Ich muss gestehen, ich ging mit einem Vorurteil an die Lektüre. Bielendorfer, das war doch der, der bei "Wer wird Millionär?" nicht wusste, dass man unter Renaissance die Wiedergeburt der Antike versteht; der mit dem Lämmchen im Wohnzimmer.
Es gefiel mir nicht, zu aufgesetzt, zu gewollt provokant, zu unglaubwürdig, zu absurd, zu unappetitlich, es sei denn "zu behaupten, sich die Hornhaut des Dalai Lama aufs Käsebrot zu hobeln, sei appetitlich".
Die Anekdoten häuptsächlich aus seinem Schülerleben, seien sie nun wahr oder gut erfunden, zogen mich dann doch allmählich in ihren Bann. Die abstruse Komik fing an, mir zu gefallen. Etwa die Geschichte beim Tierarzt, in der der Protagonist als Praktikant mit dem Gummihandschuh in den Enddarm eines Wachhundes eintaucht, aus dem ihm "ein Schwall angestauter Darmgase" entgegen kommt, die ihm "erfolgreich den Scheitel glattzogen". Letztlich war ich dann doch von "so viel Zuspruch zum Irrsinn erheitert".
Gelegentlich weiß man auch nicht, ob man weinen oder lachen soll und es kommt so etwas wie wie Empathie auf, wenn der Autor erzählt wie ein Mitschüler ihn "gequält und gepiesackt und viele seiner kindlichen Hoffnungen auf ein wenig Zugehörigkeit mit seiner Bösartigkeit ertränkt" hatte.
Sicher hat das Buch auch Längen, aber ich denke der junge Autor hat Potenzial. Angeblich ist sein zweites Buch bereits in Arbeit.