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Diese paradoxe Feststellung bedarf einer soliden Untermauerung, so will ich also beginnen, zuerst den Aufbau darzustellen, ehe ich mit einer Detailkritk fortfahre und am Ende ein vernichtendes Urteil fälle.
Die Gliederung lautet wie folgt:
1. Grundregeln und Spielgesetze
2. Eröffnungslehre nebst Partien
3. Endspiele
Was auf den ersten Blick durchaus sinnvoll erscheint, offenbart eklatante Mängel. Auf jeden Fall müssen Spielregeln ihren Platz in diesem Buche finden, zumindest dieser Punkt ist ohne Fehl und Tadel, bedingt auch durch viele erklärende Diagramme.
Der große Abschnitt über die Eröffnungstheorie hat große Mankos.
Lobenswert ist, dass Teschner alle bekannten Eröffnungen mit den
wichtigsten Varianten anführt. Jedoch ist die Art und Weise, in der dies geschieht, didaktisch das bei weitem Mangelhafteste, das ich bislang in irgend einem Lehrbuch oder einer Einführung, die ich in der Schule, an der Universität oder zum privaten Gebrauch in meine Hände genommen habe.
Der Lernende erfährt nicht, worauf es in der Eröffnung prinzipiell ankommt (Figurenentwicklung, Kampf um das Zentrum) und was es tunlichst zu vermeiden gilt (Angriffe mit einer einzelnden Figur, planlose Bauernzüge etc). Da sich dieses Buch an den Anfänger richtet, sollte doch zumindest erwähnt werden, wie man die Eröffnung nicht spielt! Stattdessen werden
lieblos Zugfolgen aufgezählt, manche Züge als schwach, manche als stark bezeichnet - ohne dass dem Anfänger klar gemacht wird, warum ein "schwacher" Zug denn eigentlich schwach ist-, und diese so oft von Partiefragmenten unterbrochen, dass man alleine schon optisch Schwierigkeiten hat, sofern man die Seiten nicht mit einem Textmarker bemalen möchte. Eine Erklärung der Prinzipien jeder einzelnen Eröffnung - oder gar die Gemeinsamkeiten nach der groben Gruppierung in offen,
geschlossen, halboffen - wurde unterlassen. (Karpow hat übrigens vor über zehn Jahren eine Einteilung in offen, halboffen, halbgeschlossen und geschlossen vorgeschlagen, die inzwischen von vielen Autoren bzw. Herausgebern neuerer Bücher akzeptiert ist; aber auch in dieser Hinsicht bleibt man dem "klassischen Aufbau" des Dufresne treu.) Die einzelnden Eröffnungen werden in sogenannte "Spiele" aufgeteilt, die sich recht bald nach A,B,C,.. aufgliedern und jeweils (!) wiederum in a,b,c,...
untergliedern, mitunter kommen noch munter Verweise mit römischen und arabischen Ziffern hinzu. Es beginnt jeweils ein neuer Abschnitt, vorhergehende Züge werden nicht wiederholt. Wer also eine Variante nachschlagen möchte, blättert nicht wenig. Wäre es denn so viel Aufwand gewesen, jeweils die paar Züge in eckigen Klammern oder kursiv gesetzt, vor der Verzweigung einzufügen?
