnungsvollen, weichen und sentimentalen jungen Mann zu einem stumpfen 'petit bourgeois' verkommt, entwickelt Flaubert ein realistisches und eindrucksvolles Zeitgemälde der Jahre um 1848 in Paris. Es ist der geglückte Versuch, den historischen Zeitablauf und ein anonymes Schicksal parallel darzustellen. Die künstlerischen Mittel, das Prinzip der 'impassibilite' und der 'impartialite' (Kaltblütigkeit und Unparteilichkeit des Autors gegenüber der dargestellten Handlung) sind in diesem Roman verwirklicht und machen ihn zu einem Sprachkunstwerk höchsten Ranges, das neue stilistische Möglichkeiten für den modernen Romanstil erschloß.

Über den Autor

Gustave Flaubert wurde am 12. Dezember 1821 in Rouen als Sohn eines Chirurgen geboren. Bereits im Kindesalter unternahm er erste Schreibversuche. Eine wichtige Inspirationsquelle seiner Kreativität war eine jahrelang unerfüllte Liebe zu einer älteren Frau, Elisa Schlesinger, die er 1836 kennenlernte. Sein Vater drängte ihn 1840 zum Jurastudium, das er 1844 nach einem epileptischen Anfall aber abbrach. Fortan widmete er sein Leben nur noch dem Schreiben. Nach einigen Reisen in den Vorderen Orient, u.a. nach Ägypten, kehrte Flaubert wieder auf den Familiensitz in Croisset nach Rouen zurück, wohin er sich, abgesehen von einem regen Briefwechsel mit seiner Geliebten, der Schriftstellerin Louise Colet, und vereinzelten Reisen nach Paris, in die Isolation zurückzog. Flaubert war ein unverbesserlicher Perfektionist im Umgang mit Sprache und hegte eine jahrelange Zurückhaltung, was eine Veröffentlichung seiner Manuskripte anbelangte. Madame Bovary war der erste Roman Flauberts, er erschien 1856. Der Roman zog unmittelbar einen Prozess wegen Sittenlosigkeit nach sich, Flaubert wurde aber 1857 von den Vorwürfen freigesprochen. Flaubert gilt als einer der großen europäischen Romanciers und gehört neben Stendhal und Balzac zu den großen realistischen Erzählern der französischen Literatur. Flaubert starb am 8. Mai 1880.

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