Für Neuhebräisch gibt es einige Kurse für deutsche Muttersprachler, die leidlich für den Selbstlernenden geeignet sind. Diesen Kurs kann ich fast uneingeschränkt empfehlen. Die Vorzüge:
1. Alle Lektionen (50) sind kurz und übersichtlich, man hat dadurch das Gefühl, wirklich vorwärts zu kommen.
2. Die Lektionen sind redundant aufgebaut, sodass kein übermäßiges Vokabelpauken notwendig ist.
3. Druck- und Schreibschrift werden durchgehend geübt; beide Schrifttypen im Buch sind sehr gut lesbar.
4. Da Neuhebräisch zumeist unpunktiert (ohne Vokalzeichen) im Alltag zu lesen ist, übt das Buch die Wahrnehmung dafür von Anfang an. Sobald ein Wort punktiert eingeführt ist, wird es bei den Wiederholungen Stück für Stück "entvokalisiert", d.h. zuerst fehlen die Zeichen, die aus dem Zusammenhang erschließbar sind, dann werden alle Vokalzeichen fortgelassen. So lernt man fast von selbst die unpunktierten Wörter lesen (andere Kurse haben häufig erst vollständig vokalisierte Texte und dann ab einer bestimmten Lektion plötzlich keine Punkte mehr).
5. Die grammatischen Muster werden sehr einprägsam präsentiert.
6. Die Lektionstexte werden auf einer Kasette präsentiert (die ich allerdings nicht habe; günstiger wäre freilich eine CD).
7. Im Anhang findet sich zusätzliches Material (eine Art Kurzsprachführer sowie ein grammatisches Register).
8. Die zusätzliche Verschriftung der hebräischen Vokabeln in lateinischer Schrift helfen beim Gewöhnen an die fremde Schrift.
Dies allein würde 5 Sterne verdienen. Daher hier noch ein paar kleine Einschränkungen:
- Es sind recht wenige Übungen (die allerdings mit Lösungen zur Selbstkontrolle versehen sind). Ausgeglichen wird dies ein wenig durch die hohe Zahl der Lektionen insgesamt.
- Das Lehrbuch ist ein wenig "trocken", d.h. es fehlen z.B. Bilder, Zeitungsausschnitte o.Ä.
- Es fehlt ein alphabetisches Wortverzeichnis mit den Vokabeln aller Lektionen.
Dennoch kann ich das Buch auch Interessierten an Althebräisch empfehlen. Neben den gelegentlichen Bezügen im Buch selbst (Bibelzitate, Hinweise auf Sprachentwicklung) gilt dies für jeden Neuhebräischkurs. Die beiden Sprachstufen sind nicht sehr voneinander entfernt, sieht man einmal von dem natürlich sehr viel umfangreicheren neuhebräischen Wortschatz ab. Mir scheint es immer sinnvoll, eine Sprache als Sprache zu erlernen und Hebräisch bietet gegenüber anderen alten Sprachen (Latein, Griechisch) den einzigartigen Vorteil, das es heute eine lebendige Sprache ist. Gesprochen und angewendet prägt man sich vieles sehr viel leichter ein und kann sich, sozusagen als Bonus für Althebräischlernende, noch dazu in Israel verständigen. Man muss dann zwar noch ein wenig für Althebräisch dazulernen (anderer Gebrauch der Tempora, teilweise auch andere Stammformen, andere - reduzierte - Rechtschreibung), aber dies ist nicht allzu viel.
Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Kurs.