Bei diesem ersten Versuch Ciorans in französischer Sprache handelt es sich größtenteils um eine Abwendung und Abrechnung mit seiner eigenen rumänischen Vergangenheit. An einer Stelle spricht er von sich selbst als jemandem, der irgendwo zur Welt gekommen ist, an angestammte Irrtümer geglaubt, Prinzipien aufgestellt und heißspornige Albernheiten angepriesen hatte. Er vergißt aber hinzuzufügen, daß dieses irgendwo Rumänien ist und es sich bei diesen Albernheiten um seine eigenen faschistischen und anti-semitischen Anschauungen handelt, die er vor allem in zahlreichen Artikeln der rechten Presse und dem Buch "Schimbarea la fata a Romaniei" (Die Gesichtsveränderung Rumäniens) vertreten hatte. In Unkenntnis dieser Tatsachen kann man das Buch nur mißverstehen. Natürlich verliert er kein Wort darüber sondern spricht in der "Lehre vom Zerfall" ganz allgemein von der Sinnlosigkeit der Geschichte und der verdorbenen Natur des Menschen. Durch diese Wendung ins Universelle verdeckt er nicht nur seine Vergangenheit, sondern entzieht sich auch jeder persönlichen Verantwortung. Nachdem er sich in den 30er Jahren in Rumänien als faschistischer "Prophet" einen Namen gemacht hatte, der in öffentlichen Briefen aus Deutschland Hitler und sein Regime anpries, zieht er es nun im französischen Exil vor, Skeptizismus und Nihilismus zu predigen. Vom politischen Extremismus kommend, verfällt Cioran nun dem Nihilismus als einer anderen Form des Extremismus. Er sieht nicht, daß die beiden Formen verwandt sind. Während der politische Extremismus rechter Natur aktiv Terror ausübt, übt der Nihilist sich in Teilnahmslosigkeit und Menschenverachtung, lamentiert über die Relativität der Wahrheit, das Böse in der Natur des Menschen und die Sinnlosigkeit der Geschichte. Es sei noch erwähnt, daß Cioran öffentlich nie Reue gezeigt hat und bis zum Schluß seine faschistischen Torheiten stets zu verheimlichen und verharmlosen wußte. Allerdings darf man ihm hierbei nicht zwingend Absicht unterstellen, da er offenbar Zeit seines Lebens die historischen Verwicklungen seines Werkes nicht erkannt hatte, sondern immer glaubte universelle Wahrheiten auszuposaunen.