Wie ein anderer Rezensent schon so treffend formuliert hat: Kein anderes buch polarisiert so sehr wie die Landau-Reihe. An der LMU finden regelmäßig Vorlesungen statt, die auf der Landau-Reihe basieren. Das hat zur Folge, dass einige Leute, so wie ich, die mit der Landau-Reihe nicht so viel anfangen können auf der Strecke bleiben. Klar, das Buch ist sicherlich toll geschrieben, aber an einigen (eher: vielen) Punkten wären ausführlichere Rechnungen und Erläuterungen durchaus angebracht. Manchmal muss man regelrecht mentale Akrobatstücke vollbringen, um überhaupt dahinter zu kommen, was der Autor einem mitteilen will. Ein weiteres Problem ist zudem das Folgende: Wenn man eine theoretische Vorlesung hat, dazu ein theoretisches Buch und dann Übungsaufgaben rechnen soll, steht man vor einem Problem. Entweder man dermaßen viel Kreativität, dass man irgendwie auf die Lösung kommt, oder aber man rechnet und verzweifelt langsam. Aus diesem Grund tendiere ich eher zur praxisorientierteren Nolting-Reihe oder zur kompakten Fließbach-Reihe. Viele führen immer an: "Den Landau verstehen nur Genies!". Auch wenn ich kein Experte im Bereich der Intelligenzforschung oder Lerntheorie bin, so sei angemerkt, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt. Dazu muss man lernen per se auch erst einmal in zwei Bereich untergliedern: Verstehen und Anwenden. Beides fällt nur in den seltensten Fällen zusammen. Zum Verstehen der Theorie ist der Lnadau als Zweitlektüre zur Vorlesungsbegleitung sicherlich geeignet. Zum Anwenden hingegen, also zu Bearbeiten der Übungs- und Klausuraufgaben, braucht man ein anderes Buch. Es gibt jetzt bei den Lerntypen zwei Extrema: Der Versteher, der nur aufgrund des Lesens eines theoretischen Buches die Theorie versteht und in der Lage ist, sie auch anzuwenden, und den Anwender, der durch Beispiele auf die allgemeine Methode rückschließt. Diese Idealtypen treten eher nur in der Theorie auf.
Ein kurzes Wort noch zur Darstellung: Insgesamt gesehen ist die Darstellung, da sehr monoton, nicht besonders ansprechend. Der Mensch ist gemeinhin ein Augentier, und benötigt farbliche Hervorhebungen. Als erfahrener Mathematiker weiß ich, dass in Spezialbüchern diese fehlt, aber zu dem Zeitpunkt, zu dem derartige Bücher wichtig werden, hat man ja schon den Grundaufbau des Faches (hoffentlich) begriffen. Deswegen würde ich in theoretischer Physik, die in ihrer gesamtheit einen krassen Bruch mit der Schul-/Experimentalphysik darstellt, eher ein erklärendes Lehrbuch verwenden. So zum Beispiel den Nolting.
Inhaltouch gesehen fehlöt mir derzeit noch die Kompetenz um über den Landau zu urteilen. Allerdings kann ich nach bloßer Lektüre des Inhaltsverzeichnis bestätigen, dass die Landau-Reihe wesentlich mehr in die Tiefe geht, als es der Nolting tut. Aus diesem grund habe ich die Landau-Reihe auch als Zweit-Vorlesungsbegleitung auserkoren, die ich neben der Vorlesung zum Nachschlagen, an die Wand-Werfen und Anschreien (Auch ein Mathematiker darf frustriert sein :))) ) benutze.