Jeder kennt das aus seiner eigenen Schulzeit oder vielleicht sogar aus seiner Erfahrung als Lehrender: Schüler machen Probleme, sind schwierig, lehnen sich gegen einen auf, machen nicht das, was sie tun sollen und verursachen dem Lehrer Kopfzerbrechen oder sogar Resignation. Das muss nicht sein!
Wie man mit solchen Situationen sinnvoll umgehen kann, legt Dr. Thomas Gordon in diesem Buch dar, welches quasi die schriftliche Fassung eines lange bewährten Kursprogrammes für Lehrer ist. Der Grundgedanke ist einfach: Wenn man ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis hat, sind beide Parteien zufriedener und bemühen sich mehr, dem anderen keine Probleme zu bereiten. Gordon erklärt, wie man seine Schüler zu Partnern machen kann: Indem man sie so behandelt, ehrlich und aufrichtig zu ihnen ist. Werkzeuge hierzu sind etwa "Gesprächsregeln" (wie aktives Zuhören, Vermeidung von "Straßensperren" der Kommunikation) oder "Ich-Botschaften" (die Gefühle eigene ausdrücken anstatt wie üblich anzuklagen). Dabei sind einerseits dem Leser viele Faktoren sicher schon bekannt, sie werden aber nun in einen größeren, sinnstiftenden Kontext eingebettet. Aber auch auf den ersten Blick überraschende Sachverhalte erweitern den psychologisch-pädagogischen Horizont - etwa, dass Lob und Ermutigungen Straßensperren sein können und in solchen Situationen dann unbedingt vermieden werden sollten.
Das Gordon-Konzept ist anerkannt, angenehm und mit etwas Übung auch nicht wahnsinnig schwer umzusetzen. Zumindest aber ist es leicht verständlich, was auch am eingänglichen Schreibstil liegt.
Ein paar negative Aspekte möchte ich aber bzgl des Buches erwähnen:
- Gordon macht für meinen Geschmack zu viel Werbung für seinen Kursus. Etwas weniger Hinweise, dass "in unserem Kurs" dies und das gelernt wird und dass danach alle glücklich sind, würden dem Stil gut tun.
- In diesem Sinne könnte man auch hin und wieder erwähnen, dass kein Konzept, so gut es auch sein mag, immer funktioniert. Zu komplex sind erzieherische oder allgemein zwischenmenschliche Interaktionen, als dass man mit ein paar simplen Regeln alle Probleme aus der Welt schaffen würde. Die Befolgung des Gordon-Konzeptes allein macht einen noch nicht zum Superlehrer - hier wäre etwas mehr Bescheidenheit und die ein oder andere Warnung gerade für angehende Lehrer angebracht.
- Die Beispiele wirken manchmal etwas gekünstelt und unrealistisch. Darüber lässt sich allerdings hinwegsehen, wenn man annimmt, dass dies der Demonstration der Methode dient und diese damit extra überbetont zum Ausdruck gebracht wird.
Trotzdem vergebe ich hier 5 Sterne und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für Lehrer, Lehramtsanwärter und alle, die sich dafür interessieren. Dieses Buch ersetzt kein Studium der Bildungswissenschaften, aber es gibt sehr brauchbare Praxishinweise, die einem dabei helfen (können), pädagogisches Theoriewissen erziehungswirksam umzusetzen.