Im Anschluss werden Partien angefügt, die so spärlich kommentiert sind, dass es beinahe besser gewesen wäre, nur die Zugfolgen anzuführen. Als plakatives Beispiel gehe ich auf den Abschnitt zur Schottischen Eröffnung ein. Teschner führt eine Partie zwischen van der Wiel und Gulko an. Nach wenigen Zügen verliert Schwarz einen Bauern ohne Kompensation, im 16. Zug
lässt er sich Springer und Dame von einem Bauern gabeln. Teschner vergibt bei diesen beiden kapitalen Böcken im Kommentar nicht einmal ein schlichtes "?". Nach 22 Zügen gibt Schwarz auf, was Teschner zum Schluss bringt, dass sich auch mit "altmodischen Eröffnungen Lobeeren ernten lassen". Näher liegt doch wohl, dass der Verlust direkt den Fehlgriffen
des Schwarzen anzulasten ist. Die nächste Partie ist nicht unbedingt besser geeignet, mit der Eröffnung vertraut zu machen: Lichtenhein - Morphy, 1857. Was in Teschners Worten eine "prächtige Kurzpartie" (nur 19 Züge) ist, treibt einem heutzutage fast den Angstschweiß auf die Stirn, in Anbetracht der völligen Vernachlässigung der Verteidigung auf Lichtenheins
Seite. Lieber hätte man einige der sich durch "Schönheit und
Gedankentiefe" auszeichnenden Fernpartien gesehen, die 1842 zwischen London und Edinburgh ausgetragen worden sind, was der Leser diesem Büchlein weniger Seiten zuvor entnimmt.
Verblüfft hat mich übrigens auch, dass Teschner drei eigenen Partien untergebracht hat, genauso viele wie von Bobby Fischer, der ja kein Unbedeutender war. Lieber hat man wohl die "ollen Kamellen" - pardon: "prächtigen Partien" - aus dem 19. Jahrhundert im Buch gelassen.
Dass nicht einmal allgemeine strategische und taktische Erwägungen ihren Platz gefunden haben, versteht sich nun leider schon von selbst. Schachspielen hat man mit dem Hauptteil des Buches noch nicht gelernt.
Aber vielleicht begeistert ja das Schlusskapitel?
Wer sich vornimmt, sich chronologisch zu diesem vorzuarbeiten, sieht die letzten Seiten wohl nicht - zu seinem Glücke! Teschner stellt vor, wie man matt setzt. Dame plus König gegen König und so weiter, und so fort. Ein amüsanter Happen aus dem Abschnitt "Dame gegen Turm und Bauer": Teschner schreibt beschwingt, dass die Dame meistens gewinnt. Als Anfänger frage
ich mich aber möglicherweise: wie und in welchen Fällen? Es wird ein Beispiel gegeben, das zu einem Remis führt, ein anders führt zum Matt. Nur hätte man sich stattdessen vielleicht ein paar Prinzipien gewünscht. Aber die darf man sich alle selbst herleiten, was durch die überaus speziellen Beispiele,
die Studien (!) sind, alles andere als leicht machbar ist. Wäre es nicht besser gewesen, mit allgemeinen Regeln zu beginnen, wie mit dem Hinweis, dass der König im Endspiel eine starke Figur ist und benutzt werden sollte?
Stattdessen müht man sich durch ein paar Diagramme und dürfte im Ernstfall schlechte Karten haben. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass jemand, der nur Teschners Werk gelesen hat, überhaupt je ein Endspiel auf dem Brett sehen wird.
Auch dieser Bereich bereitet daher nicht geringe Kopfschmerzen.
Zum Schluss folgt eine kleine chronologische Aufzählung von bedeutenden Wettkämpfen, insgesamt äußerst lakonisch und alles andere als liebevoll.
Warum man bei der 30. Auflage (2003) die Mühe gescheut hat, die seit der 29. verstrichenen acht Jahre nachzutragen, ist ein kleines Rätsel, passt aber gut ins Bild.
Mit viel Spott und Häme behaupte ich, dass uns der Verlag Reclam hier eine Karikatur eines Schachlehrbuches vorgelegt hat; alleine das große Gewicht auf die Eröffnungen macht lachen, denn das spezielle Studium dieses Bereiches wird gemeinhin erst ab höheren Wertungszahlen (ab ca. 1700) bzw. längerer Praxis empfohlen, da man zuvor schlichtweg kein Kapital daraus
ziehen kann. Was bringt denn ein kleiner Vorteil in der Anfangsphase, wenn man im Mittelspiel eine Figur einstellt oder ein simples Matt übersieht, das leicht zu decken gewesen wäre? Eben.
Meine Empfehlung für den Einstieg: "The Complete Chessplayer" von Fred Reinfeld.
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